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		<title>Schreibtagebuch</title>
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		<title>Tiefbegabte Bingokugeln</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 20:04:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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		<description><![CDATA[Andreas Steinhöfel ist einer der erfolgreichsten Kinderbuchautoren der letzten Jahre. Mit den beiden Charakteren Rico und Oskar ist es ihm wiederum gelungen, in die Welt von Kindern einzutauchen und nicht nur eine spannende Geschichte zu erzählen, sondern auch unseren Alltag, insbesondere den des Großstadtmilieus, zu beobachten, aus der Sicht eines Kindes zu beschreiben und dabei [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1934&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Andreas Steinhöfel ist einer der erfolgreichsten Kinderbuchautoren der letzten Jahre. Mit den beiden Charakteren Rico und Oskar ist es ihm wiederum gelungen, in die Welt von Kindern einzutauchen und nicht nur eine spannende Geschichte zu erzählen, sondern auch unseren Alltag, insbesondere den des Großstadtmilieus, zu beobachten, aus der Sicht eines Kindes zu beschreiben und dabei mit viel Sprachgewandtheit und Humor auch ernste Themen zu beleuchten.</p>
<p>So treffen wir mit Rico als Erzähler auf einen tiefbegabten Jungen, der von seinem Lehrer in der Förderschule aufgefordert wurde, ein Ferientagebuch zu schreiben. Rico lebt mit seiner Mama in Berlin, in der Dieffe 93. Er kann sich keine Wege merken und muss daher immer geradeaus gehen, aber er kann sehr gut erzählen, auch wenn er immer ein wenig abschweift und viele Worte nicht kennt. Außerdem muss er auf die Bingokugeln in seinem Kopf aufpassen, denn wenn er zu viel denkt, geraten die ganz schön durcheinander und dann wird es mit dem Denken gar nichts mehr. Eines Tages trifft Rico auf den hochbegabten, aber stets einen blauen Sturzhelm tragenden Oskar, der sich über den komischen Jungen wundert, ihn aber zusehends ins Herz schließt. Die Zwei verabreden sich zu einem erneuten Treffen, aber Oskar taucht nicht auf. Rico ist enttäuscht, aber dann erfährt er aus dem Fernsehen, dass Oskar von dem Entführer Mister 2000 entführt wurde. Mister 2000 hält ganz Berlin in Atem. Er entführt seit Wochen Kinder und verlangt von ihren Eltern ein Lösegeld von zweitausend Euro. Rico beschließt, sich auf die Suche nach Oskar zu machen und dabei sind ihm seine Orientierungslosigkeit und die Bingokugeln nicht gerade behilflich. Aber es gibt ja doch einige Erwachsene, auf die man bauen kann, und auch wenn Rico tiefbegabt ist, so fehlt es ihm nicht an detektivischem Gespür, das ihn schließlich auf eine ganz unvermutete Fährte und in die Arme des Entführers führt.</p>
<p>Das Wunderbare an der Geschichte um die Tieferschatten ist, dass es nicht nur Ricos Versuche, Oskar zu finden, sind, die sie spannend machen, sondern Ricos Betrachtungen der Welt, in der er lebt. Seine Art Wörter, die er nicht kennt, leicht zu beschreiben, verursacht öfter ein Schmunzeln und das Gefühl, dass wir als Erwachsene doch um viel zu viele Ecken denken. Die Charaktere des Kinderbuches stehen weit im Vordergrund und machen sie daher so unglaublich liebenswürdig. Alle sind ein wenig verschroben und durchgeknallt, ganz besonders die Bewohner der Dieffe 93. Besonders angenehm empfinde ich dabei, dass diese Charaktere nicht vor Berührungen zurück scheuen. Da gibt es einfach keine klischeehaften Bösen oder Guten, es gibt keine harten Jungs oder rosa Prinzessinnen. Nein, da gibt es eben auch mal zwei befreundete Jungs, die sich an der Hand nehmen oder in den Arm oder die in einem Bett zusammen schlafen, ohne dass ein Aufschrei ertönt. Aber Steinhöfel schafft es auch die Umgebung lebendig zu gestalten und uns durch einen Teil Berlins zu geleiten, wo ein Großteil seiner Geschichten spielen. Dazu trägt auch in hohem Maße der Schreibstil bei, der aber viele kleine versteckte Details enthält, die jüngeren Kindern vermutlich gar nicht auffallen werden. Daher ist das Buch durchaus auch etwas für Jugendliche und Erwachsene geeignet, empfohlen ab 10, richtig zu genießen aber wahrscheinlich erst ab 12-14.</p>
<p>Trotzdem ist Rico, Oskar und die Tieferschatten eine liebevolle Geschichte mit absolut warmherzigen Charakteren, die Groß und Klein gefallen wird. Am besten zusammen lesen und richtig genießen und danach gleich noch mal lesen!</p>
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		<title>84 Der Schlangenschädel (11)</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 20:02:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibtagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Paizo]]></category>
		<category><![CDATA[Pathfinder]]></category>
		<category><![CDATA[Rollenspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Schlangenschädel]]></category>
		<category><![CDATA[Schmugglerinsel]]></category>
		<category><![CDATA[Ulisses]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Pfad in den Dschungel 3. Lamashan 4708, Schmugglerinsel, Bucht der Verzweiflung In dieser Nacht wurde Kuraz von schrecklichen Träumen geplagt. Menschengroße Krebse jagten sie über das Deck der Jenivere, während hinter ihr ein Lachen zu vernehmen war, das von einer großen Schlange kam. Das Zischen dröhnte noch immer in ihren Ohren, als sie erwachte [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1932&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong>Der Pfad in den Dschungel</strong><br />
<strong>3. Lamashan 4708, Schmugglerinsel, Bucht der Verzweiflung</strong></p>
<p style="text-align:left;">In dieser Nacht wurde Kuraz von schrecklichen Träumen geplagt. Menschengroße Krebse jagten sie über das Deck der Jenivere, während hinter ihr ein Lachen zu vernehmen war, das von einer großen Schlange kam. Das Zischen dröhnte noch immer in ihren Ohren, als sie erwachte und von der aufsteigenden Sonne bereits wieder geblendet wurde. Sie war schweißgebadet, ohne sich auch nur einen Zentimeter bewegt zu haben. Sie setzte sich auf und atmete tief durch, bevor sie nach den anderen Ausschau hielt. Die meisten schliefen noch, doch Emere stand mit beiden Füßen im Wasser und blickte über das Meer. Sie wirkte nachdenklich, beinahe verzweifelt. Kuraz raffte sich auf und überlegte, ob sie sich zu ihr gesellen sollte, aber vielleicht brauchte Emere einfach etwas Zeit für sich. Da sie sonst nichts zu tun hatte, begann Kuraz ihre Sachen zusammen zu packen.<br />
„Guten Morgen.“<br />
„Oh, Emere, ich dachte, du willst vielleicht allein sein. Da habe ich schon angefangen&#8230;“<br />
„Ist gut, du musst dich nicht rechtfertigen. Ich wollte dir nur guten Morgen sagen. Hast du gut geschlafen?“<br />
„Es ging. Ich hab‘ was ziemlich Merkwürdiges geträumt. Von einer Schlange, keine Ahnung.“<br />
„Hm, weißt du, ich habe mir Gedanken gemacht, was diese Ieana hier wollen könnte, warum sie dazu den Kapitän missbraucht und uns alle beinahe getötet hat. Aber ich komme einfach nicht darauf. Ihre Forschungen, womit auch immer sie sich beschäftigen mögen, können all das nicht rechtfertigen. Vielleicht ist sie besessen von etwas.“<br />
„Ich weiß nicht. Ich will eigentlich nur, dass wir alle hier überleben und von der Insel runter kommen.“<br />
„Na hör mal, ich dachte, du willst ein richtiger Abenteurer werden! Da müssen dich doch ihre Beweggründe interessieren. Verspürst du denn gar keine Lust, ihr zu folgen und herauszufinden, was sie will?“<br />
Kuraz versuchte das Verlangen zu spüren, Ieana zu folgen, aber stattdessen wurde ihre Aufmerksamkeit auf ihre Begleiter gelenkt und darauf, dass sie sich wünschte, sie würden alle überleben.<br />
„Nein, ich glaube nicht. Vielleicht, wenn es nur um mich ginge, aber ich denke, es ist erst einmal wichtiger, dass wir uns alle in Sicherheit begeben. Was mit Ieana ist, können wir später noch klären.“<br />
„Du bist so süß, weißt du das? Aber ihr armen Kinder müsst ja auf der Straße möglichst auch zusammen halten.“<br />
Emere tätschelte ihren Kopf, als wäre sie ein Hund. Kuraz kräuselte gekränkt die Nase.<br />
„Ich komme nicht von der Straße! Ich habe Eltern und eine Schwester und auch wenn wir nicht viel Geld haben, kommen wir gut zurecht! Ich brauche dein Mitleid nicht!“<br />
Die Worte waren schärfer ausgesprochen, als sie es beabsichtigt hatte. Sie hatte Emere nicht anschreien wollen, denn immerhin, auch wenn die Taldani sie bevormundete, war sie es doch gewesen, die ihr diese Reise überhaupt erst ermöglicht hatte, das rief sich Kuraz immer wieder in ihr Gedächtnis zurück, auch wenn es sie langsam nervte.<br />
„Du verbringst ein bisschen zuviel Zeit mit unserer Elfe, für meinen Geschmack. Ich bemitleide dich nicht, doch du bist noch ein Kind, Kuraz, auch wenn du erwachsen erscheinen magst und gute Entscheidungen triffst. Du solltest froh darüber sein, dass es jemanden gibt, der sich um dich kümmert.“<br />
„Ja, das bin ich ja, aber ich&#8230;“<br />
Emere streckte ihre Arme aus und legte ihre Hände auf ihre Schultern. Obwohl sie schwer waren, fühlten sie sich beruhigend an und Kuraz hätte sich gerne an sie gelehnt und diesen Moment eine Weile genossen, aber allein der Gedanke daran beschämte sie, so dass sie den Blick senkte.<br />
„Es ist gut. Du hast mich oft überrascht und ich habe dich unterschätzt. Das tut mir Leid, doch lass mich dich ab und an necken und dir helfen, selbst wenn du diese Hilfe nicht brauchst, in Ordnung?“<br />
Kuraz sah auf. Ihr Wunsch, Emere zu umarmen, wurde noch stärker, bis er sie überwältigte und sie ihre Arme um ihren Körper schlang. Ungefähr zehn Sekunden lang genoss Kuraz das Gefühl, bevor sie Emere wieder los ließ, über das ganze Gesicht strahlte und sich ausgiebig streckte. Die Taldani war sichtlich überrascht, doch schließlich lächelte auch sie, bevor sie mit einem lauten „Guten Morgen“ alle anderen aufweckte.<br />
Kurz nach einem kargen Frühstück schlich Manaal durch das Lager, kniete sich ab und an hin, fuhr mit den Händen über den Sand und trat schließlich zu ihren Gefährten, die mit mehr oder weniger zur Schau gestellter Begeisterung bereit standen.<br />
„Ich denke, ich kann der Spur folgen. Wenn mich nicht alles täuscht, führt sie in die Richtung, in die wir ohnehin wollen. Aber wir müssen uns ein wenig sputen. Noch ein paar solcher Regengüsse mehr und ich werde nicht mehr viel zum Verfolgen haben.“<br />
Keiner protestierte gegen Manaals Vorschlag und selbst wenn manche Proteste empfinden mochten, so waren sie zu müde und zu mitgenommen von der ewigen Hitze. Stumm marschierten sie in gewohnter Reihenfolge durch den Dschungel. Kuraz dachte über ihren Traum mit der Schlange nach und fragte sich, was das zu bedeuten hatte. Gegen Mittag, als sie eine Pause einlegten, um zu essen und zu trinken, wandte sie sich an Jualy.<br />
„Sag mal, Jualy, können Götter einem auch Träume schicken?“<br />
„Aber natürlich, Kuraz, und das ist noch nicht einmal ungewöhnlich. Sie senden uns ihre Botschaften oft durch unsere Träume, weil sie häufig der einzige Weg sind, um unser Bewusstsein zu durchdringen und zu uns zu gelangen. Aber ich frage mich, welchen Traum dir der Trunkenbold geschickt haben sollte.“<br />
Kuraz grinste schief bei der Erwähnung des Spitznamens ihres Gottes. Es gefiel ihr nicht, dass er nur unter diesem Aspekt gesehen wurde, doch sie sah keine Notwendigkeit darin, sich mit Jualy darüber zu streiten.<br />
„Jedenfalls keinen, in dem es um Hopfen und Malz ging. Ich habe von einer Schlange geträumt. Sie hat gelacht, während mich diese komischen Eurypteriden über das Deck der Jenivere gejagt haben.“<br />
„Eine Schlange?“ Jualy wirkte plötzlich besorgt. „Das ist seltsam, allerdings.“<br />
„Ja, finde ich auch. Was soll das bedeuten? Bedeutet es überhaupt etwas?“<br />
„Gut möglich, weißt du, als ich Alton untersucht habe, habe ich seltsame Bisse bei ihm gefunden. Da ich mir nicht wirklich erklären konnte, woher sie stammen sollten, dachte ich, es seien vielleicht Einstiche vom Stachel der Meeresskorpione, aber jetzt, wo du deinen Schlangentraum erwähnst, wird mir klar, dass sie aussahen wie Schlangenbisse. Allerdings hilft uns das wohl auch nicht weiter.“<br />
„Nein, die Schlange, die wir an Bord hatten, war wohl nur eine sprichwörtliche“, murmelte Manaal, die vor ihnen lief, vor sich her. Kuraz nickte, dachte aber weiter an das schreckliche Zischen und das Lachen der Schlange, bis sie wieder aufbrachen. Manaal nahm keine Rücksicht auf die Schwächeren unter ihnen, sie wollte so schnell wie möglich voran kommen. Als der Nachmittag älter wurde und keine Regengüsse ihre Wanderung aufhielten, waren alle erleichtert, nur Aerys blieb inzwischen weit zurück.<br />
„Sie leidet wohl noch immer an den Folgen des Strandens. Ich werde sie nachher untersuchen müssen.“<br />
„Ach was, Jualy, sie leidet nur an den Folgen ihrer eigenen Dummheit“, wandte Emere ein. „Sie hat wohl schon länger nichts mehr getrunken. Ich nehme an, dass sie Entzugserscheinungen hat.“<br />
„Umso mehr sollten wir uns um sie kümmern, sonst wird sie zusammen brechen. Ich bringe ihr Wasser.“<br />
„Wartet! Seht mal!“<br />
Manaal war stehen geblieben und deutete auf eine Art Hecke, ein gewaltiges Dickicht, das scheinbar ausschließlich aus Dornen bestand. Kuraz schauderte bei dem Gedanken, da hindurch zu müssen. Leider schien die Spur, die sie verfolgten, geradewegs in das Dickicht zu führen.<br />
„Ich glaube einfach nicht, dass sie wirklich da durch marschiert sind“, mutmaßte Manaal und ging in die Hocke, um die Spur zu verfolgen. „Nein, außen herum. Aber das könnte uns Stunden kosten.“<br />
„Ich werde da sicher nicht hindurch waten, Manaal!“<br />
„Nein, das würde ich dir auch nicht raten. Das sind Vipernnesseln, äußerst sympathische Vertreter ihrer Art. Ihr Gift ist um einiges stärker als das normaler Nesseln wie Brennnesseln. Allerdings könnten ihre Beeren Aerys helfen.“<br />
„Ihre Beeren?“ Kuraz versuchte die Beeren zu finden, von denen Manaal sprach. Sie waren rot wie Äpfel, aber sie wuchsen inmitten des Dickichts und waren unerreichbar. „Diese Beeren?“<br />
„Genau diese Beeren, Kuraz. Sie heilen Krankheiten und Süchte, aber ob es das wert&#8230;Kuraz!“<br />
„Das glaub ich jetzt einfach nicht! Komm zurück, du dummes Kind!“ rief Emere ihr noch hinterher, aber Kuraz watete bereits durch das Dickicht aus Dornen, die sich ständig in ihre Haut bohrten. Mit einigem Geschick schaffte es Kuraz, ihnen so auszuweichen, dass sie nicht durch ihre Haut stachen, trotzdem atmete sie auf, als sie endlich die Beeren erreicht hatte. Ihre Haut kribbelte überall. In aller Eile sammelte sie die Beeren ein, bis sie zwei Handvoll hatte. Gerade als sie nach der letzten Beere greifen wollte, übersah sie eine der kleineren Dornen, die einen blutigen Kratzer an ihrer Hand hinterließ. Kuraz spürte, wie ein schrecklicher Juckreiz sich sofort über ihren gesamten Arm ausbreitete. Sie musste zurück und zwar schnell. Die Sonne brannte auf ihr Gesicht und ihr wurde schwindlig. Der Rückweg war anstrengend und sie fühlte sich schrecklich. Torkelnd trat sie aus dem Dickicht der Vipernnesseln und fiel Emere direkt in die Arme.<br />
„Wie bin ich bloß auf die Idee gekommen, deine Überfahrt zu bezahlen? Du bist einfach&#8230;“<br />
Den Rest bekam Kuraz nicht mehr mit. Sie wurde ohnmächtig, aber das beendete ihr Leiden keinesfalls, denn in ihren Träumen saß sie in den Vipernnesseln fest. Ein schreckliches Zischen begleitete ihre verzweifelten Versuche den Stichen der Dornen zu entgehen, die sich wie Schlangenbisse anfühlten. Keuchend rang sie mit den Pflanzen, die sich um ihre Knöchel rankten, sie zu Fall brachten und sie in die Augen der Schlange blicken ließen, die ihr gewaltiges Maul aufriss und ihr direkt ins Gesicht zu beißen drohte.<br />
„Kuraz? Komm zu dir. Du musst etwas trinken.“<br />
Kuraz versuchte tief zu atmen. Was war passiert? War sie noch im Dickicht? War sie gestorben? Wie viel Zeit war vergangen? Sie spürte die kühle Nachtluft, um sie herum war es dunkel und sie war dankbar dafür.<br />
„So jemanden wie dich habe ich wirklich noch nie getroffen. Hätte ich geahnt, was für einen Ärger du uns machst, hätte ich dich in Magnimar gelassen. Jetzt trink etwas!“<br />
Ihr Kopf wurde angehoben, eine Schale wurde an ihren Mund gesetzt, sie spürte eine warme Flüssigkeit ihre Kehle hinunter laufen, aber es fühlte sich gut an. Sie öffnete die Augen und gähnte, als hätte sie drei Tage hindurch geschlafen.<br />
„Schön, dass du wieder unter uns Lebenden weilst. Wie geht‘s dir?“<br />
„Ich glaube, ganz gut. Wie lange habe ich denn geschlafen?“<br />
„Einen ganzen Tag. Jask hat dich gestern durch den Dschungel geschleppt, bis wir einen vernünftigen Lagerplatz gefunden haben. Seitdem wachen wir hier über dich, wieder einmal. Ich weiß bald nicht mehr, was ich mit dir anfangen soll. Wieso bist du bloß da rein gegangen? Dein ganzer Körper war übersät mit einem hässlichen Ausschlag! Zum Glück konnte Jualy dich heilen und deine Wunden schließen, sonst wären gleich noch Insekten über dich hergefallen.“<br />
„Es tut mir Leid. Ich dachte nur, dass es Aerys helfen würde, von den Beeren zu essen.“<br />
„Das hat es auch. Es geht ihr um einiges besser, aber es wäre nicht nötig gewesen. Entzugserscheinungen ebben irgendwann ab. Außerdem trägt sie selbst Schuld an ihrem Elend, das hättest du nicht tun sollen.“<br />
„Aber es hat ihr geholfen.“ Kuraz ließ sich auf ihren Schlafplatz zurück sinken. „Das war es wert.“<br />
„Bitte, wie du meinst, aber das nächste Mal lassen wir dich einfach liegen. Du hältst uns ständig auf.“<br />
„Tut mir Leid, ehrlich.“<br />
„Jetzt setz nicht schon wieder deinen Hundeblick auf! Versuch noch ein wenig zu schlafen. Morgen gehen wir weiter und du solltest fit sein, denn ich werde nicht noch mal zulassen, dass einer von uns dich durch den Dschungel tragen muss, hast du das verstanden?“<br />
„Zu Befehl, Kommandant!“<br />
„Werd‘ ja nicht noch frech! Töricht und vorlaut, das habe ich wirklich gern!“<br />
Emere schimpfte noch, als sie sich bereits, nicht weit entfernt von Kuraz, auf ihre Lagerstätte gelegt hatte. Kuraz beobachtete durch das Dach der Bäume den Himmel und die zahlreichen Sterne, die sie in Magnimar nur selten gesehen hatte. Es war wirklich dumm gewesen, sich dieser Gefahr auszusetzen, aber wenn es Aerys nun besser ging, kamen sie schneller voran. Mochte die Halb-Elfe auch Schuld an ihrem Zustand tragen, so war Kuraz doch froh, die Beeren gesammelt zu haben.<br />
„Töricht und vorlaut, jawohl!“<br />
Kuraz lachte leise, bevor sie die Augen schloss und in dieser Nacht von keiner Schlange verfolgt wurde, zumindest nicht in ihren Träumen.</p>
<p style="text-align:center;">
<strong>Die roten Augen der Nacht</strong><br />
<strong>5. Lamashan 4708, Schmugglerinsel, Bucht der Verzweiflung</strong></p>
<p style="text-align:left;">Am sechsten Tag ihrer Reise war die Hitze beinahe unerträglich. Kuraz war dennoch guter Dinge. Sie konnte sich nicht erinnern, sich während ihrer Reise schon jemals so gut gefühlt zu haben. Bis auf Jask schien jedoch keiner ihren Enthusiasmus teilen zu können. Es war bereits später Nachmittag, als der kleine Fluss, dessen Verlauf sie seit dem Dickicht gefolgt waren, versiegte.<br />
„Na schön, weiter kommen wir heute nicht. Lasst uns hier das Lager aufbauen. Ich bin echt fertig.“<br />
„Hört, hört, die Elfe ist fertig. Dann war dies wirklich ein anstrengender Tag“, spottete zur Abwechslung einmal nicht Emere, sondern Gelik, der seine Reisegefährten anscheinend zwar mochte, sich aber den einen oder anderen Kommentar nicht verkneifen konnte. Manaal schenkte ihm nicht weiter Beachtung, sondern machte sich daran, gemeinsam mit Jask das Lager aufzubauen. Der tägliche Regen ließ sich Zeit, bis die Hälfte des Lagers stand, dann brach der Regenguss über sie ein. Zusammen gedrängt standen sie unter dem halbfertigen Zeltdach, während um sie herum das Licht der Sonne erlosch und es dunkel wurde.<br />
Erst spät in der Nacht war das Lager fertig und mit Jualys Hilfe hatten sie es geschafft, trotz nasser Zweige, ein kleines Feuer zu entzünden, an dem Kuraz saß, um Wache zu halten. Sie war müde und hätte lieber geschlafen, aber obwohl ihnen bisher nichts Bösartigeres außer den Vipernnesseln über den Weg gelaufen war, konnten alle besser schlafen, wenn einer von ihnen das Lager bewachte. Doch es fiel ihr schwer, die Augen nach diesem Tag noch offen zu halten. Sie versuchte, daran zu denken, was hinter ihnen lag und was noch auf sie warten würde. Sechs Tage befanden sie sich inzwischen auf dieser Insel. Sie kamen nur langsam voran und wie Kuraz es sah, lag das vor allem an ihr. Zweimal hatten sie inzwischen wegen ihr einen längeren Halt einlegen müssen. Kuraz seufzte leise.<br />
„Vermutlich hat Emere recht. Du bist noch ein Kind. Die anderen sind viel erfahrener und kommen mit der Situation besser zurecht. Die machen nicht so leicht schlapp! Also wirst du dich jetzt auch zusammen reißen!“<br />
Plötzlich raschelte es hinter ihr. Kuraz sprang auf die Beine und wandte das Gesicht dem dichten und dunklen Dschungel entgegen. Sie konnte nichts erkennen, aber da war etwas gewesen.<br />
„Nur einer dieser komischen Hasen, ganz bestimmt. Kein Grund, nervös zu werden. Alles in Ordnung.“<br />
Kuraz erstarrte. Vor ihr in der Dunkelheit glühte ein rotes Augenpaar auf. Das varisianische Mädchen sog die sie umgebende Luft ein, bis ihre Lunge zu platzen drohte. Beim Ausatmen zwinkerte sie mehrmals und als sie wieder an die Stelle sah, wo das rote Augenpaar sie beobachtet hatte, war nichts weiter außer Finsternis.<br />
„Einbildung, alles nur Einbildung, ich hab mir das nur eingebildet.“<br />
Kuraz zitterte am ganzen Leib und wäre am liebsten zu Emere gekrochen, um sie aufzuwecken, aber diese Blöße konnte sie sich nicht geben. Emere und mit Sicherheit auch Gelik würden sie ewig verspotten und sie als Kind ansehen. Deshalb atmete Kuraz ein paar Mal tief durch und ließ sich auf ihrem Platz nieder, wobei sie weiterhin das untrügliche Gefühl hatte, beobachtet zu werden. Nach einer Weile aber besiegte die Müdigkeit ihre Angst und wenn Kuraz nicht während des Einnickens das ewige Zischen der Schlange aus ihren Träumen im Ohr gehabt hätte, was sie nicht mehr ruhig schlafen ließ, dann hätte die riesige Spinne, die sich leise und gemächlich von einem der Bäume, an denen sie ihre Planen befestigt hatten, herab ließ, eine leckere und einfach zu verspeisende Mahlzeit gehabt. Doch gerade als die Spinne mit ihren Giftzähnen eine Probe von Kuraz‘ Hals nahm, erwachte das Mädchen und schlug aus Panik wild um sich.<br />
„Spinne! Spinne!“ schrie sie durch das ganze Lager und weckte schlagartig ihre Gefährten, die sich in der Dunkelheit erst einmal orientieren mussten. Kuraz rollte dagegen zur Seite und zog ihr neues Kurzschwert hervor. Sie hieb nach einem der acht behaarten Beine und schlug es vom Körper der Spinne, die sich daraufhin auf ihre anderen Beine stellte und bedrohlich zischte, was Kuraz nur noch mehr an die Schlange aus ihren Träumen erinnerte.<br />
„Mistvieh! Wir sind kein Mitternachtsmahl, verstanden?“ Manaal fischte nach ihrem Langschwert, bekam es zu fassen und schlug nach der Spinne, die aber flink genug war, um der Klinge zu entgegen. Kuraz rappelte sich wieder auf, als ihr Ohr dieses Mal nicht von einem Zischen, sondern von Emeres Stimme berührt wurde. Wie bereits im Rumpf der halbgesunkenen Jenivere, tänzelte die Frau auf die Spinne zu und sang dabei ein Lied, das Kuraz nicht nur äußerst gut gefiel, sondern in ihr auch neue Hoffnung zu wecken schien. Sie sprang der Spinne mit einem Schrei entgegen und verfehlte sie nur um wenige Millimeter, doch ihr Sprung hatte die Spinne genau in Manaals Richtung ausweichen lassen und die Elfe nutzte den Moment. Mit einer Präzision, die nur Elfen eigen ist, glitt die Klinge ihres Langschwertes in den Leib der Spinne, die einen hohen, markerschütternden Schrei von sich gab, bevor ihre verbliebenen Beine unter ihr nachließen und sie zu Boden fiel.<br />
Angewidert zog Manaal ihr mit grünem Schleim bedecktes Schwert aus dem Hinterleib der Spinne und reinigte es mit einigen Blättern, bevor sie die Klinge in die Scheide zurück gleiten ließ. Kuraz machte es ihr nach und versuchte dabei möglichst erfahren und sicher zu wirken, wobei sie zwei Anläufe brauchte, um das Schwert zurück zu stecken. Sie war es eben nicht gewohnt, eine solch prächtige Waffe mit sich zu führen.<br />
„Das war knapp! Kuraz, alles in Ordnung?“ Emere klang wenig besorgt und sah sie nicht einmal an. Kuraz fand es beinahe schade, nicht von ihr getröstet und bemuttert zu werden, andererseits hatte sie es selbst so gewollt.<br />
„Ja, alles bestens. Allerdings hat sie mich angeknabbert. Aber das ist nichts weiter!“<br />
„Angeknabbert?“ Jualy schritt vorsichtig an der Spinne vorbei und griff Kuraz in den Nacken, wo sie die zwei schmerzhaften Bissmale betastete. „Setz dich da drüben hin! Ich muss sehen, ob sie dich vergiftet hat!“<br />
„Nein, mir geht‘s gut, ehrlich! Es hat kurz gekribbelt, aber jetzt ist alles wieder in Ordnung.“<br />
„Kuraz, tu was ich dir sage!“<br />
Zwei Sekunden später saß Kuraz mit nach vorn gebeugtem Kopf und wartete, bis Jualy ihre Untersuchung abgeschlossen hatte. Sie hatte die kleine Wunde zudem mit einem kühlen Brei, gewonnen aus einer einzigen Beere der Vipernnesseln, bestrichen.<br />
„Die Wunde sieht sauber aus. Vermutlich konnte sie nicht lange genug beißen, um dir ihr Gift zu injizieren, du hattest Glück. Aber du solltest bei deiner Wache vorsichtig sein und wenn du dich verletzt, zeig es mir gleich! In Magnimar mag ein Kratzer nur ein Kratzer sein, hier ist er gleichzeitig Nahrungsquelle und Nistplatz für Insekten!“<br />
„Ja, es tut mir Leid, ich wollte dir nicht widersprechen. Ich wollte nur nicht, dass du dir umsonst Sorgen machst.“<br />
„Du bist eben doch noch ein Kind!“ schimpfte Emere und ließ ihre Hand durch Kuraz‘ verschwitzte Haare gleiten. Sie lächelte dabei, nur Manaal schüttelte den Kopf.<br />
„Als ob das etwas damit zu tun hätte. Ab jetzt werden wir aber noch vorsichtiger sein müssen, deshalb werden immer zwei von uns Wache halten. Und wir müssen besser auf die Bäume acht geben, in deren Nähe wir unser Lager errichten.“<br />
„Ich dachte, du hättest bereits darauf geachtet!“ spöttelte Emere in Manaals Richtung.<br />
„Es tut mir Leid, dass ich in der Finsternis nichts mehr erkennen kann. Wenn wir endlich ein festes Lager aufschlagen könnten, wäre das alles kein Problem.“<br />
„Na schön, ihr habt mich davon überzeugt. Lasst uns morgen nach einem geeigneten Ort für ein Lager suchen. Der Karte nach zu urteilen sind wir zwar nicht weit gekommen, aber vom Leuchtturm sind wir höchstens zwei oder drei Tagesreisen entfernt. Ohne Gepäck vielleicht noch weniger. Wie sieht es mit den Spuren der anderen aus?“<br />
„Wenn der Regen heute nicht alles verwischt hat, dürfte ich sie auch weiterhin verfolgen können.“<br />
„Prima, dann stört es euch doch bestimmt nicht, wenn wir jetzt eine Runde weiterschlafen, oder? Ich brauche meinen Schönheitsschlaf. Es hat seine Gründe, warum ich so fabelhaft aussehe!“<br />
Kuraz grinste Gelik an, der ihr ein Zwinkern schenkte und sich auf die andere Seite drehte. Kurze Zeit später erklang sein charakteristisches, fiependes Schnarchen. Manaal und Tascha übernahmen die nächste Wache, doch Kuraz konnte dennoch nicht gut einschlafen. Sie erinnerte sich an das Zischen der Schlange und an die schrecklichen roten Augen, die sie gesehen und von denen sie den anderen lieber nichts erzählt hatte. Sie hoffte nur, dass sie wirklich nicht mehr allzu lange auf der Insel würden verweilen müssen, aber wenn sie weiter so voran kamen, wäre das wohl unausweichlich.</p>
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		<title>83 Der Schlangenschädel (10)</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jul 2011 12:52:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
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		<category><![CDATA[Abenteuerpfad]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong>Der erste Morgen</strong><br />
<strong>30. Rova 4708, Schmugglerinsel, Bucht der Verzweiflung</strong></p>
<p style="text-align:left;">
Kuraz stand mit den Füßen im warmen Wasser und balancierte das Schwert in ihren Händen. Es war nicht das ihre. Auf ihrer zweiten Erkundungstour hatte Manaal es dem toten Maat aus der Hand genommen und ihr gegeben. Es war wesentlich schöner gearbeitet als ihres und es wog kaum schwerer in ihrer Hand. Dennoch fühlte sich Kuraz unwohl dabei, den ersten Maat, Alton, einfach so zu bestehlen, wenn er auch tot war.<br />
Die Sonne brannte noch nicht dermaßen heiß wie in den Mittagsstunden. Kuraz ließ die Klinge des Schwertes daher mehrere Male die Luft zerteilen, doch sie konnte nichts von dem Hass spüren, den sie dem Eurypterid gegenüber gefühlt hatte. Sie wusste nicht mehr, warum sie so auf den eigenartigen Krebs losgegangen war.<br />
„Kuraz!“<br />
Sie wandte sich um. Manaal hatte die Hand gehoben, um sie heran zu winken. Sie war bereits dabei, das Lager abzubauen. Sie wollten zunächst in südöstliche Richtung weiterziehen. Kuraz wusste nicht, ob es eine gute Idee war. Außer ihren Gefährtinnen schienen die anderen Überlebenden die Nacht in eher zweifelhaftem Zustand überstanden zu haben. Aerys rührte sich kaum und befeuchtete ständig ihre Lippen. Von der zuvor recht mutigen Tascha war nichts mehr übrig. Sie war gereizt und anstrengender als Emere. Ja, selbst Ischiro schien nicht gut geschlafen zu haben. Kuraz hatte bereits versucht, mit ihnen zu sprechen, doch sie waren unzugänglich. Allein Gelik hatte seine Scherze, meist auf Kosten Emeres und Manaals, gerissen und Jask schien guter Dinge, obwohl sich alle weigerten, ihm seine Sachen wiederzugeben. Kuraz hatte bereits überlegt, ob sie es entgegen des Willens der anderen geben sollte, aber sie mussten in dieser Situation zusammen halten. Etwas anderes blieb ihnen nicht übrig.<br />
„Ich komme schon!“ rief Kuraz zurück und trottete, mit einem letzten Blick auf die Jenivere, zurück zum abgebauten Lager. Emere verstaute gerade den am Vortag gefundenen Tornister in ihrem Rucksack.<br />
„Da bist du ja. Du solltest nicht so trödeln und steck das Schwert weg, bevor du dir noch das Auge ausstichst!“<br />
Widerwillig befestigte Kuraz das Schwert neben ihrem eigenen und dem Dolch von Jask. Emere war gut gelaunt, aber das hielt sie anscheinend nicht davon ab, sie noch immer zu bevormunden. Manaals Blick war eindeutig, aber Kuraz versuchte es zu ignorieren, bis Emere ihr den vollgestopften Rucksack reichte.<br />
„Im Tornister waren einige Heiltränke. Sei also vorsichtig!“<br />
Kuraz wollte etwas erwidern, aber da befand sich der Rucksack schon auf ihrem Rücken und sie marschierten in Richtung Osten. Manaal führte die kleine Gruppe an, dicht gefolgt von Emere, die immer wieder Blicke über ihre elfische Schulter warf. Kuraz blieb bei Jualy, während der Rest der Überlebenden müde und hungrig hinter ihnen her stapfte. Zur Mittagszeit wurde die Hitze beinahe unerträglich.<br />
„Lange werden wir nicht mehr wandern können. Lasst uns ein neues Lager aufbauen. Wir sollten Nahrung und Wasser suchen. Kuraz, du kommst wieder mit mir. Der Rest kümmert sich um das Lager und achtet darauf, dass alles wasserdicht ist. Ich nehme an, dass es bald wieder regnen wird.“<br />
Es waren die ersten Worte seit Stunden und sie kamen Kuraz völlig surreal vor. Die Hitze benebelte ihre Sinne und die Insekten, die ihren Kopf umschwirrten, sorgten nur dafür, dass sie noch unwirscher wurde. Deshalb verspürte sie nicht die geringste Lust, mit Manaal jagen zu gehen. Sie wollte sich lieber im Schatten der Planen ihres Lagers ausruhen. Doch bevor sie sich versah, war sie an Manaals Seite im Dschungel verschwunden. Immer wieder streiften Farne ihr Gesicht und feine Spinnweben kitzelten ihre Nase.<br />
„Ich mag nicht mehr.“<br />
„Was ist denn mit dir? Gestern warst du doch noch so optimistisch, dass wir von hier wegkommen und jetzt machst du schon schlapp?“<br />
„Tu ich nicht, aber es ist so schrecklich heiß.“<br />
„Warum schleppst du auch diesen Rucksack mit? Gib ihn her!“<br />
„Aber nicht wegschmeißen! Da sind Heiltränke drin.“<br />
Manaal knurrte leise bei der Anspielung auf ihren Fauxpas am vorherigen Tag, doch dann nahm sie Kuraz den Rucksack ab, was für das Mädchen eine wahre Wohltat war. Sie atmete tief durch und versuchte zu lächeln.<br />
„Wir haben alle Durst, das ist das Problem. Wir müssen Wasser finden, Kuraz, das ist wichtiger als Nahrung.“<br />
„Sag das mal meinem knurrenden Magen! Wenn wir Jask sein Heiliges Symbol wiedergeben würden, könnte er Wasser erschaffen, hat er gesagt. Warum macht Emere das nicht?“<br />
„Weil sie ihm nicht vertraut und ich, ehrlich gesagt, auch nicht. Er ist sehr freundlich und ich möchte ihm glauben, Kuraz, aber es gibt einen Grund, warum er ein Gefangener gewesen ist. Außerdem hat auch Jualy schon Wasser für uns erschaffen, aber es reicht nicht für alle.“<br />
„Nein, deshalb wäre es ja gut, wenn Jask es auch machen würde.“<br />
Manaal seufzte und fuhr Kuraz durch die verschwitzten Haare.<br />
„Na schön. Lass uns mit den anderen noch mal darüber diskutieren, wenn wir wieder im Lager sind. Jetzt brauchen wir aber etwas zu essen, denn Wasser allein wird uns nicht ernähren. Komm!“<br />
Sie zogen bis zum frühen Nachmittag durch den Dschungel. Kuraz kämpfte immer wieder gegen kleine Insekten, die nach ihrem Blut gierten. Manche von ihnen stachen sie und kleine Pusteln entstanden, die ordentlich juckten, aber nach einer Weile wieder abschwollen. Als der nachmittägliche Regen einsetzte, waren die beiden wieder im Lager. Sie hatten einen weiteren Hasen erbeutet und einen Vogel mit prächtigen Federn, aber einem schmalen Brustkorb.<br />
„Meinen Berechnungen zufolge könnte es beinahe eine Woche dauern, bis wir den Leuchtturm erreichen. Wir kommen schlecht voran. Vielleicht sollten wir uns lieber entlang der Küste bewegen. Das würde unser Problem der Wasser- und Nahrungsbeschaffung erleichtern. Außerdem wird die Fortbewegung an der Küste einfacher.“<br />
„Wenn du Jask sein Heiliges Symbol zurück gibst, haben wir kein Problem mit Wasser!“ wandte Kuraz ein.<br />
„Kuraz, darüber haben wir gesprochen.“<br />
„Nein, noch nicht wirklich, Emere.“ Manaal warf einen kurzen Blick auf Kuraz. „Überhaupt haben wir wenig geplant. Ich hatte gehofft, wir würden besser voran kommen, aber ich habe das Gefühl, wir haben an einem einzigen Tag höchstens zwei Meilen geschafft. Wir müssen uns überlegen, wie wir vorgehen wollen. Unsere Rucksäcke ständig mit durch den Dschungel zu schleppen, jeden Tag ein neues Lager errichten, Nahrungssuche, Wasser beschaffen, das können wir unmöglich schaffen. Den anderen geht es nicht gut, Insekten quälen uns, wir leiden Hunger und Durst. Ich bin dafür, wir errichten uns ein festes Lager, sobald wir einen weiter im Inneren gelegenen, sicheren Platz gefunden haben, und versuchen von dort aus an einem Tag den Leuchtturm zu erreichen. Ohne unser Gepäck kommen wir einfach viel schneller voran. Und diejenigen, die im Lager verbleiben, können Wasser und Nahrung beschaffen, damit wären die Aufgaben besser verteilt.“<br />
„Dein Plan wäre vernünftig, wenn wir so verrückt wären, diese Insel erkunden zu wollen, aber wir haben ein Ziel und wir wollen dort mit Mann und Maus hingelangen. Wie stellst du dir das vor? Die einen verbleiben im Lager, während die anderen schon mal den Leuchtturm erreichen und gerettet werden?“<br />
„Unsinn, du weißt genau, wie ich das gemeint habe! Du denkst nur, dass du die Klügste von uns bist und weißt, was in so einer Situation zu tun ist! Du glaubst, du kannst uns alle herum schubsen und uns befehlen, was wir zu tun haben! An der Küste kommen wir doch auch nicht besser voran! Die Insel ist umgeben von einer einzigen Steilküste! Mit etwas Glück brechen wir uns das Genick, wenn wir abrutschen!“<br />
„Besser als den Gefahren dieses Dschungels ausgesetzt zu sein! Falls du es vergessen hast, wäre es möglich, dass es Kannibalen oder sonstige Widernatürlichkeiten auf dieser Insel gibt!“<br />
„Ja, es wäre möglich, aber das sind alles nur Gerüchte. Wir haben auf unserem Streifzug nichts gesehen bis auf einige Tiere und die essen wir gerade!“<br />
„Was nicht heißt, dass es so bleiben muss, oder? Du machst mir Vorwürfe, dass ich hier den Befehlshaber und Anführer spielen möchte und dabei bist du keinen Dold besser!“<br />
„Hört auf damit!“ unterbrach Jualy den Streit zwischen Emere und Manaal. „Es geht hier nicht darum, wer der Anführer ist oder sein möchte. Wir müssen einen Weg finden, bevor wir verdursten, verhungern oder von Kannibalen gefressen zu werden, von der Insel zu fliehen. Die Idee, unsere Aufgaben besser zu verteilen, finde ich gut. Ich habe nichts dagegen, hier zu bleiben und mich um das Wasser zu kümmern. Ich werde morgen weitere Zauber vorbereiten, damit wir noch mehr Wasser zur Verfügung haben. Ob wir uns an der Küste entlang bewegen oder durch den Dschungel streifen, ist meiner Ansicht nach, irrelevant. Wir werden auf beiden Wegen nicht schneller oder langsamer voran kommen. Manaals Idee einen im Inneren der Insel gelegenen Lagerplatz aufzubauen, halte ich ebenfalls für eine gute Idee und zwar aus einem einfachen Grund &#8211; der Leuchtturm könnte zerstört sein und wir wären gezwungen, eine andere Möglichkeit zu finden. Wir brauchen einen festen Punkt, an den wir zurück kehren können. Wir werden nicht jeden Tag einen geeigneten Lagerplatz aufspüren können und ein Lager aufzuschlagen, erfordert eine Menge Zeit. Zu viel Zeit für einen Tag, Emere, das weißt du auch.“<br />
„Ich fände es außerdem gut, wenn alle mithelfen und mithelfen könnten. Jask mag ja ein Gefangener gewesen sein, aber er kann uns helfen. Ich glaube nicht, dass er uns einfach niedermetzelt mit irgendeinem Zauber, sobald er sein Heiliges Symbol hat. Was hätte er denn davon? Im Notfall kann er sich ausserdem nicht mal verteidigen.“<br />
„Ach Kuraz“, seufzte Emere und blickte in die Runde. „Na schön, ihr habt Recht. Gib ihm seine Sachen, Kuraz. Und morgen wandern wir weiter, bis wir einen vernünftigen Lagerplatz finden, wo wir uns häuslich einrichten können.“<br />
Emere wirkte alles andere als begeistert von der Diskussion und ihrem Ergebnis. Am Abend saß sie still da und studierte die Karte, während Kuraz versuchte, sich mit den anderen Gestrandeten zu unterhalten. Doch keiner von ihnen, nicht einmal Jask, war an einer Unterhaltung sonderlich interessiert. Stumm starrten alle vor sich hin und kämpften mit den Mücken und anderen Insekten, die in Scharen über sie herfielen, sobald sie sich nur ein kleines Stück vom schützenden Lagerfeuer entfernten. Kuraz‘ Optimismus begann langsam Risse zu bekommen.</p>
<p style="text-align:center;">
<strong>Weitere Überlebende?</strong><br />
<strong>2. Lamashan 4708, Schmugglerinsel, Bucht der Verzweiflung</strong></p>
<p>Zwei weitere Tage vergingen. Kuraz kamen sie ewig vor. Noch in der zweiten Nacht war sie von einem Insekt gestochen worden und hatte kaum einen Tag später unter schrecklichen Kopfschmerzen gelitten. Sie hatten einen Tag lang an einem feuchten Lagerplatz ausharren müssen, weil sie nicht mehr weiter konnte. Jualy und Jask hatten sie gepflegt, doch nur ihre eigene Entschlossenheit hatte die Krankheit, die Jask bezeichnenderweise Hirnbrand nannte, besiegen können. Noch immer fühlte sich Kuraz ausgelaugt. Zumindest mussten sie dank ihrem Entschluss, Jask sein Heiliges Symbol wiederzugeben, keinen Durst mehr leiden. Der Priester des Nethys kümmerte sich mit Jualy jeden Abend um kleine Verletzungen an Knöcheln, erschuf Wasser, reinigte ihre Nahrung, wenn sie Beeren oder andere Früchte fanden und war im Gegensatz zu den anderen Gestrandeten bester Laune. Auch Gelik und Tascha ging es inzwischen ein wenig besser, doch alle waren schweigsam und darauf bedacht, möglichst viel Weg am Tag zurück zu legen.<br />
Kuraz schlich hinter der Gruppe her. Ihr Körper war ausgezerrt und sie bereute jeden Tag mehr, dass sie nicht in Magnimar geblieben war. Sie sehnte sich nach ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester und von ihrem Wunsch, einmal Pirat zu werden, war nicht mehr viel übrig geblieben. Jask gesellte sich zu ihr und gab ihr einen Schluck Wasser. Kuraz hätte sich gern bedankt, aber sie war müde und von einem Lagerplatz noch weit entfernt.<br />
„Hirnbrand ist tückisch. Zuerst glaubt man wahnsinnig zu werden und sobald man diesen Zustand besiegt zu haben glaubt, kommt die körperliche Erschöpfung. Es wird dir bald wieder besser gehen. Weißt du, als ich gefangen genommen wurde, da habe ich auch geglaubt, dass ich alles falsch gemacht hätte, dass es besser gewesen wäre, den Mund zu halten, aber je länger ich gefangen war, desto mehr spürte ich, dass es richtig war.“<br />
Kuraz horchte auf. Bisher hatte Jask stets zu seiner Vergangenheit geschwiegen und auch keine Andeutungen in dieser Richtung von sich gegeben, doch nun zeigte sich der alternde Garundi doch gesprächiger.<br />
„Es ist seltsam. Als ich hier gestrandet bin, war ich überglücklich, weil ich nicht allzu bald in Eleder verurteilt werden würde. Dann dachte ich, es sei besser, in Eleder hingerichtet zu werden, als hier zu bleiben und als Garundi am Spieß von Kannibalen zu enden. Doch nun, da ich weiß, dass wir auf der Schmugglerinsel sind, fügt sich mein Schicksal wieder zusammen.“<br />
„Wie meinst du denn das? Was für ein Schicksal?“<br />
„Vor langer Zeit &#8211; na ja, so lang ist es gar nicht her, auch wenn es mir so vorkommt &#8211; arbeitete ich für die sargavische Regierung. Eines Tages fand ich heraus, dass jemand krumme Geschäfte mit den Freien Kapitänen der Fesseln machte. Dummerweise war es ausgerechnet mein Vorgesetzter, dem ich von der ganzen Sache erzählte. Er stellte mir eine Falle. Ich wurde an seiner statt für sein korruptes Verhalten verurteilt.“<br />
„Dann hast du also niemanden umgebracht?“<br />
„Nein, das habe ich nicht, auch wenn man in Sargava das wohl ähnlich schwer genommen hat.“<br />
„Aber das verstehe ich nicht. Du kamst doch in Corentyn an Bord.“<br />
„Ja, weil ich damals aus Sargava floh. Ich habe einige Jahre in Corentyn gearbeitet, bis mich ein Spion der sargavischen Regierung gefunden und festgenommen hat. In Eleder sollte mir erneut der Prozess gemacht werden. Und nun bin ich hier. Und das Komische daran ist, dass ich hier vielleicht meine Freiheit finden könnte.“<br />
„Ich weiß nicht, Jask, du solltest nicht hierbleiben.“<br />
Der Garundi verzog das Gesicht zu einem grotesken Lächeln.<br />
„Das habe ich auch nicht vor, aber das Schiff des Kapitäns, der damals mit meinem Vorgesetzten Geschäfte gemacht hat, soll angeblich hier gestrandet sein. Auf der Pökeldämon könnten sich noch Dokumente befinden, die mich entlasten.“<br />
„Ich verstehe! Du willst das Schiff finden und nach den Dokumenten suchen!“<br />
„Richtig. Ich habe in Corentyn gehört, dass der Kapitän der Pökeldämon recht bald nach meiner Flucht wohl seiner eigenen Gier zum Opfer gefallen ist. Er hat anscheinend nicht genug bekommen und seine betrügerischen Verbündeten gegen sich aufgebracht. Seine letzte Fahrt hat schließlich an den Klippen der Schmugglerinsel geendet. So hat man es mir zumindest in Corentyn erzählt. Es mag nur Zufall sein, dass wir hier gestrandet sind, doch Nethys weiß seine zwei Gesichter wohl zu zeigen.“<br />
„Dann helfe ich dir dabei, die Pökeldämon zu finden und die Papiere, die dich entlasten können!“<br />
„Danke, Kuraz.“ Er legte sanft eine Hand auf ihre Schulter. „Und wie geht es dir jetzt?“<br />
„Hm?“ Kuraz fühlte sich wirklich wesentlich besser. „Gut, denke ich.“<br />
„Du musst viel trinken und viel reden. Wenn du dich ablenkst, denkst du nicht zuviel nach.“<br />
„Ja, das werde ich.“<br />
„Hey, seht mal! Da vorn!“ Manaal war stehen geblieben und deutete auf einen schmalen Strandabschnitt, ihrem Landeplatz auf der Schmugglerinsel ähnlich. „Ich glaube, da ist ein Lager!“<br />
„Ein Lager? Hat denn dann noch jemand überlebt?“ Kuraz eilte nun nach vorn. Ihre Neugier war geweckt und ihre körperliche Erschöpfung wich der Begierde danach, zu erfahren, ob es womöglich noch mehr Überlebende gab. Manaal war voran geeilt und hockte nun neben einem kleinen Haufen Kleidungsstücke.<br />
„Sieh dir das mal an, Kuraz. Erkennst du das?“<br />
„Das ist der Hut des Kapitäns!“<br />
„Genau und das sind die Schals dieser Gelehrten. Mir wird langsam einiges klar. Trotzdem erklärt sich mir nicht, warum wir alle beinahe sterben mussten, nur damit diese Frau ihren Forschungen nachgehen kann.“<br />
„Wir waren dabei vermutlich ziemlich unwichtig“, dachte Jualy laut nach. „Meinst du, sie kommen wieder her?“<br />
„Nein, das Lager ist schon länger verlassen. Aber wir können heute nacht hier bleiben. Lasst uns das Lager aufbauen. Morgen werde ich sehen, ob ich nicht eine Spur von den beiden finde.“<br />
Sie errichteten ihr Lager und Kuraz versuchte, einen Fisch zu angeln, während Jualy Krebse einsammelte. Obwohl es am Nachmittag wieder regnete, hatten sie am Abend ein kleines Festmahl zusammen gestellt. Ischiro, Tascha und Aerys aßen zwar kaum etwas, doch dass es überhaupt reichlich zu essen und zu trinken gab, schien selbst ihre Laune ein wenig aufzuheitern. Gelik erzählte einige Geschichten, die Kuraz so faszinierten, dass Emere ihr ab und an den Mund schließen musste. Der kleine Gnom schien schon eine ganze Menge erlebt zu haben und Kuraz beneidete ihn darum. Ihr Wunsch, lieber zuhause bei ihrer Mutter zu sein, war längst wieder verblasst.<br />
„Ach, und kennt ihr die Geschichte der Nachtwispern?“<br />
„Was ist denn die Nachtwispern?“<br />
„Die Nachtwispern, junge Kriegerin, ist ein Schiff der Kundschafter. Es heißt, sie soll hier an den Klippen der Schmugglerinsel auf Grund gelaufen sein. Ich muss gestehen, ich würde sie unheimlich gerne sehen.“<br />
„Aber wieso? Anscheinend sind hier sehr viele Schiffe gestrandet, was ist an der Nachtwispern so besonders?“<br />
„Na ja“, Gelik zögerte, sprang auf seine kurzen Beine und lief umher. „Sie ist, wie bereits erwähnt, ein Schiff der Kundschafter. Vermutlich sagt dir das nicht viel, meine unwissende Freundin, besonders jetzt da dein Hirn einer gemeinen Attacke zum Opfer gefallen ist, aber das ist etwas Besonderes und die Organisation wüsste gerne, was mit dem Schiff geschehen ist.“<br />
„Wollt Ihr etwa ein Kundschafter werden, Herr Ebberschwinge?“ warf Manaal belustigt ein. Es schien Gelik kurz zu kränken, doch dann reckte er sein Kinn in die Höhe und schnaubte verächtlich.<br />
„Nicht nur Elfen sind für solche Aufgaben geboren, wir Gnome sind noch weitaus bessere Spione. Und außerdem muss ich nicht erst ein Kundschafter werden, ich bin bereits einer. Zugegeben, die Entwicklungen und Verwicklungen meines Lebens haben dazu geführt, dass ich einen gewissen Sonderstatus habe, aber den gedenke ich zu tilgen, sollten wir auf die Spur der Nachtwispern kommen.“<br />
„Sollten wir, Herr Ebberschwinge, doch ich bezweifle, dass einer von uns Lust hat, auf Schiffssuche zu gehen, nur weil Ihr Euren schlechten Ruf wieder wett machen wollt!“ meinte Emere ruhig, aber mit einer Spur Verächtlichkeit.<br />
„Also ich wäre dabei! Ich habe Jask schon versprochen, dass wir die Pökeldämon suchen, um seine Unschuld zu beweisen, also finden wir auch die Nachtwispern, um dich wieder zu einem richtigen Kundschafter zu machen!“<br />
„Ich bin ein richtiger Kundschafter, junge Kriegerin, aber davon abgesehen danke ich dir sehr für deine Hilfe.“<br />
Er lächelte Kuraz an, bevor er Emere einen vernichtenden Blick zu warf und sich wieder im Sand niederließ. Emere sah zu Kuraz hinüber, die sofort den Kopf einzog. Sie hatten nicht viel miteinander gesprochen, besonders weil Kuraz kaum zum Sprechen in der Lage gewesen war, aber die Taldani hatte sich ebenso wie Jualy und Jask um ihre Gesundheit bemüht, wenn sie auch darauf bedacht gewesen war, dass ihre Hilfe besonders gewürdigt wurde.<br />
„Na gut, nachdem wir geklärt haben, dass wir neben einem womöglich zerstörten Leuchtturm auch noch zwei Schiffe suchen, die vielleicht gar nicht hier gestrandet oder lange untergegangen sind, sollten wir wohl ins Bett gehen.“<br />
„Manaal, nun kling doch nicht so verzweifelt. Du tust ja gerade so, als wäre das ein schwieriges Unterfangen!“ scherzte Jualy und schubste die Elfe zur Seite. „Wir werden das schon schaffen.“<br />
„Menschen!“ fluchte Manaal leise und unternahm noch einen kleinen Spaziergang zum Wasser, doch Kuraz konnte deutlich sehen, dass ein Lächeln auf ihren Lippen lag.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/schreibtagebuch.wordpress.com/1926/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1926&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>82 Der Schlangenschädel (9)</title>
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		<pubDate>Sun, 29 May 2011 20:38:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibtagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuerpfad]]></category>
		<category><![CDATA[Der Schlangenschädel]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Seelen für die Schmugglerinsel]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Kapitänskajüte war nicht abgesperrt, was Emere und Kuraz sofort zu denken gab. Das Erste, was sie nach dem Betreten sahen, war ein gewaltiges Loch in der Außenhaut des Schiffes, das einen Großteil der Besitztümer des Kapitäns vermutlich längst auf den Meeresboden gespült hatte. Einzig der Schreibtisch und eine größere Truhe, die nicht durch das [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1919&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kapitänskajüte war nicht abgesperrt, was Emere und Kuraz sofort zu denken gab. Das Erste, was sie nach dem Betreten sahen, war ein gewaltiges Loch in der Außenhaut des Schiffes, das einen Großteil der Besitztümer des Kapitäns vermutlich längst auf den Meeresboden gespült hatte. Einzig der Schreibtisch und eine größere Truhe, die nicht durch das Loch gepasst hatten, waren noch unbeschädigt und zurück geblieben. Kuraz war froh, dass sie nicht auf die Leiche des Kapitäns stießen.<br />
„Sieh du dir die Truhe an, ich nehme mir den Schreibtisch vor. Aber sei vorsichtig, damit du bei einer Welle nicht aus dem Schiff gespült wirst!“ Emere ging konzentriert an die Arbeit. Ihr harscher Ton war keineswegs so überheblich wie sonst, es schien Kuraz eher so, als wäre sie besorgt und nun dabei, die Zügel in die Hand zu nehmen, damit die Katastrophe nicht noch schlimmer wurde. Kuraz hockte sich vor die Truhe und öffnete sie. Zu ihrem Glück war sie nicht verschlossen. Der Inhalt kam ihr vor wie ein kleiner Schatz. Auf einem ledernen Anzug, der aus einer Weste und einer Hose bestand, lagen ein Beutel, mit dem Kuraz nichts anzufangen wusste, das Symbol eines Gottes mit zwei unterschiedlichen Gesichtshälften, ein Dolch &#8211; das, was ihr am meisten ins Auge stach &#8211; und zwei Phiolen mit einer hellen Substanz. Kuraz nahm sogleich den Dolch an sich und befestigte ihn neben ihrem Schwert. Die Phiolen aus der Truhe bergend, stand sie auf und begann den Inhalt zu schütteln, bis eine kräftige Hand sich um ihr Gelenk schloss.<br />
„Du weißt nicht, was sich darin befindet, meine Kleine. Ich würde kein Risiko eingehen.“ Emere lächelte freundlich, doch ihre Worte waren ebenso bestimmt gesprochen wie ihre vorherigen Anweisungen. „Das Symbol, sieht aus wie das Symbol des Nethys. Scheint mir, als sei dein Freund ein Priester.“<br />
„Du meinst Jask? Oh, dann ist das also seine Ausrüstung. Prima! Jetzt brauchen wir nur noch den Schlüssel!“<br />
Kuraz freute sich und packte alle Gegenstände zusammen, die sie in der Truhe finden konnte. Allerdings würde der Transport schwierig werden.<br />
„Pack es in meinen Rucksack und bind ihn dir auf den Rücken.“<br />
Kuraz nahm Emeres Rucksack entgegen, ihr eigener war auf der Strecke geblieben, und packte den Schatz, was Jasks Ausrüstung in Kuraz‘ Augen war, hinein. Unterdessen öffnete Emere eine Schublade nach der anderen. In einer befand sich ein Schlüsselbund, bei dem Kuraz beinahe aufgeschrieen hätte. Sicher war da der Schlüssel für Jasks Handschellen mit dabei.<br />
„Eigenartig. Der Kapitän scheint gar keine Zeit mehr gehabt zu haben, den Schlüssel zu holen.“<br />
„Nein, die Jenivere war sicher schon am Sinken und dann hat er Jask einfach so ins Boot gebracht.“<br />
„Möglich, gut möglich“, murmelte Emere vor sich her, während sie den Schlüsselbund in den Rucksack auf Kuraz‘ Rücken steckte. „Schauen wir mal, was wir noch finden können.“<br />
Eine der Schubladen offenbarte mehrere Karten, die Emere einfach ungesehen einsteckte, und das Logbuch des Kapitäns, das sie ebenfalls, ohne es zu würdigen, in den Rucksack packte, der langsam schwerer wurde. Nur die unterste Schublade wollte sich nicht öffnen lassen. Emere zerrte daran, bis der Griff abbrach.<br />
„Verdammt!“<br />
Kuraz zuckte zusammen, doch Emere beruhigte sich schnell wieder und versuchte zu lächeln.<br />
„Tut mir Leid, aber die Schublade geht nicht auf. Gehen wir zu den anderen zurück.“<br />
„Warte! Vielleicht ist da noch was Wichtiges drin.“ Kuraz griff zu ihrem Kurzschwert, was Emere mit einem Augenbrauenzucken quittierte, und schlug mit dem Schwert auf das Holz ein, als sei es der Eurypterid.<br />
„Rohe Gewalt, ich sehe schon, das ist eher dein Metier, meine Kleine.“<br />
Schwer atmend, aber mit einem zufriedenen Lächeln, sah Kuraz zu Emere.<br />
„Glaube ich auch. Jedenfalls ist die Schublade jetzt offen.“<br />
„Schauen wir mal, ob sich dein Einsatz gelohnt hat.“ Emere beugte sich hinunter. Zuerst sah es nicht danach aus, als wäre etwas Wertvolles darin zu finden. Neben einer Flasche mit Alkohol, die Emere sofort durch das Loch beförderte, fand sich ein Schiffsmodell der Jenivere in einem Glas. Es war zwar gut gefertigt, aber die Taldani sah keinen Sinn darin und warf auch das Modell einfach ins Meer. Kuraz sah nur die Golddukaten davon fliegen. Dann aber, in der hintersten Ecke der Schublade verborgen, fanden sich ein kleiner Koffer und ein Tornister. Emere stopfte alles, ohne hinein gesehen zu haben, wiederum in den Rucksack. Kuraz fragte sich zwar, woher sie wissen wollte, ob in Koffer und Tornister etwas Wertvolleres war als das Schiffsmodell, aber Emere schien es nun zusehends eiliger zu haben.<br />
Manaal und Jualy hatten einige Werkzeuge aus dem Lagerraum geborgen. Manaals unscheinbarer Rucksack war prall gefüllt und auch Jualys Tasche wies zahlreiche Wölbungen auf.<br />
„Wir haben etwas zu essen und frisches Wasser gefunden, aber es wird kaum für alle reichen“, erklärte die junge Tian und klopfte sanft auf ihre Tasche. Kuraz hätte einiges dafür gegeben, sogleich ein Stück vom Brot oder vom Käse nehmen zu können und durstig war sie ebenfalls, aber sie wusste, dass alles gerecht aufgeteilt werden musste, wenn sie alle überleben wollten und das war Kuraz‘ Ziel.<br />
„Dann lasst uns gehen. Vom Kapitän oder dem Rest der Mannschaft haben wir nichts entdecken können. Wir haben allerdings den Schlüssel für Kuraz‘ neuen Freund und seine Habseligkeiten, sowie einige vielleicht nützliche Dinge aus dem Schreibtisch des Kapitäns geborgen.“<br />
„Schön, dann sollten wir das Schiff verlassen. Ich glaube, die Flut setzt langsam ein und ich bin mir nicht sicher, wie viele Wellen es noch bedarf, um die Jenivere endgültig ihrem Schicksal zuzubringen.“<br />
Mit diesen Worten drehte sich Manaal um und führte die Gruppe zurück auf das Deck. Allerdings hatten sie jetzt ein Problem. Wie sollten sie zurück auf den Vorsprung und den schmalen Pfad entlang der Klippen gelangen?<br />
„Mist! Das hätte uns eher einfallen sollen.“<br />
„Und was machen wir jetzt?“<br />
„Erst einmal werfen wir die Sachen nach oben. Das sind keine drei Meter bis zum Vorsprung, gib her!“<br />
Manaal griff nach Jualys Tasche und warf sie auf den Vorsprung, wobei etwas in der Tasche kaputt zu gehen schien. Die Elfe grinste ihre Begleiterin entschuldigend an, aber Jualy schüttelte nur den Kopf.<br />
„Ich muss mich korrigieren, Emere, wir haben etwas zu essen gefunden. Etwas, das nun auch durchweicht ist.“<br />
„Dabei müssten Elfen doch wesentlich länger Zeit haben, um über ihre Handlungen nachzudenken.“<br />
„Ich fürchte, Manaal hat noch nicht begriffen, dass sie ihre Tätigkeiten auf fünf Jahrhunderte verteilen muss. Und dabei ist ihr jetzt schon manchmal langweilig, wie soll das erst in zweihundert Jahren aussehen?“<br />
Kuraz sah zu Manaal hinüber, deren Gesichtszüge empfindlich zu entgleisen drohten, während sich Jualy und Emere gemeinsam über sie lustig machten. Kuraz freute es, dass die Taldani zumindest mit Jualy besser zurecht kam. Manaal schnaubte verächtlich und warf ihren eigenen Rucksack der Tasche Jualys hinterher, wobei erneut irgendetwas zu Bruch ging. Kuraz überdachte schnell, ob in Emeres Rucksack Zerbrechliches zu finden war und reichte ihn der Elfe hinüber, damit sie ihn auf den Vorsprung warf. Bis auf ein Klappern war nichts zu vernehmen.<br />
„Kannst du springen? Und zwar nicht auf Emeres Befehl, sondern hoch und weit?“<br />
Die kleine Spitze gegen sie schien Emere gar nicht wahrzunehmen. Kuraz schüttelte den Kopf. Es würde in einer Katastrophe landen, wenn sie es versuchte.<br />
„Ach komm schon, sei kein Goblin! Wir springen zusammen.“<br />
„Ich weiß nicht, das ist ziemlich hoch und weit und&#8230;“<br />
„Das heißt also, du möchtest hier auf dem Schiff elendig sterben, von dem der erste Maat dich gerettet hat?“<br />
Kuraz‘ Schultern sanken tiefer. Manaal wusste, wie sie sie treffen konnte, und so fand sich Kuraz einige Sekunden später an scharfen Klippen hängend wieder. Manaal zog sich neben ihr auf den Vorsprung und half ihr hinauf, bevor sie ein Seil aus ihrem Rucksack holte und es vom Vorsprung aufs Deck hinunter warf. Emere ergriff es und ließ es sofort wieder los, um auf ihre Hände zu sehen.<br />
„Was ist denn das für ekliges Zeug da dran?“<br />
„Das war mal Lampenöl“, erklärte Jualy neben ihr und schüttelte den Kopf. „Das war das zweite zerbrechende Klirren.“<br />
„Ah, ich verstehe. Gut gemacht, Elfe, dann wissen wir zumindest wer Nachtwache halten wird.“<br />
Manaal murmelte einige Flüche in sich hinein, von denen Kuraz keinen kannte, die aber allesamt als solche zu erkennen waren. Emere griff erneut nach dem Seil und zog sich vorsichtig daran hinauf, wobei ihr das aufgrund des Öls schwerer fiel, als es normalerweise gewesen wäre &#8211; ein Umstand, der Manaal zu freuen schien. Nur als Jualy dieselben Probleme hatte, wurde sie wieder ernst und entschuldigte sich, zumindest gegenüber der Tian, wegen ihres unbedachten Verhaltens. Jualy lächelte nur und fuhr ihr flüchtig über die Wange.<br />
Kuraz hätte es nie für möglich gehalten, aber der Rückweg war noch schlimmer als der Hinweg. Sie waren schwer beladen, das Wasser stieg von Minute zu Minute und jeder Sprung wurde von Angst und einem elenden Magengrummeln begleitet. Sie war mehr als nur erleichtert, als sie endlich wieder Sand unter ihren Füßen spürten und die restlichen Überlebenden erblickten. Diese schienen sich bereits in den Schatten einiger Bäume, am Rande des undurchdringlichen Dschungels, zurück gezogen zu haben, nur Ischiro stand noch in der Sonne und blickte von Ost nach West und schließlich direkt in ihre Augen. Als er sie sah, nickte er, half ihnen aber nicht die schweren Rucksäcke zu den anderen zu bringen. Kuraz war froh, als sie endlich im Schatten saßen und begutachteten, was sie erbeutet hatten. Als Erstes hätte sie gerne Jask von seinen Fesseln befreit, aber Manaal untersuchte die Werkzeuge, die Seile, den Rest des Öls und eine große Plane.<br />
„Davon gibt es noch mehr auf dem Schiff. Es wäre klug, noch einmal zurück zu kehren, um alles mitzunehmen, was wir noch retten können. Damit ließe sich vielleicht eine Art Zelt oder zumindest ein Unterstand errichten.“<br />
„Ich würde gerne helfen“, meinte Jask.<br />
„Wirst du auch“, antwortete Kuraz begeistert und wühlte in Emeres Rucksack nach den Schlüsseln. Es dauerte eine Weile, bis sie den richtigen gefunden hatte, doch als die Fesseln sich um Jasks Handgelenke lösten, atmete er tief durch und zog Kuraz in seine Arme.<br />
„Vielen, vielen Dank“, raunte er ihr ins Ohr. „Das war sehr nett von dir.“<br />
„Gerne, aber es geht noch weiter!“ Kuraz griff zu dem Dolch, den sie an ihrem Seil um die Hüfte befestigt hatte, aber da legte Emere ihr eine Hand auf die Schulter.<br />
„Warte. Dieser Mann ist nicht umsonst ein Gefangener. Ich werde dir keine Waffe oder dein heiliges Symbol des Nethys übergeben, solange ich nicht weiß, warum du gefangen genommen wurdest.“<br />
Jask schwieg und senkte den Blick auf seine entfesselten Hände. Als er wieder aufsah, wirkte er verschlossen, aber zutiefst ehrlich. Seine Stimme war fest, als er sprach: „Ich bin frei. Ich werde euch helfen, auch ohne meinen Dolch und das Symbol meines Gottes.“<br />
„Schön, aber du bleibst unter Aufsicht. Wer will noch helfen?“<br />
Kuraz war nicht damit einverstanden, dass Emere Jask weiter als einen Gefangenen betrachtete. Sie glaubte nicht daran, dass der Mann gefährlich war, aber letztlich hatte sie das Gefühl, dass es nicht klug wäre, sich gegen Emere zu stellen, vor allem da selbst Manaal und Jualy nichts Gegenteiliges zu sagen hatten und ihre Meinung wohl teilten.</p>
<p>Da das Wasser inzwischen wieder so hoch gestiegen war, dass sie den kleinen Pfad entlang der Klippen nicht nutzen konnten, entschieden sie, sich einen kleinen Unterstand zu bauen und am Abend noch einmal zum Schiff zurück zu kehren. Neben Jask wollten auch Tascha und Ischiro sie begleiten. Aerys ging es einfach viel zu schlecht. Die Auswirkungen des Schiffbruchs schienen bei ihr schlimmer zu sein als bei den anderen, und Gelik meinte, er sei zu klein und zu leicht, um solche Aufgaben zu bewältigen.<br />
Mit Hilfe der Seile spannte Manaal die Plane so zwischen vier dicht beieinander stehende Bäume, dass sie zumindest vor der Sonne einigermaßen geschützt waren. Das Essen reichte wie erwartet nicht für alle. Außerdem war es durch Manaals Unachtsamkeit durchweicht. Daher entschloss sich die Elfe dazu, jagen zu gehen.<br />
„Wer begleitet mich?“<br />
Bis auf Kuraz hob niemand die Hand. Die meisten lagen träge unter der Plane und hielten sich die knurrenden Mägen. Außerdem hatten sie kein Wasser und ihr Durst wurde langsam unerträglich. Selbst Jualy wollte nicht mitgehen, sondern lieber im Schatten verbleiben.<br />
„Nehmt es mir bitte nicht übel, aber wenn ich jetzt aufstehe, falle ich sofort wieder um.“<br />
„Kein Problem. Ruht euch aus. Wir kriegen das schon hin. Wir bringen auch Wasser mit, wenn wir welches finden.“<br />
„Aber seid vor Anbruch der Nacht zurück!“ warnte Emere. „Wir wissen nicht, was sich im Dschungel herum treibt und denkt daran, dass wir noch einmal auf die Jenivere zurück kehren wollen.“<br />
Manaal erwiderte nichts, sondern ging geradewegs in den Dschungel, während Kuraz Emere versicherte, sie würden sich beeilen und gesund wiederkehren. Doch schon nach den ersten Metern wurde beiden klar, dass der Dschungel kein einfacher Wald war. Überall stolperten sie über Wurzeln oder mussten umkehren, weil das Dickicht sie nicht weiter ließ. Tiere gab es genug, doch sie wussten sich zu verbergen und zu flüchten, sobald Manaal und Kuraz nur in ihre Nähe kamen. Das Einzige, was sie schließlich erbeuten konnten, war ein Hase mit kurzen Ohren, aber einem längeren Schwanz und geraden Beinen. Er war groß, aber er würde dennoch nicht alle Mäuler satt machen. Und zu allem Überfluss fing es am frühen Nachmittag an zu regnen, so heftig, dass Manaal und Kuraz sich nur mithilfe eines riesigen Farnblattes vor der Nässe schützen konnten.<br />
„Sieht so aus als wären wir geradewegs auf einer der Höllenebenen gelandet.“<br />
„Wir kommen schon wieder von hier weg. Keine Sorge. Wir müssen nur einen Weg finden, von hier zu flüchten.“<br />
„Ja und das wird bestimmt ganz einfach werden. Deinen Optimismus möchte ich haben, Kuraz.“<br />
„Aber es muss einen Weg geben und es gibt auch immer einen Weg und deshalb werden wir ihn auch finden.“<br />
Kuraz rutschte ein Stückchen tiefer in den regenschützenden Schatten des Farnblattes, während Manaal nur einmal mehr über die grenzenlose Zuversicht der Menschen lächeln konnte.<br />
„Du hast Recht, aber zuerst sollten wir einen Weg zurück zum Lager finden, denn bald wird wieder Ebbe sein und wir müssen zusehen, dass wir den Rest der Werkzeuge aus dem Schiff bergen. Außerdem sollten wir deine Emere nicht zulange mit den anderen allein lassen.“<br />
„Sie ist nicht meine Emere“, murrte Kuraz und streckte die Hand unter dem Farnblatt hervor, um zu sehen, wie stark der Regen noch war. „Sie hat meine Überfahrt bezahlt, ich finde es daher richtig, ihr zu helfen.“<br />
„Die Überfahrt ist gescheitert und du hilfst ihr nicht, du dienst ihr. Und die Taldani nutzt das ordentlich aus. Lass dich nicht von ihr herum schubsen. Jetzt, da wir hier auf der Insel sind, sollte jeder jedem helfen und das gilt auch für Emere, verstanden?“<br />
„Ja“, meinte Kuraz leise und war sich dennoch nicht sicher, ob Emere das wohl auch so verstehen würde. Schließlich brachen sie wieder auf, um zum Lagerplatz zurück zu kehren. Dank Manaals Fähigkeiten, sich in noch so dichtem Gestrüpp zu orientieren, fanden sie den Weg mühelos, als der Regen endlich aufgehört hatte. Die Flut war vorbei und Ebbe setzte langsam wieder ein.<br />
„Da seid ihr ja, wir haben uns schon Sorgen gemacht.“ Jualy begrüßte sie mit einer Umarmung, als wären sie Tage lang fort gewesen. Kuraz freute sich darüber, Manaal schien es eher peinlich zu sein, aber Elfen waren dafür berühmt, ihre Gefühle nicht derart offen zu zeigen, wie Menschen es taten. Jask zwinkerte Kuraz zu, als sie sich wieder zu ihnen unter die Plane setzte, doch Emere war in das Studium des Logbuchs vertieft. Ohne aufzusehen, verkündete sie:<br />
„Erinnert ihr euch an diese Gelehrte? Scheint mir so, als hätte sie etwas mit dem Kapitän angestellt. Dem Logbuch zufolge war er eifersüchtig auf jeden, der Ieana zu nahe gekommen ist. Er hat schließlich sogar geschrieben, dass er froh wäre, wenn der erste Maat sterben würde. Außerdem weiß ich jetzt, wer den Kurs geändert hat und warum. Es war der Kapitän selbst. Ieana hat ihn sogar darum gebeten.“<br />
„Aber wieso sollte sie das tun? Wegen ihren Forschungen?“<br />
Tascha lehnte an einem der Baumstämme, die die vier Ecken ihres Unterschlupfes bildeten. Sie war bei der Frage, wer noch einmal an Bord des Schiffes zurück kehren würde, sehr euphorisch gewesen, doch nun saß sie niedergeschlagen da und wirkte keineswegs sonderlich interessiert an den Beweggründen der Gelehrten Ieana.<br />
„Möglich, sogar sehr wahrscheinlich. Ich kann mir sonst nicht vorstellen, was sie hier gewollt haben könnte.“<br />
„Einen Schatz“, mischte sich plötzlich der sonst schweigsame Ischiro ein. „Womöglich.“<br />
„Glaube ich nicht. Aber es ist vorerst auch gleich“, erwiderte Emere bestimmt. „Einer der Karten nach zu urteilen sind wir nicht soweit weg von der normalen Handelsroute. Anscheinend hörte diese Insel auf den Namen Schmugglerinsel. Hat jemand schon mal was von ihr gehört?“<br />
„Oh ja!“ verkündete Jualy.<br />
„Oh nein!“ heulte Manaal auf. „Nicht die Schmugglerinsel. Über diese Insel gibt es einige Gerüchte.“<br />
„Allerdings“, bestätigte Emere. „Für alle, die nichts von der Schmugglerinsel wissen, sie ist nicht allzu weit von Eleder entfernt, gilt aber als eine der gefährlichsten Insel des Arkadischen Ozeans. Viele Schiffe sind hier schon auf Grund gelaufen und die meisten waren mit Schmugglern besetzt, daher auch der Name.“<br />
„Ich habe gehört, dass es hier Geister und Untote geben soll“, fügte Manaal hinzu.<br />
„Ganz abgesehen von Flüchen und der Vermutung, dass es hier sogar Kannibalen geben soll.“<br />
„Richtig. Degenerierte Soldaten, chelische Soldaten wohlgemerkt. Sie sollen hier einst Schiffbruch erlitten und sich zu Kannibalen entwickelt haben. Das sind zwar nur Gerüchte, aber wir sollten dennoch vorsichtig sein.“<br />
„Warte mal, Emere. Wenn das wirklich die Schmugglerinsel ist, dann gibt es hier doch den Leuchtturm. Soviel ich weiß, kam es nicht dazu, dass hier eine neue Kolonie gegründet wurde, aber der Leuchtturm soll stehen.“<br />
„Stimmt, aber der Leuchtturm befindet sich am anderen Ende der Insel.“<br />
Emere breitete die Karte in der Mitte der Gestrandeten aus. Kuraz betrachtete das Gebilde und fragte sich, wie sie aus dieser Karte schließen sollten, wo sie waren und wo sich der Leuchtturm befand.<br />
„Ich schätze, wir sind hier oben gelandet. Die Formung der Bucht, aber auch unser letzter Kurs lassen mich zu dieser Schlussfolgerung gelangen.“ Emere tippte auf eine kleine Bucht im Norden der Insel.<br />
„Der Leuchtturm müsste hier sein.“ Jualy fügte ihren Finger am südwestlichen Ende der Insel hinzu. „Eine ziemlich lange Strecke und wir wissen nichts über den Maßstab der Karte, noch über die wirklichen Gefahren, die hier lauern.“<br />
„Wir konnten jedenfalls keine gefährlichen Tiere oder Kannibalen ausmachen, oder Kuraz?“<br />
„Nein, aber ich habe auch keine sonderliche Lust, welche zu treffen“, gab das Mädchen zu.<br />
„Das ist nachvollziehbar. Na gut, uns wird dennoch nichts anderes übrig bleiben, als den Leuchtturm zu finden. Vielleicht gelingt es uns, ein Signal zu entzünden und so ein anderes Schiff auf uns aufmerksam zu machen.“<br />
„Aber zuerst kümmern wir uns besser um einen Unterschlupf.“ Manaal deutete auf das Licht im Westen. Es wurde Zeit. Wenn sie sich nicht beeilten, würde die Sonne untergehen und sie könnten erst am nächsten Morgen einen weiteren Versuch unternehmen &#8211; und wer konnte schon mit Bestimmtheit sagen, wie lange die Jenivere noch da sein würde?</p>
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		<item>
		<title>81 Der Schlangenschädel (8)</title>
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		<pubDate>Tue, 17 May 2011 08:08:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
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		<description><![CDATA[„Äh, was meinst du denn damit?“ fragte sie verwirrt und mit zitternder Stimme, während Emere Jualy und Manaal folgte, die jedoch, unter Deck angekommen, stehen geblieben war und Kuraz aufforderte, zu schweigen. „Hört ihr das?“ flüsterte Manaal. Kuraz hatte Probleme etwas anderes zu vernehmen als eindringendes Wasser und das Anbranden von Wellen, doch dazwischen war [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1915&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Äh, was meinst du denn damit?“ fragte sie verwirrt und mit zitternder Stimme, während Emere Jualy und Manaal folgte, die jedoch, unter Deck angekommen, stehen geblieben war und Kuraz aufforderte, zu schweigen.<br />
„Hört ihr das?“ flüsterte Manaal. Kuraz hatte Probleme etwas anderes zu vernehmen als eindringendes Wasser und das Anbranden von Wellen, doch dazwischen war ein rhythmisches Klopfen, das sie sich nicht erklären konnte.<br />
„Was ist das?“<br />
„Klingt für mich, als würde jemand mit einem Hammer gegen einen Tür schlagen. Haltet lieber eure Waffen bereit!“<br />
Manaal zog ihr Langschwert hervor, Emere legte ihre Hand auf das Heft ihres Rapiers und Jualy nestelte in einem Beutel an ihrer Hüfte herum, während Kuraz nur ihr rostiges Kurzschwert betrachtete und sich an den Kampf mit den Eurypteriden erinnerte, die sie nur mit Müh und Not und mit viel Hilfe von Manaal besiegt hatte. Schließlich war es auch die Elfe, die voran schritt, darauf bedacht in dem seichten Wasserteppich, der sich im Schiff ausbreitete, nicht zuviel Lärm zu verursachen. Und obwohl auch Kuraz sich Mühe gab, schien es, als patschten ihre Füße permanent durch das zehenhohe Wasser. Glücklicherweise war auch Jualy nicht viel leiser, auch wenn Kuraz sich darüber nicht so sehr freuen wollte, wie sie es tat. Manaal schlich indessen in den nächsten Gang und blieb unvermittelt stehen. Vor der Tür des Lagerraums füllte ein dieses Mal zwergengroßer Eurypterid den gesamten Gang aus und hämmerte mit einer seiner Scheren gegen die Tür des Lagerraumes, die zwar standhielt, aber bald aus den Angeln zu brechen drohte.<br />
„Ein Eurypterid“, meinte Emere und grinste Kuraz schief an. „Lasst uns mal schauen, ob die wirklich so gefährlich sind, wie ihr gesagt habt.“<br />
Mit diesen Worten begann Emere nicht etwa mit ihrem Rapier nach vorne zu stürmen, sondern sie tanzte. Der Eurypterid drehte sich um und betrachtete sie irritiert, bevor er vorsichtshalber mit einer Schere zuschlug. Doch Emere wich ihm durch eine geschickte Drehung aus und stach ihm mit dem Rapier in die Seite. Die Klinge jedoch prallte an dem harten Chitinpanzer ab. Manaal, die Emere bereits zerquetscht an einer Wand sah, sprang zur anderen Seite des Eurypteriden und streifte mit ihrem Schwert eine der Scheren, ohne die Kreatur jedoch zu verletzen. Kuraz stand vor Jualy, die leise Worte murmelte, bis sie ihr eine Hand auf die Schulter legte.<br />
„Ich helfe dir!“ Sie lächelte Kuraz an. „Das Lied der Sphären ist mit uns.“<br />
Kuraz verstand nicht, was das Lied der Sphären sein sollte, doch dass Jualy ihr beistand, gab ihr ein wenig Mut zurück. Entschlossen ging sie einige Schritte nach vorn, weiterhin Jualys Hand auf ihrer Schulter spürend, und stellte sich dem mutierten Krebs in den Weg, der gerade dabei war, Emere zu zerquetschen.<br />
„Hey Mutant! Friss Rost!“ Kuraz stieß ihr Kurzschwert in den Rachen des Tieres, doch der Eurypterid konnte im letzten Moment eine Schere schützend vor das halten, was wohl sein Gesicht war. Das Schwert durchbrach den harten Panzer und riss beinahe die gesamte Schere auf. Ein schrilles Fauchen quälte sich durch Kuraz‘ Gehirnwindungen, als der Eurypterid vor Schmerz seinen Stachel aufrichtete und Kuraz dabei nur knapp verfehlte, jedoch den hölzernen und aufgeweichten Boden durchbrach.<br />
„War das alles?“ provozierte Kuraz weiter und ignorierte alles andere um sie herum. Sie ignorierte Manaal, die ihr Langschwert in die Seite des Krebses zu bohren versuchte. Sie ignorierte Emere, die vom Leib des Eurypteriden noch immer gegen die Wand gepresst wurde. Sie sah nur noch die verwundbare Stelle des Tieres vor sich, während sie ihr Kurzschwert hob und mit der eigentlich bereits stumpfen Klinge den Oberkörper des Tieres in zwei Teile spaltete. Der Todeskampf des Eurypteriden dauerte nur wenige Sekunden, dann sackte der Körper in sich zusammen, bis zuletzt der stachelbewehrte Schwanz gegen die Tür des Lagerraumes prallte. Kuraz atmete schwer und ihr Arm schmerzte, weil sie den Umgang mit einer schweren Waffe nicht gewöhnt war.<br />
„Zu schade, dass du jetzt nicht mehr an Wundstarrkrampf verrecken kannst!“ brüllte sie das tote Tier an und kniete sich dann hin, um die Klinge von den Innereien des Krebses im zehenhohen Wasser zu reinigen.<br />
„Gut gemacht, wirklich gut“, meinte Jualy hinter ihr und klatschte einmal in die Hände. Da kam Kuraz wieder zu sich.<br />
„Oh, ja, also, danke für deine Hilfe!“<br />
„Wieso? Ich habe nichts gemacht. Ich habe nur um den Beistand Desnas gebeten.“<br />
„Du meinst&#8230;“<br />
„Ja, du hast den Eurypterid ganz allein besiegt und ich muss schon sagen, du hast ihn so richtig besiegt!“ lobte nun auch Manaal, die sich die Überreste des Krebses von der Rüstung putzte, während sich Emere von der Wand löste.<br />
„Nicht schlecht, meine Kleine. Ich wusste, dass mehr in dir steckt, als du uns vermuten lässt. Allerdings muss ich sagen, dass mir deine Brutalität nicht gefällt. Du solltest etwas mehr Eleganz in deinen Kampfstil bringen.“<br />
„Ach, hör gar nicht auf die! Die hat keinen Schimmer vom Kampf. Das hast du ja schon daran gesehen, dass sie auf den Eurypterid zu getanzt ist. Ich hoffe, du bist dir bewusst, dass wir in Gefahr schweben, Taldani, und zwar nicht nur, weil wir uns mit ein paar arroganten Angehörigen deiner Art in einer Kneipe anlegen könnten, wenn wir einen Fehler machen!“<br />
„Jeder wählt seinen eigenen Stil, meine elfische Freundin“, war alles, was Emere erwiderte, während sie zu dem Eurypteriden sah und schließlich wieder Kuraz betrachtete.<br />
„Und jetzt sollte unsere Heldin ihr Opfer beiseite schaffen, damit wir uns mal anschauen können, was der Eurypterid aus dem Lagerraum haben wollte.“<br />
Kuraz, deren ganzer Körper sich plötzlich stark anfühlte, machte sich daran, den Eurypterid mit einigen Flüchen und Tritten aus dem Weg zu schaffen. Das Tier war allerdings nicht nur so groß wie ein Zwerg, sondern auch so schwer. Doch kaum hatte sie das Tier aus dem Weg geräumt, stand sie vor dem nächsten Problem. Die Tür war so verbarrikadiert, dass sie trotz größter Bemühungen nicht aufgehen wollte. Kuraz beugte sich hinunter und sah durch das Schlüsselloch, konnte aber kaum mehr erkennen als einen dunklen Raum, in den nur wenig Sonnenlicht gelangte.<br />
„Sonnenlicht. Scheint, als sei eine der Wände oder die Decke des Lagerraums zerstört.“<br />
Kuraz löste sich vom Schlüsselloch und hielt ihren Blick nach unten gerichtet. Sie hockte sich vor die Tür und fuhr mit der Hand durch das Wasser. Ihre Finger färbten sich rot.<br />
„Das ist Blut.“<br />
„Blut?“ Manaal beugte sich über ihre Schulter. „Das erklärt, was der Eurypterid da drin wollte. Wir sollten die Tür dringend öffnen, vielleicht lebt ja derjenige, dessen Blut wir hier sehen, noch. Zusammen?“<br />
„Ja!“ antwortete Kuraz und stand auf, um mit Manaal gemeinsam gegen die Tür zu rennen. Mit vorgestreckten Schultern rammten sie gegen das feste Holz, das durch die Angriffe des Eurypteriden bereits deutlich gelitten hatten. Sie schafften es jedoch erst beim zweiten Mal, die Tür aufzusprengen, die nur schwerlich den Eingang in den Lagerraum preis gab, da sie sich durch zehenhohes Wasser bewegen musste. Das Erste aber, was Kuraz und Manaal sahen, war die Leiche des Ersten Maats Alton Devers. Kuraz musste schlucken und spürte die Tränen in ihren Augen aufsteigen.<br />
„Schon gut. Jualy, kannst du dich bitte darum kümmern?“ Manaals Hand legte sich auf Kuraz‘ Schulter und zog das Mädchen behutsam nach hinten, damit Jualy an ihr vorbei in den Lagerraum gehen konnte. Die Priesterin der Desna hockte sich vor die Leiche, während Manaal im hinteren Teil des Lagerraums nach Material suchte, dass sie zum Bauen verwenden konnten. Emere stand hinter Kuraz, einen Arm um die zitternde Schulter des Mädchens gelegt.<br />
„Beruhige dich. Heute Nacht sind viele Menschen gestorben, aber es haben auch Menschen überlebt.“<br />
Kuraz wusste nicht, ob sie das wirklich als Trost ansehen konnte, aber sie unterdrückte die aufsteigenden Tränen und widmete sich lieber ihrer Wut auf den Eurypteriden, dem sie maßgeblich die Schuld an Altons Tod gab.<br />
„Er ist schon zuvor verletzt worden und der Schnittwunde nach zu urteilen, war es nicht der Eurypterid. Allerdings vermute ich, dass das Tier die eigentliche Schuld an seinem Tod hat.“<br />
„Gekämpft?“ Manaal horchte sofort auf und auch Kuraz‘ Augen weiteten sich.<br />
„So was habe ich schon vermutet“, meinte Emere. „Irgendetwas war nicht koscher an unserem Kurs.“<br />
„Das fällt dir so urplötzlich mal auf?“ murrte Manaal und schenkte der Taldani nur einen zweifelnden Blick. „Wie dem auch sei. Was meinst du, mit wem er gekämpft hat?“<br />
„Ich weiß es nicht. Es kann sein, dass Alton der Angreifer war, der den Kurs“ &#8211; sie sah zu Emere hinüber &#8211; „geändert hat oder aber er wollte denjenigen aufhalten, der den Kurs geändert hat.“<br />
„Wer ist denn normalerweise als Einziger in der Lage, den Kurs zu ändern?“ fragte Emere. „Kuraz?“<br />
„Ich? Ach so, ähm, eigentlich nur der Kapitän, oder? Nur er könnte jedenfalls den Befehl geben.“<br />
„Sehr richtig. Wir sollten mal schauen, ob wir seine Kajüte noch finden. Schaut ihr euch den Lagerraum mal in Ruhe an und ich glaube, die Kombüse dürfte auch noch zugänglich sein. Vielleicht finden sich Essensreste.“<br />
Sie nahm Kuraz mit sich, aber das Mädchen konnte hinter sich noch die aufgebrachte Stimme von Manaal vernehmen: „Wer glaubt sie eigentlich, wer sie ist? Gibt uns hier Befehle und spielt den großen Anführer!“<br />
„Ganz ruhig, Manaal, wir haben jetzt ganz andere Probleme.“<br />
Kuraz fürchtete, dass Jualy da vollkommen richtig lag.</p>
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		<title>80 Der Schlangenschädel (7)</title>
		<link>http://schreibtagebuch.wordpress.com/2011/04/24/80-der-schlangenschadel-7/</link>
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		<pubDate>Sun, 24 Apr 2011 12:54:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturallerlei]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibtagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuerpfad]]></category>
		<category><![CDATA[Der Schlangenschädel]]></category>
		<category><![CDATA[Paizo]]></category>
		<category><![CDATA[Pathfinder]]></category>
		<category><![CDATA[Rollenspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Seelen für die Schmugglerinsel]]></category>
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		<description><![CDATA[Gestrandet 29. Rova 4708, Irgendwo im Arkadischen Ozean Trotz Kuraz‘, Manaals und Jualys Entschlossenheit ließ sich keiner der anderen dazu überreden, sie zu begleiten, bis auf Emere, die es als ihre Pflicht ansah, sich um ihren Zögling zu kümmern und ihn nicht alleine zu lassen. „Außerdem könntet ihr etwas Wichtiges übersehen, ich habe vermutlich eher [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1912&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong>Gestrandet</strong><br />
<strong>29. Rova 4708, Irgendwo im Arkadischen Ozean</strong></p>
<p>Trotz Kuraz‘, Manaals und Jualys Entschlossenheit ließ sich keiner der anderen dazu überreden, sie zu begleiten, bis auf Emere, die es als ihre Pflicht ansah, sich um ihren Zögling zu kümmern und ihn nicht alleine zu lassen.<br />
„Außerdem könntet ihr etwas Wichtiges übersehen, ich habe vermutlich eher einen Blick dafür, ob etwas zu gebrauchen oder wiederherzustellen ist. Abgesehen davon, dass ich Schriftstücke mit Sicherheit besser entziffern kann als ihr.“<br />
So setzte Emere ihre Aufzählung dessen fort, wozu sie wesentlich besser geeignet war, während Manaal der kleinen Gruppe voran schritt, bis der Strand sich in Klippen wandelte. Mit dem Aufstieg der Sonne hatte sich das Meer zurück gezogen und ein schmaler Weg über glitschige und scharfe Felsen wurde offenbar, der sich an den Klippen hinauf wand und zudem einige Kletterpassagen aufwies, vor denen sich besonders Kuraz fürchtete. Als sie zurück blickte, konnte sie die winkenden Schemen ihrer restlichen Gefährten erblicken. Sie war sicher, dass sogar Jask ihnen einen stillen Gruß und viel Glück sandte. Es machte ihr Mut und den brauchte sie auch, als sich Manaal ein paar Minuten später daran machte, an einer beinahe senkrechten Wand hinauf zu klettern. Kuraz‘ Hände fühlten sich bereits taub an und sie sah sich mit zerschlagenem Kopf auf den Klippen liegen und langsam vom Meer weggespült werden. Als sie das nächste Mal schluckte, wollte ihre eigene Spucke ihre Kehle nicht hinunter. Widerwillig klammerte sie ihre Finger um die scharfen Felsen und zog sich hinauf. Schon nach wenigen Griffen schmerzten ihre Hände und ihre Füße fanden kaum mehr Halt. Sie war froh, als sie den ersten Vorsprung erreicht hatten und Manaal ihr mit Schwung hinauf half. Emere hatte kaum Schwierigkeiten mit dem Gelände fertig zu werden, was Jualy nicht von sich behaupten konnte. Vielleicht lag es auch an ihrer schlechten Verfassung, die in ihrem Magen ein dumpfes Gefühl auslöste, aber sie kam kaum vorwärts, so dass Manaal noch einmal hinunter kletterte, die Priesterin auf ihren Rücken nahm und so geschwind wie ein Affe wieder oben war. Kuraz staunte mit offenem Mund. Manaal lächelte nur und tröstete Jualy, die sich dafür entschuldigte, wie unbrauchbar sie für solcherlei Unternehmungen doch sei.<br />
„Keine Sorge, wir kriegen dich schon irgendwie an Bord, obwohl du, glaube ich, zugenommen hast“, spöttelte Manaal und bekam ein wütendes Schnauben als Antwort, bevor Jualy vor stürmte und den nächsten Vorsprung zu erklimmen suchte, was ihr urplötzlich denn auch gelang. Manaal stupste Kuraz von der Seite an, die beeindruckt von dem Enthusiasmus der Priesterin war.<br />
„Wenn du eine Frau ärgern willst, sprich bloß ihr Gewicht an“, riet sie ihr und machte sich auf den Weg, Jualy zu folgen. Emere schüttelte neben Kuraz den Kopf, lächelte aber wie gewöhnlich &#8211; mit einer Spur Überheblichkeit.<br />
„Und ich dachte, Elfen seien sensiblere Wesen. Unsere Freundin scheint eine Ausnahme zu bilden.“<br />
„Ich glaube nicht, dass sie es böse gemeint hat. Jualy und sie scheinen sich schon länger zu kennen.“<br />
„So? Du hast es also auch bemerkt?“<br />
„Dass sie sich nicht erst auf dem Schiff kennen gelernt haben? Ja, das ist ja offensichtlich.“<br />
Emere lachte leise, während sie durch Kuraz‘ sandverkrustete Haare fuhr. Kuraz wurde das Gefühl nicht los, dass Emere mit diesem Lachen noch viel mehr andeuten wollte, allerdings konnte sie sich nicht erklären, was. Sie zuckte mit den Schultern und während Emere sich daran machte, den nächsten Vorsprung zu erklimmen, blieb Kuraz stehen und betrachtete das zerstörte Schiff. Es war wirklich seeuntauglich. Vom Unterdeck war kaum mehr etwas übrig, vermutlich war das Schiff bereits voll Wasser gelaufen und wenn die Wellen der nächsten Flut stark genug waren, würden sie das Schiff vielleicht aus seiner Zwangslage befreien und es davon spülen. Immer noch ungeklärt war jedoch, wohin sie es spülen würden, denn sie wusste noch nicht, wo sie sich befanden.<br />
„Zeit, es heraus zu finden!“ meinte sie leise zu sich und begann sich wieder mit dem Aufstieg abzumühen. Oben angekommen war es dieses Mal Emere, die ihr die Hand reichte. Sie standen inzwischen auf Höhe des Oberdecks und es war nur ein Sprung nötig, um auf das Schiff zu gelangen, doch Manaal zögerte und deutete auf ein kleines Rettungsboot, von dem kaum mehr etwas übrig war und das mit einem Seil am Schiff vertäut worden war.<br />
„Jemand hat uns gerettet, aber ich vermute, dass unser Retter die Nacht nicht überlebt hat.“<br />
Kuraz fröstelte. Vielleicht war es jemand von der Mannschaft gewesen, womöglich der Kapitän. Die Aussicht darauf, eine Leiche im Schiff zu finden, ließ ihre Entschlossenheit, Jasks Ausrüstung und den Schlüssel zu seinen Fesseln zu finden, schwinden. Sie brauchten ein paar schweigsame Minuten, bevor Emere die Initiative ergriff.<br />
„Genug getrauert. Es geht hier immerhin um unser Leben und damit um das Leben, dass dieser tapfere Seemann gerettet hat, wer auch immer er war. Schauen wir nach, was wir an Bord finden können!“<br />
Mit diesen Worten sprang sie nach unten und landete mit einem Purzelbaum auf dem Schiffsdeck. Es waren vermutlich nicht mal drei Meter, aber Kuraz fürchtete sich davor, hinunter zu springen. Deshalb ging Manaal voran. Sie landete auf ihren Füßen, musste aber kurz stehen bleiben, um den Schmerz des plötzlichen Stauchens zu vertreiben. Schließlich aber drehte sie sich breit grinsend um und sah Jualy auffordernd an.<br />
„Komm schon, ich fang dich auch! Aber bitte versuch, mich nicht zu zerquetschen!“<br />
Kuraz konnte nicht anders, als leise aufzulachen, was Jualy mit dem Ausschlag einer Hand in ihren Magen quittierte, bevor sie sich nach unten stürzte und von Manaal, wie versprochen, aufgefangen wurde. Selbst von ihrer Position aus konnte Kuraz hören, wie Jualy leise aufatmete. Schließlich blieb nur noch sie übrig und weder Manaal noch Emere schienen auf die Idee zu kommen, sie zu fangen. Sie schniefte kurz und sprang, wobei sie schmerzhaft auf ihrem Hintern landete und etwas unangenehm knirschen hörte.<br />
„Na siehst du, geht doch!“ lobte Manaal, was Kuraz zu einem schiefen Lächeln animierte, ihr den Schmerz aber auch nicht nehmen konnte. Jualy, die nun wieder viel sicherer wirkte als bei dem Aufstieg und dem Sprung, ging ein paar Schritte über das sich in leichter Schieflage befindende Schiff.<br />
„Lasst uns nachschauen, ob unsere Kajüten noch da sind oder zumindest die des Kapitäns. Da könnte sich die Ausrüstung des Gefangenen befinden. Vielleicht lässt sich Speiseraum noch Essen auftreiben.“<br />
„Ja und wenn ich das richtig gesehen habe, haben sie während unserer Fahrt auch Werkzeug mit an Bord gebracht, das sollten wir auch mitnehmen.“<br />
Jualy und Manaal klangen, als seien sie erfahrene Abenteurer, was Kuraz ein bißchen neidisch machte, denn auch sie wäre liebend gerne eine größere Hilfe. Emere dagegen schien es wenig auszumachen, dass sie sich nicht an den Diskussionen beteiligte. Sie untersuchte das Schiffsdeck und gab ab und an ein Ah und ein Oh von sich. Kuraz hatte nicht die geringste Ahnung, was sie da sah, denn da war nicht mehr als feuchtes Holz.<br />
„Gehen wir unter Deck und finden wir raus, was passiert ist und ob noch jemand überlebt hat.“<br />
Jualy und Manaal suchten einen Weg, um zu den Kajüten zu gelangen. Kuraz war unschlüssig, ob sie den beiden folgen oder bei Emere bleiben sollte. Sie entschloss sich dazu, dass sie nicht wählen wollte und ergriff Emere am Arm.<br />
„Gehen wir runter, ja?“<br />
„Hm, oh, ach so, richtig. Ja, gehen wir. Allerdings sollten wir vorsichtig sein.“<br />
„Vorsichtig? Warum? Was hast du denn gesehen?“<br />
„Ich glaube nicht, dass die Feuchtigkeit von Wellen stammt. Mir sieht das eher danach aus, als wäre was an Bord gekrabbelt und ich vermute, dass es nicht derjenige war, der uns gerettet hat.“<br />
Kuraz lief es eiskalt den Rücken runter, als Emere solche gruseligen Bemerkungen machte. Was sollte denn an Bord gekrabbelt sein? Etwa noch mehr Eurypteriden? Oder möglicherweise Bewohner der Region, in der sie gelandet waren? Oder noch schlimmer: die Geister vorheriger Gestrandeter?</p>
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		<title>79 Der Schlangenschädel (6)</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Mar 2011 19:42:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturallerlei]]></category>
		<category><![CDATA[Der Schlangenschädel]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Kuraz drehte sich einmal im Kreis. Im Norden war nur das weite Meer auszumachen. Hinter ihr im Süden ging der Strand in einen dichten Dschungel über, dessen Größe und Bewohner sie nur erahnen konnte. Der Strandabschnitt, an dem sie gelandet waren, war nur kurz und alsbald folgten auf den weichen Sand scharfkantige Klippen. Als ihre [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1910&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kuraz drehte sich einmal im Kreis. Im Norden war nur das weite Meer auszumachen. Hinter ihr im Süden ging der Strand in einen dichten Dschungel über, dessen Größe und Bewohner sie nur erahnen konnte. Der Strandabschnitt, an dem sie gelandet waren, war nur kurz und alsbald folgten auf den weichen Sand scharfkantige Klippen. Als ihre Augen sich gen Westen richteten, sah sie ein Schiff, das zwischen den Klippen und einer Felsnadel festgeklemmt war.<br />
„Die Jenivere!“ rief sie aufgeregt und deutete in die Richtung, in der das Schiff aufgelaufen war.<br />
„Mist! Ich glaube nicht, dass die noch seetauglich ist!“ fluchte Manaal und half Jualy auf die Beine, während sich Emere bereits den Sand von den zerrissenen Kleidern klopfte. Das Einzige, was recht gut erhalten war, war ihre Lederrüstung, die reichlich verziert in der aufgehenden Sonne glänzte.<br />
„Nun seid nicht gleich so pessimistisch, meine elfische Freundin! Lasst uns erst einmal nachschauen, was zu retten ist! Apropos zu retten, mir scheint, ihr tragt eure Waffen bei euch. Wäre es denkbar, dass ich auch die meine erhalte?“<br />
Emere streckte die Hand aus, direkt vor Kuraz‘ Gesicht. Das Mädchen stockte kurz, rannte dann jedoch zu dem zusammen gelegten Haufen an Ausrüstung zurück und brachte ihr ihren Rapier, den sie vorsichtig in ihre Hand legte. Manaal schüttelte den Kopf und stieß Kuraz unsanft in die Seite.<br />
„Spiel nicht ihren Diener! Die Taldani kann sich ihren Rapier alleine holen!“<br />
„Das scheint mir inzwischen nicht mehr nötig. Hat jemand schon überprüft, ob wir allein auf der Insel sind?“<br />
„Natürlich! Wir haben die ganze Umgebung schon erkundet, nachdem wir gegen drei Eurypteriden gekämpft haben!“<br />
„Eurypteriden? Kuraz, du magst zwar ein bedauernswertes Straßenkind sein, aber du musst dich doch nicht mit Kreaturen abgeben, die Eurypteriden heißen!“<br />
Kuraz wollte einwenden, dass sie kein Straßenkind war und dass sie sich nicht absichtlich mit diesen Krebsen angelegt hatte, aber die Taldani war bereits dabei, ihren Rapier anzulegen und den Strand entlang zu wandern, während sie nach weiteren Geretteten Ausschau hielt. Ihre drei Gefährtinnen blieben zurück und sahen ihr hinterher.<br />
„Lass sie gehen. Soll sie doch dem nächsten Viech ins offene Maul laufen!“ murrte Manaal und sah Kuraz eindringlich an. Sie erwartete, dass sie Emere dieses Mal nicht hinterher lief, aber Kuraz konnte die Taldani unmöglich alleine gehen lassen. Sie waren immerhin zusammen gestrandet und mussten in dieser Notlage zusammen halten, so wie Emere ihr geholfen hatte, als sie an Bord der Jenivere gekommen war. Sie hörte nur noch, wie Manaal laut seufzte, bevor sie zu Emere aufschloss, die sie lächelnd betrachtete.<br />
„Was sind Eurypteriden?“<br />
Kuraz war erstaunt, als Emere doch noch nach den mutierten Krebsen fragte, die sie als Frühstück betrachtet hatten.<br />
„Sie sahen aus wie Krebse, waren aber so groß wie Gnome und hatten einen Stachel wie ein Skorpion.“<br />
„Habt ihr ihre Leichen schon ins Meer geworfen oder können wir sie als Essen verwenden?“<br />
„Was? Essen? Ich weiß nicht, ob die nicht giftig sind. Ich fänd‘s komisch, sie zu essen.“<br />
„Wir müssen alles in Erwägung ziehen, Kuraz. Wir wissen nicht, wo wir sind und was uns hier erwartet. Außerdem können wir nicht sagen, was mit der Jenivere und ob sie wirklich nicht mehr seetauglich ist. Falls nicht und wir befinden uns hier auf einer götterverlassenen Insel, dann haben wir ein Problem. Und dieses Problem erfordert es, dass wir klar bei Verstand bleiben, was wir nur können, wenn wir essen und trinken, verstehst du?“<br />
Die Rede Emeres war ausladend gewesen, aber Kuraz hatte sich inzwischen daran gewöhnt und filterte das Wichtigste aus ihren Worten heraus. Demnach ging Emere momentan vom schlimmsten Fall aus.<br />
„Meinst du denn, dass wir wirklich auf einer Insel gestrandet sind?“<br />
„Es wäre denkbar. Wir sollten uns zumindest darauf einstellen, aber jetzt sollten wir uns darum kümmern.“<br />
Emere deutete auf eine Ansammlung von weiteren Gestrandeten, die etwa hundert Meter von der Stelle, an der sie gelegen hatten, saßen und sich die Gesichter rieben, um wieder zu Besinnung zu kommen.<br />
„Fällt dir was im Sand auf, Kuraz?“<br />
Kuraz richtete ihren Blick auf die Stelle, auf die Emere zeigte. Im Sand waren tiefe Furchen erkennbar.<br />
„Noch mehr Eurypteriden?“<br />
„Nein, das glaube ich nicht, meine Kleine. Mir scheint es eher, als hätte jemand hier einen Körper an den Strand geschleift. Sieh mal, die Furchen führen zu unseren Freunden da vorn.“<br />
Emere lief weiter und Kuraz folgte ihr, wobei sie auf die Furchen achtete und dummerweise auch darauf, nicht hinein zu treten, um keine Beweise zu vernichten. Sie schüttelte den Kopf und lief, beschämt über ihren eigenen Gedanken, eilig hinter Emere her, die die Ansammlung der anderen Gestrandeten erreicht hatte. Zu Kuraz‘ Freude hatten beinahe alle anderen Passagiere ebenfalls überlebt. Gelik, der Gnom, saß neben Aerys, die mit den Folgen des Schiffsbruchs ebenso wie Jualy heftig zu kämpfen hatte, im Sand. Neben ihnen stand Tascha. Ihre Kleidung war beinahe vollkommen zerrissen und auf ihrem Rücken wurde eine Tättowierung sichtbar, die sich Kuraz allerdings nicht erklären konnte. Ischiro hatte seinen Blick bereits auf den Dschungel gerichtet und Kuraz konnte erkennen, dass es hinter seiner Stirn arbeitete. Sie fragte sich, ob er womöglich wusste, wo sie sich befanden. Jasks Blick dagegen war auf das Meer gerichtet und der schmerzvolle Ausdruck darin ließ Kuraz schlucken. Sie mochte den Garundi, auch wenn er mürrisch sein konnte. Sie war froh, dass er trotz seiner Fesseln nicht ertrunken war, was sie wieder zu den Spuren und der Frage zurück brachte, wer sie hier am Strand abgelegt hatte.<br />
„Ah, wie ich sehe, haben außer uns auch noch andere überlebt!“ begrüßte Tascha sie, trotz des Schiffsunglücks recht gut gelaunt. „Wo sind eure Gefährtinnen, die Elfe und die Tian?“<br />
„Jualy geht es noch nicht so gut. Manaal kümmert sich um sie. Wir sind weiter östlich gelandet.“<br />
Tascha sah in die Richtung, in die Kuraz‘ Finger deutete und nickte. „Gut. Habt ihr sonst noch jemanden gesehen? Jemanden von der Mannschaft oder diese komische Gelehrte? Wie hieß sie gleich?“<br />
„Wen interessiert das?“ nörgelte Aerys und kämpfte mit ihrem Magen. Kuraz wurde das Gefühl nicht los, dass es nicht nur der Schiffbruch war, der der Halb-Elfe ordentlich zusetzte. Zudem fragte sie sich, warum ihnen allen so übel war. Da kniete sich Emere vor Aerys und betrachtete das blasse Gesicht.<br />
„Das Letzte, woran ich mich erinnern kann, war, dass mir komisch wurde. Ich glaube, wir sind vergiftet worden.“<br />
„Vergiftet?“ Die Stimme des Gnoms war von Panik erfüllt. „Aber warum? Und wieso die ganze Besatzung?“<br />
„Gute Frage, Herr Ebberschwinge! Finden wir es heraus! Haben alle genug Kraft, um die hundert Meter zu unseren Gefährtinnen zurück zu legen? Wir haben die Jenivere unweit unserer Landestelle entdeckt und ich glaube, dass wir zum Schiff gelangen können. Außerdem dürftet ihr euch darüber freuen, dass dort eure Waffen und eure Ausrüstung liegen. Was meine Annahme nur noch mehr bestätigt, dass uns jemand gerettet hat. Die Frage ist nur, wer.“<br />
Kuraz und Emere halfen dabei, Aerys die hundert Meter über den Strand zu schleppen, bis sie bei Manaal und Jualy angekommen waren, die die Ausrüstung untersuchten. Die fünf mit ihnen Gestrandeten nahmen ihre Sachen an sich.<br />
„Halt! Wo sind Jasks Sachen?“ fragte Kuraz, besorgt um den Garundi. Der Mann sah sie erstaunt an.<br />
„Kuraz, er ist ein Gefangener, das siehst du doch! Glaubst du ernsthaft, jemand würde sein Ausrüstung hierher bringen? Außerdem würde sie ihm ja nichts nützen, immerhin ist er gefesselt und einen Schlüssel kann ich nicht entdecken.“<br />
Emere schien weniger von dem Garundi zu halten, dessen Blick noch immer auf Kuraz gerichtet war. Kuraz druckste kurz herum. Sicher war richtig, was Emere sagte, aber andererseits wusste sie nicht, warum Jask ein Gefangener war und noch weniger wusste sie, ob es nicht vorteilhafter wäre, wenn alle hier bewaffnet waren, nur für den Fall, dass noch mehr Eurypteriden auftauchen sollten.<br />
„Meine Ausrüstung, auf dem Schiff.“ Jask deutete mit dem Kopf auf die Jenivere. „Ebenso wie der Schlüssel.“<br />
Er wirkte unglücklich und sein Blick zeigte wieder den Schmerz, den Kuraz zuvor schon bemerkt hatte.<br />
„Dann müssen wir an Bord und sie holen!“ Entschlossen wandte sie sich an Emere. „Du hast doch gesagt, dass wir zum Schiff gelangen können. Also gehen wir! Holen wir die Ausrüstung und den Schlüssel!“<br />
„Kuraz&#8230;“ fing Emere an, doch Manaal unterbrach sie.<br />
„Ich bin dabei. Vielleicht finden wir auch gleich noch etwas Nützliches wie Essen oder Werkzeug.“<br />
„Vielleicht finden wir auch heraus, wieso wir hier gelandet sind“, fügte Jualy mit schwacher Stimme hinzu.</p>
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		<title>78 Der Schlangenschädel (5)</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 19:24:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
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		<category><![CDATA[Abenteuerpfad]]></category>
		<category><![CDATA[Der Schlangenschädel]]></category>
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		<category><![CDATA[Ulisses]]></category>

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		<description><![CDATA[29. Rova 4708 Irgendwo im Arkadischen Ozean Ihre Finger gruben sich tief in den feuchten Sand. An ihren Mundwinkel, an ihren Lippen spürte sie die rauen Körner. Ihr war schlecht und sie fürchtete sich davor, sich zu bewegen. In ihrem Kopf herrschte ein schreckliches Durcheinander, das sich nicht zu einer vernünftigen Abfolge von Ereignissen zusammen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1905&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><strong>29. Rova 4708</strong><br />
<strong>Irgendwo im Arkadischen Ozean</strong></h2>
<p>Ihre Finger gruben sich tief in den feuchten Sand. An ihren Mundwinkel, an ihren Lippen spürte sie die rauen Körner. Ihr war schlecht und sie fürchtete sich davor, sich zu bewegen. In ihrem Kopf herrschte ein schreckliches Durcheinander, das sich nicht zu einer vernünftigen Abfolge von Ereignissen zusammen fügen ließ. Sie wusste nicht, wie sie das Schiff verlassen hatte, ob sie es verlassen hatte, was für Sand sie unter sich spürte und woher das Geräusch anbrandender Wellen kam. Sie traute sich nicht die Augen zu öffnen, denn in ihr manifestierte sich die Angst, dass sie allein war. Allein gestrandet oder ausgesetzt an einem Ort, den sie nicht kannte. Die letzten Wochen und Monate hatte sie nur darum ohne Heimweh überstanden, weil Emere, Manaal, Jualy und der erste Maat an ihrer Seite gewesen waren. Wenn sie nun allein war, würde sie das nie und nimmer überleben. Die heftige Unruhe, die Panik, die von ihr Besitz ergriff, führte dazu, dass sie sich erheben wollte, dass sie sich erheben musste, weil sie die Anspannung kaum mehr aushielt. Sie atmete tief durch und grub die Finger tiefer in den Sand unter ihr. Plötzlich spürte sie einen heftigen Schmerz in ihrer Wade. Sie vernahm ein seltsames Klappern, traute sich aber nicht, sich zu bewegen. Jemand war bei ihr und hatte sie so eben angestoßen. Aber mit was? Es fühlte sich an, als ob sie geschnitten worden sei und sie konnte den Blutstropfen fühlen, der ihren Knöchel hinunter rann und in den Sand tropfte. Erneutes Klackern. Krebse? Sie wandte vorsichtig den Kopf auf die andere Seite, auf jene Seite, auf der sie die Krebse vermutete, und öffnete schwerfällig ein Auge. Es war mit Sand verkrustet und sie brauchte eine Weile, bis sie wieder vernünftig sehen konnte. Danach aber wünschte sie sich, sie hätte nichts gesehen, denn was neben ihr stand und gerade getestet hatte, ob sie noch lebte, war kein gewöhnlicher Krebs. Das Ding war verglichen mit einem normalen Flußkrebs, von denen sie schon einige in ihrem Leben verzehrt hatte, riesig. Seine Scheren schwebten betroffen über ihren Beinen und am Ende seines Leibes ragte ein skorpionähnlicher Stachel auf. Sie musste schlucken und sie musste weg. Sie musste laufen und zwar so schnell sie nur irgendwie konnte. Aber wohin? Und würden die Krebse sie womöglich einholen?<br />
,Die glauben, ich sei ihr Frühstück. Was soll ich denn jetzt tun? Wo ist mein Schwert?‘<br />
Sie versuchte ihren Kopf noch ein Stück weiter anzuwinkeln, um einen Blick auf ihre Hüfte zu erhaschen, doch der Krebs bemerkte ihre Bewegung, hielt kurz inne und sah sie aus seinen kugelrunden, glasigen Augen an. Im nächsten Augenblick fuhr sein Stachel nach vorne und erst im letzten Moment gelang es ihr, sich wegzudrehen, so dass der Stachel sich in den Sand grub und nicht in das Fleisch ihres Rückens. Sie atmete stoßweise, weil ihr Herz viel zu schnell schlug. Sie bekam kaum Luft, was auch daran lag, dass sie noch Sand in Nase und Mund hatte und sie dagegen ankämpfen musste, dass die Körnchen in ihre Atemwege krochen. Sie hustete, was die zwei Krebse ausnutzten, um ihr hinterher zu krabbeln. Die beiden Kreaturen reichten ihr nicht einmal bis zur Hüfte, doch ihre Scheren und ihre Stachel waren so bedrohlich, dass Kuraz wusste, dass sie fliehen musste, weil sie unbewaffnet war und sie diese Tiere nicht einfach so verscheuchen konnte. Es würde nicht reichen, einfach mit dem Fuß aufzustampfen oder sie anzuschreien. Verzweifelt sah sie sich um und entdeckte einige Schritte von sich entfernt einen Haufen mit Kleidung, Rüstungsteilen und mit Waffen. Sogar ihr altes, rostiges Kurzschwert, das sie beim Abendessen getragen hatte, war darunter. Die Klinge schimmerte im aufgehenden Sonnenlicht. Sie lächelte, aber nur solange, bis der Stachel eines der Krebse zwischen ihren Füßen landete. Sie sprang einen Schritt zurück, doch sofort setzte ihr der Krebs hinterher. Sie musste an ihr Schwert kommen, wenn sie gegen die Krebse eine Chance haben wollte. Drei Schritte, vielleicht vier, dann konnte sie ihr Kurzschwert greifen. Doch der Sand unter ihren Füßen war gewöhnungsbedürftig. Sie sank ständig ein und jeder Schritt wurde doppelt so schwer wie ein Schritt auf erdigem oder steinigem Boden. Sie rutschte andauernd weg, aber schließlich schien ihr Schwert zum Greifen nahe. In diesem Moment jedoch spürte sie, wie der Stachel der Kreatur in das Fleisch ihres Oberschenkels glitt, die Haut durchstieß und eine Flüssigkeit in ihre Venen absonderte. Sie spürte, wie das Gift danach trachtete, ihr Herz zu erreichen. Sie spürte, wie ihre Finger taub wurden, doch sie konnte dem nicht nachgeben. Sie konnte nicht stehen bleiben, sie musste ihr Schwert erreichen und diese Kreatur töten, bevor sie sie tötete. Mit enormer Anstrengung, so dass sich Schweißperlen auf ihrer Stirn bildeten, griff Kuraz nach ihrem Schwert und schlug zwischen die Scheren des Tieres, um ihm den &#8211; wenn man es überhaupt als solchen bezeichnen konnte &#8211; Schädel zu spalten. Das Unterfangen gelang. Ihr spritzte eine blutartige Flüssigkeit entgegen, doch der Angriff, der alle Überwindung gekostet hatte, hatte die Wirkung des Giftes aus ihren Adern vertrieben. Sie ließ ihre Finger sich um das Heft des Schwertes winden und lächelte kurz, bis eine Schere gegen ihre Rippen prallte und sie auf den Haufen geschleudert wurde, der ihr letztlich gerade das Leben gerettet hatte. Bevor er mit seinem Stachel zustechen konnte, rollte sich Kuraz rücklings über den Haufen und landete direkt auf Manaal, die leise aufstöhnte und sie verwirrt ansah.<br />
„Es tut mir Leid, Kuraz, aber ich glaube, du bist einfach viel zu jung für mich.“ Manaal grinste, bis sie das Schwert in Kuraz‘ Hand erblickte und das Blut an ihrem Bein. „Was ist los? Warum ist deine Hose zerfetzt und warum blutet dein Bein? Was ist mit deinem Schwert?“<br />
„Krebse, fiese, fette, große Krebse!“ ächzte Kuraz, bevor eine Schere hart auf ihren Rücken prallte. Manaal zog sie an sich, um zu sehen, was hinter ihr aufgetaucht war, doch als sie den Stachel sah, der mit ungeheurer Schnelligkeit auf sie beide zu raste, rollte sie sich mit Kuraz zur Seite.<br />
„Das sind keine Krebse! Eurypteriden! Und zwar noch kleine!“ rief die Elfe, bevor sie Kuraz recht unsanft von sich stieß und auf die Beine sprang. „Lenk sie ab, ich hol meinen Bogen! Aber pass auf!“ Sie deutete auf zwei weitere Gestalten, die am Strand lagen und sich nicht bewegten. Wie hatte Manaal Emere und Jualy nur so schnell entdecken können? Oder war Kuraz nur viel zu langsam? Der Eurypterid stürzte sich mit einem lauten Zischen in den Kampf. Manaal sprang zur Seite und überließ Kuraz das Feld, die mit ihrem Schwert kaum gegen die schnellen Bewegungen des Eurypteriden-Stachels ankam. Sie war völlig ausser Atem und hatte noch nicht mal Zeit, zu sehen, ob Manaal nun endlich ihren verdammten Bogen gefunden hatte. Hatte sie den am Abend überhaupt bei sich gehabt? Ja, natürlich. Die Elfe ging nie ohne ihre Waffen irgendwohin. Der kleine Moment Unaufmerksamkeit machte sich schmerzhaft bemerkbar. Die scharfen Scheren schnitten in ihren Oberschenkel und durchtrennten damit den Rest ihres Hosenbeines. Kuraz fluchte und wollte mit ihrem Schwert nach dem Eurypteriden schlagen, doch da vernahm sie ein surrendes Geräusch. Die Kreatur stürzte vor ihre Füße und blieb liegen. Nur ihr Stachel hing noch eine Weile in der Luft, bis er schließlich in den Sand fiel. Kuraz atmete erleichtert auf, bis sie ein vertrautes Zischen hinter sich hörte.<br />
„Kuraz, weg da!“ schrie Manaal und legte einen weiteren Pfeil auf. Aber Kuraz konnte sich nicht bewegen. Einen kurzen Moment glaubte sie, das Gift würde nun doch wirken, doch sie hatte nur Angst vor dem, was hinter ihr lauerte. Sie war am Ende ihrer Kräfte und fürchtete, dass sie sich nicht einmal mehr würde ducken können, wenn Manaal den Pfeil, der auf der Sehne des Bogens lag, los ließ. Die Elfe fluchte in einer ihr unbekannten Sprache und ließ den Bogen fallen. Augenblicklich griff sie nach ihrem Langschwert, stürzte von dem Haufen hinunter und kam mit erhobenem Schwertarm auf sie zu. Kuraz bewunderte den Mut der Elfe.<br />
,Sie muss schon in vielen Schlachten gekämpft haben. Sicher hat sie bereits mehr Kreaturen getötet, als ich je zu Gesicht bekommen werde.‘ Wieder zerfraßen sie Zweifel, ob es richtig gewesen war, an Bord des Schiffes zu gehen, aber ihr blieb keine Zeit darüber nachzudenken, denn Manaal stieß sie zur Seite und holte mit dem Schwert aus, das auf eine der Scheren prallte. Ein Stück brach aus der Schere, doch das schien der Eurypterid gar nicht zu bemerken. Die zweite Schere streifte Manaals Hand und hinterließ einen schmerzhaften Schnitt. Kuraz lag im Sand. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Ihr ganzer Körper war erfüllt von Adrenalin, aber Schmerz und Müdigkeit hinderten sie daran, Manaal zu helfen. Doch die Elfe war dazu in der Lage, sich selbst zu helfen. Sie holte mit dem Schwert aus und schlug die Schere vom Leib des Eurypteriden, der vor Schmerz aufschrie. Der zweite Hieb, der sich in das aufgerissene Maul der Kreatur schob, tötete sie. Manaal zog ihr Schwert zurück, schüttelte kurz ihre leicht verletzte Hand und sah zu Kuraz. Anders als das Mädchen erwartet hatte, war die Elfe keineswegs enttäuscht oder wütend auf sie.<br />
„Tut mir Leid“, war dennoch alles, was sie hervor brachte. Manaal schüttelte lächelnd den Kopf.<br />
„Du hast dich wirklich gut geschlagen. Aber dein Schwert taugt nicht sonderlich viel. Trotzdem wirst du es brauchen. So wie die Sache aussieht, sind wir wohl gestrandet, oder was meinst du?“<br />
Sie nahm ihr Schwert in die verletzte Hand und reichte ihr die gesunde. Kuraz ergriff sie und ließ sich auf die Beine ziehen, was Manaal mit erstaunlicher Leichtigkeit erging. Als Kuraz wieder stand und sich ihre Aufregung legte, begann sie sich ein wenig besser zu fühlen.<br />
„Sehe ich genauso. Ich frage mich nur, wie wir es an Land geschafft haben und was mit den Sachen hier ist.“<br />
„Für mich sieht das so aus, dass uns jemand oder etwas gerettet hat. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Eurypteriden unsere Sachen so sorgfältig auf einen Haufen gelegt haben.“<br />
„Nein, denke ich auch nicht. Die legen nicht viel Wert auf die Sachen anderer.“ Kuraz betrachtete ihr zur Hälfte entblößtes Bein und das Blut, das daran herunter floss. Manaal folgte ihrem Blick.<br />
„Wir sollten das verbinden. Hol dein abgetrenntes Hosenbein und dann folg mir. Ich werde Emere und Jualy wecken.“<br />
Manaal lief los, ohne auf sie zu warten. Kuraz suchte nach dem Streifen ihrer Hose, ergriff ihn und folgte ihr, wobei sie sich umsah, ob sie irgendwo noch mehr dieser Eurypteriden entdecken konnte. Doch da war keiner mehr, zumindest gerade eben nicht. Gut möglich, dass die Dinger sich irgendwo versteckten und nur auf den richtigen Zeitpunkt warteten, wieder hervor zu kommen. Manaal war inzwischen bei ihren beiden Gefährtinnen angekommen. Es war die Tian, die sie zuerst weckte. Kuraz grinste kurz. Natürlich. Manaal wollte sich so kurz nach dem Kampf sicher nicht mit den Sprüchen der Taldani abgeben, zumindest nicht solange nicht Jualy in der Nähe war, um sie davon abzuhalten, Emere gleich ebenso aufzuspießen wie die Eurypteriden.</p>
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		<title>Die animalische Menschlichkeit</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Mar 2011 12:58:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nigel wohnt in einem Pub, einem richtigen Pub. Früher wurde dieser von seinen Eltern betrieben, doch dann machten die Fabriken in der Nähe zu und der Pub verlor an Kundschaft. Als sein Vater starb, war Nigel noch eine Zeitlang mit seiner Mutter allein, doch nun wohnt nur noch er in dem Pub. Er arbeitet beim [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1902&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nigel wohnt in einem Pub, einem richtigen Pub. Früher wurde dieser von seinen Eltern betrieben, doch dann machten die Fabriken in der Nähe zu und der Pub verlor an Kundschaft. Als sein Vater starb, war Nigel noch eine Zeitlang mit seiner Mutter allein, doch nun wohnt nur noch er in dem Pub. Er arbeitet beim Arbeitsamt und geht dort geflissentlich seiner Arbeit nach, auch wenn sie für ihn manchmal nicht so einfach ist. Außerdem gibt es auf Arbeit noch Cheryl und Karen und Cheryl hat es ihm wirklich angetan. Allerdings fehlt ihm das nötige Selbstvertrauen sie anzusprechen. Da sieht er sich lieber seine Serien im Fernsehen an oder liest seine Comics. Außerdem muss er sich um seine Haustiere kümmern, die er im alten Keller in ihren Käfigen hält. Mittlerweile sind es vier, doch eines von ihnen ist ziemlich aufsässig. Er hat es erst vor kurzem dazu geholt und es hat noch nicht gelernt, Respekt vor ihm zu haben, wie die anderen. Dagegen muss er dringend etwas unternehmen, denn das Rote beginnt alle anderen mit seiner Unartigkeit anzustecken und das kann er wirklich nicht gebrauchen. Sie haben ihm zu gehorchen, denn er gibt ihnen zu essen und zu trinken und behandelt sie gut. Am liebsten möchte er ihnen manchmal weh tun, aber es täte ihm zu Leid. Deshalb beschließt er, sie zu dressieren. Außerdem ist ihm das Glück hold, denn Karen lädt sich und Cheryl am Feiertag zu ihm ein. Nur zu dumm, dass sie nicht alleine kommen, sondern Pete mitbringen, der angesichts des Pubs gerne etwas trinken möchte, doch es gibt nichts mehr, bis auf einen einzelnen Kasten Bier und dann gerät irgendwie alles außer Kontrolle&#8230;</p>
<p>Mit „Tiere“ wird die eher psychologisch zu betitelnde Reihe von Simon Beckett fortgesetzt. „Tiere“ ist, schreibchronologisch gesehen, der zweite Roman von Beckett und folgte auf das von der Mehrheit eher abgelehnte Erstlingswerk „Voyeur“. Auch wenn diese Reihe nicht an den Erfolg und die Qualität der Hunter-Romane heran reicht, sticht „Tiere“ wohltuend aus seinen Vorgängern hervor. Die Geschichte um den eigentlich liebenswerten, aber zurück gebliebenen Nigel weckt im Leser ein beständiges Gefühl, diesen Jungen einerseits gern zu haben und andererseits zu verachten. Die Nebencharaktere stehen dabei ständig unter dem Licht eines naiven Beobachters, der vorwiegend ihre Handlungen schildert, ohne sie in normaler (erwachsener) Art und Weise reflektieren zu können. Dadurch offenbart sich recht schnell, dass der Titel des Romanes sich keineswegs auf die im Keller hausenden Gefangenen beziehen, sondern auf Nigels Besucher. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass wir alle &#8211; wenn wir in bestimmte Situationen kommen &#8211; unsere animalische Seite, die wir oft vergessen glauben, offenbaren. Dabei ist es insbesondere das Rote, das sich ausnimmt. Nigel, der sie zuvor gefangen hat, weil er sie eben für ein Tier und für wertlos hielt, ist diejenige, die sich nicht von ihm brechen lässt, sondern weiterhin ihrer Vernunft und nicht ihren Instinkten folgt, auch wenn dies für sie Konsequenzen hat. Letztlich ist es auch sie, die für sich den einzigen, noch ersichtlichen Weg nutzt, obwohl dieser nicht das Überleben bedeuten muss.<br />
Die ganze Handlung über wartet man irgendwie auf einen Höhepunkt, vielleicht sogar auf einen besonders grausamen Moment, etwas Abstoßendes, doch bis auf wenige geschilderte Erinnerungen Nigels in Bezug auf seine ersten Tiere scheint es, als dümple die Geschichte immer auf demselben Niveau herum, bis am Ende schließlich die Handlung doch noch eine Steigerung erfährt, deren Ende aber nur noch gedacht werden kann. Der Begriff Thriller, Nervenkitzel, ist damit mal wieder fehl am Platze, aber das war bei den Vorgängern von Tiere auch nicht wesentlich anders. Psychogramm würde es wohl eher treffen.<br />
Nach „Obsession“ wollte ich einen weiten Bogen um diese Reihe von Becketts ersten Werken machen, bin aber froh, Tiere erworben zu haben, denn der Roman hat vieles für sich und kann in mancherlei Hinsicht interpretiert, hinterfragt und missverstanden werden. Solange man keinen spannenden Thriller erwartet und sich auf den Charakter eines nicht sonderlich hellen und sehr kindlichen Protagonisten einlassen kann, wird man von „Tiere“ nicht enttäuscht werden.</p>
<p>&#8222;Tiere&#8220; ist für 9,99 Euro bei rororo erhältlich.</p>
<p>Weitere Werke des Autors:</p>
<p><a href="http://schreibtagebuch.wordpress.com/2009/08/30/obsession/">Obsession</a></p>
<p>Flammenbrut</p>
<p>Voyeur</p>
<p><a href="http://schreibtagebuch.wordpress.com/2008/06/09/die-chemie-des-todes/">Die Chemie des Todes</a></p>
<p><a href="http://schreibtagebuch.wordpress.com/2009/02/09/kalte-asche/">Kalte Asche</a></p>
<p><a href="http://schreibtagebuch.wordpress.com/2009/08/15/leichenblasse/">Leichenblässe</a></p>
<p><a href="http://schreibtagebuch.wordpress.com/2011/01/23/the-calling-of-the-grave/">Verwesung</a></p>
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		<title>77 Der Schlangenschädel (4)</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 20:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leed M.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturallerlei]]></category>
		<category><![CDATA[Der Schlangenschädel]]></category>
		<category><![CDATA[James Jacobs]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Paizo]]></category>
		<category><![CDATA[Pathfinder]]></category>
		<category><![CDATA[Seelen für die Schmugglerinsel]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf See 28. Rova, Sterntag, Arkadischer Ozean Kuraz beobachtete die Dame, die sich sonst für gewöhnlich nicht mit im Speisesaal befand, sondern auf ihrem Zimmer speiste und sich auch die meiste Zeit der Überfahrt nicht blicken ließ. Es gab inzwischen diverse Gerüchte über die Dame, die Kuraz schon am ersten Tag als Gelehrte aus Varisia [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=schreibtagebuch.wordpress.com&amp;blog=2772233&amp;post=1898&amp;subd=schreibtagebuch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><strong>Auf See</strong><br />
<strong>28. Rova, Sterntag, Arkadischer Ozean</strong></h2>
<p>Kuraz beobachtete die Dame, die sich sonst für gewöhnlich nicht mit im Speisesaal befand, sondern auf ihrem Zimmer speiste und sich auch die meiste Zeit der Überfahrt nicht blicken ließ. Es gab inzwischen diverse Gerüchte über die Dame, die Kuraz schon am ersten Tag als Gelehrte aus Varisia aufgefallen war, doch sie glaubte nicht daran, ganz gleich wie abweisend sich Ieana benahm. Ihr Name &#8211; das war das Einzige, was die meisten auf dem Schiff von ihr wussten. Kuraz‘ Blick wanderte zu den anderen Passagieren des Schiffes. Während Manaal, Jualy und sogar Emere zu Vertrauten geworden waren, kannte sie die anderen nicht sonderlich gut. Sie wusste um ihre Namen und um ihre Eigenheiten, aber ihre Motive waren ihr bisher verborgen geblieben. Der Gnom mit Namen Gelik war an Bord geblieben und schien ebenfalls nach Sargava zu wollen. Er hatte erzählt, dass er Magnimar aus geschäftlichen Gründen hatte verlassen müssen, also nahm sie an, dass er in Sargava Handel treiben wollte. Emere vermutete, er sei ein Gauner und würde in Magnimar gesucht. Sie verachtete ihn für seine Art, als etwas erscheinen zu wollen, was er nicht war. Sie sah in ihm wohl auch nicht mehr als einen Bettler. Zumindest gegenüber Manaal und Jualy hatte sie einen Teil ihrer überheblichen Art abgelegt, auch wenn sie deren zurückhaltende Zurschaustellung ihres Vermögens noch immer nicht verstehen konnte. Kuraz selbst begann Emere zu mögen, nicht nur weil die Taldani ihre Überfahrt bezahlte, sondern weil sie ihr jeden Abend Geschichten von ihren langen Wanderungen erzählte. Zwar waren diese stets von ihrem Hochmut überschattet, aber das störte Kuraz überhaupt nicht.<br />
Kuraz lächelte, als Emere sie ansah und fragend eine Augenbraue anhob. Sie schüttelte nur den Kopf und sah zu dem dunkelhäutigen Mann, der in Corentyn an Bord gebracht worden war. Der Mann war ein Garundi und hieß Jask. Er war stets in Ketten gelegt, auch wenn Kapitän Alizandru ihn nicht so herablassend behandelte, wie der Mann, der Jask an Bord gebracht hatte. Weder Kuraz noch ihre drei Gefährtinnen wussten, weshalb er in Ketten lag, aber es war klar, dass ihn ein schlimmes Schicksal in Eleder erwarten würde. Ihr Aufenthalt in Corentyn war lang gewesen und Kuraz hatte die Gunst der Stunde genutzt, um einen weiteren langen Brief nach Magnimar zu senden. Emere hatte viel Geld für den Boten bezahlt und Kuraz hoffte, dass er es nicht einfach so ausgab und den Brief einfach wegwarf. Ansonsten würde sie ihn sich auf der Rückfahrt vornehmen, soviel stand fest. Allerdings war sie sich nicht sicher, ob es eine Rückfahrt geben würde. Denn die müsste wohl auch Emere bezahlen, aber diese hatte vor, sich das unzivilisierte Mwangi-Volk in Sargava genauer anzusehen. Bisher hatte Kuraz vom ersten Maat Alton nur Schauergeschichten von Sargava und den Ureinwohnern gehört. Sie hatte erfahren, dass die derzeitige Regierung wohl in ziemlicher Abhängigkeit zu den Freien Kapitänen der Fesseln, einer Piratenbande, stand und es immer wieder schreckliche Aufstände der versklavten Ureinwohner gab, die die chelischen Kolonisten umbrachten oder sich sogar gegen die eigenen, angepassten Stammesmitglieder stellten, weil sie es als Verrat ansahen, dass sie den Kolonisten halfen. Natürlich wusste sie nicht zu sagen, wie viel von all dem wirklich wahr war. Sargava erschien ihr noch immer verlockend, aber gleichzeitig fürchtete sich vor der Fremdartigkeit dieses Landes und seiner Ureinwohner.<br />
Nach ihrem beinahe eine Woche anhaltenden Aufenthalt in Corentyn erreichten sie schließlich die Mediogaltiinsel, wo sie im Hafen von Ilizmagorti anlegten. Kuraz war begeistert von der Insel, aber man hatte sie vor den Anhängern der Roten Mantis eindringlich gewarnt. Sie wusste aber bis zum jetzigen Zeitpunkt noch immer nicht, warum eigentlich und wer diese Anhänger überhaupt waren. Emere schien nicht an einem Gespräch über diese Organisation interessiert, Manaal wusste nichts darüber und Jualy trug den Mantel des Schweigens um ihre Schultern. Kuraz gab es schließlich auf und widmete sich stattdessen dem neuen Passagier, einer jungen, rothaarigen Frau, namens Tascha. Die beiden hatten in den letzten Tagen oft gemeinsam den Sonnenuntergang betrachtet, aber Kuraz hatte sich nie getraut, sie anzusprechen und sie zu fragen, ob sie denn auch zur Roten Mantis gehöre. Außerdem war ihr aufgefallen, dass Tasche der linke, kleine Finger fehlte. Bestimmt hatte auch sie wilde Geschichten zu erzählen, doch obwohl die junge Frau seit dem Verlassen der Insel zunehmend bessere Laune hatte, zeigte sie sich nicht sonderlich gesprächig. Auch jetzt saß Tascha an ihrem Platz und sprach nur ein paar Worte mit Gelik, wobei ihr Blick immer wieder kurz zu Kuraz hinüber huschte. Sie zwinkerte und Kuraz sah sofort weg, während sie spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde.<br />
„Sieh mal, ich glaube, Aerys macht schon wieder Ärger!“ Emere hatte sie in die Seite gestoßen und deutete auf die dunkelhaarige Halb-Elfe, die in Port Fährnis an Bord gekommen war. Aerys hatte sich sofort mit einem der Seemänner angelegt und war danach jedem an Bord Beschäftigten skeptisch gegenüber aufgetreten. Zudem redete sie zwar nicht übermäßig viel, aber wenn, dann ging es meist um ernste Themen wie aufziehende Stürme, die chelische Regierung oder mögliche Gefahren durch Piraten. Besonders Manaal schien mit ihr nur wenig anfangen zu können, zumal Aerys dem Bier an Bord oftmals dermaßen zugeneigt war, dass Alton oder ein anderer der Männer sie in ihre Kabine bringen musste, weil sie es alleine nicht mehr schaffte. In Kuraz‘ Augen versuchte sie nur ihren aufgestauten Ärger weg zu trinken, aber Manaal meinte, es sei die menschliche Mentalität in ihren Adern, die sie zur Sucht verleitete. Diesen Kommentar hatte Kuraz überhört, wie so viele Sticheleien wie Emere, Manaal oder Alton. Sie wusste ja, dass sie in ihren Augen nur ein abenteuerlustiges und ziemlich dummes Menschenkind war. Es machte ihr nichts mehr aus, besonders da man sich dennoch aufrichtig um sie kümmerte. Sie blickte zu Jualy hinüber, die jedoch wie jeden Abend den letzten Zuwachs unter den Passagieren beobachtete. Er war unzweifelhaft ein Tian wie sie, doch er legte wesentlich weniger Wert auf seine Körperpflege. Er war in Blutbucht an Bord gekommen und Manaal hatte ihr mitgeteilt, dass er wohl nicht mehr war als ein Söldner. Tatsächlich schien der Mann kämpferisch recht begabt zu sein, doch er war alt, seine Haare waren schon beinahe völlig ergraut und die Augenlider hingen schwer. Manchmal glaubte sie, er würde schlafen, doch dann brummte er wieder mürrisch, weil ihm irgendetwas nicht gefiel. Kuraz mochte ihn dennoch irgendwie. Nur in Emeres Augen war er selbstverständlich nicht mehr als ein erbärmlicher Straßenköter.<br />
„Hast du gehört? Wir werden bald da sein. Ich habe vernommen, wie Alton mit dem Kapitän über unser Eintreffen in Eleder gesprochen hat. Es kann sich nur noch um wenige Tage handeln.“<br />
Diese Aussicht ließ Kuraz ein wenig in sich zusammen sacken, denn ihr fehlte noch die richtige Perspektive, was sie nun anfangen oder ob sie nicht lieber sofort wieder mit dem Kapitän nach Magnimar zurück fahren sollte.<br />
„Ich dachte, ich miete uns eine schöne Unterkunft in Eleder und dann erkunden wir die verschiedenen Stämme des Mwangi. Es müssen Unzählige sein, einige sollen ziemlich gefährlich sein. Ich bin sehr gespannt.“<br />
Kuraz konnte nicht glauben, was sie da hörte. Die Mwangi-Stämme interessierten sie dabei in diesem Moment am allerwenigsten. Emere würde für sie beide eine Unterkunft mieten, das hieß, sie würde wohl eine Weile in Sargava bleiben, aber nicht alleine schon mit der Taldani.<br />
„Ich auch“, antwortete Kuraz daraufhin und sah sich nach dem Essen um. Ihr gesunder Appetit war augenblicklich zurückgekehrt und so freute sie sich auf die verdünnte Suppe des Kochs. Nach dem ersten Festmahl hatte es tatsächlich, außer bei Landbesuchen, kaum mehr gegeben als Brühe oder mit Wasser verdünnten Brei. Dabei schnappte sie vom Nebentisch ein paar Brocken eines Gesprächs zwischen zwei Seemännern auf.<br />
„Ich weiß nicht, wir sind doch nicht richtig, oder? Sind wir überhaupt noch auf Kurs?“<br />
„Nein, irgendwie ist der Kapitän plötzlich der Meinung, dies sei der bessere Weg. Ich glaube, da stimmt was nicht.“<br />
Noch bevor Kuraz sich an die beiden wenden konnte, wurde ihr ihr Abendbrot auf den Tisch gestellt und die Gespräche am Nachbartisch wurden durch das Auslöffeln augenblicklich übertönt. Seltsam. Hatte Emere nicht erst ein Gespräch zwischen Alton und dem Kapitän belauscht, demnach sie bald Eleder erreichen würden? Was ging hier vor sich? Aufmerksam beobachtete sie weiterhin die Anwesenden. Ieana aß mal wieder nichts, sondern hatte ihre Nase in einem Buch verborgen. Ihr gegenüber schaufelte Gelik hungrig den Brei in sich hinein, während Aerys zwischen zwei Löffeln Platz für Wein fand und Tascha ihr dabei leicht angewidert zusah. Ischiro, der mit Jask an einem Tisch Platz genommen hatte, sah beinahe stoisch in den Brei. Der Garundi dagegen warf nervöse Blicke in die Runde.<br />
„Ich habe das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist.“<br />
„Was sollte denn nicht stimmen, meine Kleine?“ fragte Emere und auch Jualys und Manaals Augen richteten sich auf sie. „Wir sind bald in Eleder, du bist sicher aufgeregt deshalb, was?“<br />
„Nein, ich, ich meine“, Kuraz schüttelte den Kopf. Das Schiff begann plötzlich heftiger zu schwanken oder war sie es, die schwankte? Sie wollte aufstehen, verlor aber den Halt und stürzte zu Boden. Sie vernahm noch am Rande, wie Emere nach ihr rief, aber es nicht fertig brachte, aufzustehen. Sie sah, wie Ischiros und Jasks Köpfe auf die Tischplatten fiel. Danach gab es nichts mehr außer einer undurchdringlichen Dunkelheit.</p>
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