Laerges

Laerges

Laerges


Name: Laerges
Geschlecht: Weiblich
Alter: Unbekannt
Herkunft: Mulhorand
Rasse: Tiefling
Klasse: Mönch 6/ Waldläufer 5
Größe: 1,69 m
Gewicht: 52 kg
Haarfarbe: weißbläulich schimmernd
Augenfarbe: dunkelbraun
Sprachen: Handelssprache, Elfisch, Handelssprache der Unterreiche, Mulhorandi, Diabolisch
Gottheit: Azuth
Erfahrungspunkte: 66000/78000
Kampagne: ?

Klassenfertigkeiten:
Rüstungsbonus
Schlaghagel
Waffenloser Schlag
Verbesserter Waffenloser Schlag als Bonustalent (1.Stufe)
Verbesserter Ringkampf (1.Stufe Bonustalent)
Kampfreflexe (2.Stufe Bonustalent)
Verbessertes „Zu Fall bringen“ (6.Stufe Bonustalent)
Entrinnen
Schnelle Bewegung +6m
Ruhiger Geist (+2 auf RW gegen Zauber und Efekte aus der Schule Verzauberung)
Ki-Schlag (waffenlose Angriffe zählen in Bezug auf Schadensreduzierung als magische Waffen)
Sturz abbremsen 9 m
Reinheit des Körpers – immun gegen alle Krankheiten mit Ausnahme von magischen oder übernatürlichen

Erzfeind (Ork +4, Drow +2 auf Bluffen, Entdecken, Lauschen, Motiv erkennen, Überlebenskunst und Schaden)
Spuren lesen (Bonustalent)
Tierempathie
Kampfstil (Kampf mit zwei Waffen – Kampf mit zwei Waffen als Bonustalent)
Ausdauer (Bonustalent)
Tiergefährte Eule
Zauber (10+4+Zaubergrad) – 1 Zauber des 1.Grades

Rassenfertigkeiten:
Geschicklichkeit +2, Intelligenz +2, Charisma -2
Resistenz 5 gegen Elektrizität, Kälte und Säure
Dunkelheit (1 mal pro Tag)
Volksnous +2 auf Bluffen und Verstecken
Dunkelsicht 18 m

Attribute:
Stärke 14 (2)
Geschicklichkeit 14+2=16 (3)
Konstitution 14 (2)
Intelligenz 14+2=16 (3)
Weisheit 16 (erhöht) -> 18 (4)
Charisma 12-2=10 (0)

Rettungswürfe:
Reflex: 4 (Waldläufer) + 5 (Mönch) + 3(GE)= 12
Wille: 1 (Waldläufer) + 5 (Mönch) + 4(WE)= 10
Zähigkeit: 4 (Waldläufer) + 5 (Mönch) + 2(KO)= 11

Kampfeigenschaften:
Initiative: +3
Bewegungsrate: 15 m
Grund-Angriffsbonus: +9/ +4

TP: 60 (gewürfelt) + 22 (KO)= 82
Rüstungsklasse: 10+4(WE)+1(RB)+1(Zweithand/Schild)+4 (Ablenkung)+3 (GE)=23 (Normal), 20 (Auf dem falschen Fuß), 22 (Berührung)

Zauberresistenz: -
Schadensreduzierung: 5 bei Kälte, Elektrizität und Säure

Angriff:

Schlaghagel: +3/+3 – Beim Einsatz des Kampfstabes muss zwischendurch ein waffenloser Schlag erfolgen

Waffenloser Schlag: +14 (+9+2+3(Amulett))/ +9, 1d8+5, x2, Wucht

Kampfstab (Mrb): +13 (+9+2(ST)+1(Mrb)+1(WF))/ +8, 1d6+2, x2, 4 Pf., Wucht
Kampf mit zwei Waffen (Doppelwaffe): +11/+6 (beide Enden), 1d6+2/1d6+2

Fertigkeiten:

4+3=7×4=28 (1.Stufe)
4+3=7×5=35 (Mönch)
6+3=9×5=45 (Waldläufer) = 108 Fertigkeitspunkte

Klassenfertigkeiten

Klassenkombination
10 Entdecken (WE, 6+4)
8 Klettern (ST, 6+2)
6 Konzentration (KO, 4+2)
10 Lauschen (WE, 6+4)
11 Leise bewegen (GE, 8+3)
4 Schwimmen (ST, 2+2)
6 Springen (ST, 4+2)
8 Verstecken (GE, 5+3)

Waldläufer
11 Heilkunde (WE, 7+4)
8 Mit Tieren umgehen (CH, 7+1)
5 Seil benutzen (GE, 2+3)
12 Suchen (IN, 9+3)
12 Überlebenskunst (WE, 8+4)
Wissen
6 Geographie (IN, 3+3)
6 Gewölbekunde (IN, 3+3)
6 Natur (IN, 3+3)

Mönch
8 Balancieren (GE, 5+3)
8 Motiv erkennen (WE, 4+4)
11 Turnen (GE, 8+3)
Wissen
5 Arkanes (IN, 2+3)
6 Religion (IN, 3+3)

Talente:
1.Stufe: Ausweichen (+1 RK auf einen ausgewählten Gegner)
3.Stufe: Beweglichkeit (+4 auf Gelegenheitsangriffe)
6.Stufe: Verteidigung mit zwei Waffen
9.Stufe: Waffenfokus (Kampfstab)
Bonustalente:
1.Stufe – Verbesserter Waffenloser Schlag
1.Stufe – Verbesserter Ringkampf (+4 auf Ringkampfwürfe)
1.Stufe – Spuren lesen
2.Stufe – Kampfreflexe (Erhöhung der Gelegenheitsangriffe auf 4, pro Gegner nur einen Angriff)
2.Stufe – Kampf mit zwei Waffen (bei Doppelwaffe -2/-2)
3.Stufe – Ausdauer
6.Stufe – Verbessertes „Zu Fall bringen“ (+4 Stärkewurf bei Versuch, zu Fall zu bringen, außerdem keine Provokation von Gelegenheitsangriffen)

Ausrüstung:

Rüstung: -
Schild: -
Waffe: Kampfstab

normale Gegenstände:
Mönchskleidung (5 GM, 2 Pfd.)
4 Einheiten Verpflegung (2 GM, 4 Pf.)
Kletterhaken (1 SM, ½ Pfund)
Zelt (10 GM, 20 Pf.)

magische Gegenstände:
Amulett der mächtigen Fäuste +3 (54000 GM, +3 auf Angriff und Schaden bei waffenlosem Schlag)
Schutzring +4 (32000 GM, +4 Ablenkungsbonus auf RK)
Gebetsrolle der Treue (1000 GM, Erkennen Böses, Gutes, Chaotisches, Rechtschaffenes)
Trickbeutel (Grau, 900 GM, Tier als Diener für 10 Minuten)
Öl Springen (50 GM)

Gold: 32 GM, 9 SM

Tiergefährte Eule (Polox)
Sehr kleines Tier
TW: 1d8 (8 TP)
Initiative: +3
Bewegungsrate: 3m, Fliegen 12 m
Rüstungsklasse: 17 (+2 Größe, +3 GE, +2 natürlich), Berührung 15, auf dem falschen Fuß 14
GAB/RAB: +0/-11
Angriff: Krallen, Nahkampf +5 (1d4-3)
Voller Angriff: Krallen, Nahkampf +5 (1w4-3)
Angriffsfläche/Reichweite: 75 cm/ 0
Besondere Eigenschaften: Dämmersicht
Rettungswürfe: REF 5, WIL 2, ZÄH 2
Attribute: ST 4, GE 17, KO 10, IN 2, WE 14, CH 4
Fertigkeiten: Entdecken 8 (+16 in diffusem Licht), Lauschen +16, Leise bewegen +17
Talente: Wachsamkeit, Waffenfinesse

Zauber: Tierbote

Aussehen und Charakter:
Laerges befindet sich noch in einer Entwicklung. Sie kam mit Auswüchsen am Kopf und am Rücken zur Welt. Ihre Augen sind tiefschwarz, doch in ihnen lodern die Feuer der Neun Höllen von Baator. Ihre Haare hält sie kurz. Sie säumen die winzigen, spitzen Hörner, die jedoch größer zu werden scheinen. Die Schwellungen auf ihrem Rücken brechen auf, als sie auf Yiku trifft. Ihre Flügel zunächst noch klein werden weiter wachsen. Sie ähnelt dahingehend mehr ihrem Vater als ihrer menschlichen Mutter und nimmt ungewöhnlich viele Merkmale ihres teuflischen Schöpfers an. Damit hebt sie sich von anderen Tieflingen ab und gleichzeitig macht sie dies noch weitaus stärker als andere. Laerges ist zerfressen von Schuld und dem Gedanken Buße zu tun für das, was sie in ihrer Kindheit getan hat. Sie geht freiwillig den Weg der Einsamkeit, um niemanden zu gefährden und erscheint zuweilen dadurch auch selbstmitleidig. Dennoch bemüht sie sich für jene da zu sein, die ihre Hilfe benötigen. Doch in ihrem Inneren kämpft sie noch immer den Kampf mit ihren boshaften und kaltblütigen Wurzeln.

Hintergrund:
Seine Flügel waren fest um ihren Körper geschlungen, während er die Vereinigung vollzog. Regungslos verharrte sie in seinen Armen. Er wusste, dass sie Angst hatte und dass Angst der einzige Grund dafür war, warum sie diese Vereinigung zu ließ. Das Lächeln auf seinem Gesicht entblößte gewaltige Hauer, die dazu in der Lage waren, ein Geschöpf mit nur einem Biss zu zerteilen. Sein ganzer Körper brannte, aber die Wärme einer menschlichen Frau war nichts im Vergleich dazu. Bald würde er in die vierte Hölle von Baator zurück kehren, doch bis dahin wollte er sich noch ein wenig vergnügen. Nur etwas Freude haben daran, auch einmal andere Kreaturen zu quälen, als diese unterbelichteten Geschöpfe, die er als Verwandte betrachten musste. Doch er regierte sie alle. Er war ihr Herr und Meister und darum durfte er sich auch auf der Oberwelt, fernab der Höllen, nehmen, was ihm seiner Meinung nach zu stand. Schließlich entfaltete er seine Flügel und ließ die Frau los. Sie stand aufrecht, nackt und zitternd vor ihm. Sie glaubte, er würde sie töten, aber diesen Gefallen hatte er bisher wenigen seiner Gefährtinnen für Minuten gewährt. Bevor sie ein Wort sagen, um Gnade betteln konnte, zog er sich zurück. Lange Zeit würde er nun nicht auf diese Existenzebene zurück kehren, doch der Geschmack ihrer Haut würde ihm bis zum nächsten Mal Wonne versprechen. Sie aber blieb zurück. Lange nachdem er verschwunden war, stand sie da und wartete, weil sie glaubte, er werde zurück kehren und ihr auch noch ihr Leben nehmen. Doch es vergingen Stunden und sie blieb allein in der finsteren Nacht, ohne die züngelnden Flammen, die sie zumindest davor bewahrt hatten, zu erfrieren. Ihr ganzer Körper brannte und der Schwefelgeruch wollte nicht aus ihrer Nase weichen. Nur sehr langsam setzte sie einen Fuß vor den Anderen und im frühen Morgengrauen erreichte sie das Dorf, in dem sie zuhause war. Die Dorfbewohner waren alle in heller Aufregung, die ganze Nacht hatte man nach ihr gesucht. Weinend stand sie vor ihm. Wie sollte sie ihm klar machen, was geschehen war? Ihm, dem sie versprochen war und den sie liebte. Es dauerte Tage, bis sie endlich sprechen konnte, erzählen konnte, was geschehen war. Er gab ihr daran keine Schuld, er liebte sie wie zuvor und als sie bemerkte, dass sie schwanger war, freuten sie sich Beide ungemein, bis die Angst in ihnen aufkam, dass das Kind von der Bösartigkeit des Teufels besessen sein könnte. Die Monate verstrichen, das Kind begann sich zu bewegen und obwohl die Befürchtungen blieben, so liebten die Beiden das Ungeborene doch schon zu diesem Zeitpunkt über alles. Die Geburt verlief ohne weitere Komplikationen. Es war tief in der Nacht, als das Kind Torils Luft zum ersten Mal atmete. Die Wehmutter sah das Geschöpf angewidert an, denn wo sonst ein sanfter Flaum auf dem Schädel des Neugeborenen wuchs, hatte dieses Kind zwei seltsame Auswüchse, umringt von weißen, leicht bläulich schimmernden Haaren. Die Augen waren nichts als schwarze Abgründe, in denen Flammen loderten. Die Haut des Kindes war schorfig, als sei es von einer Kruste abgekühlter Lava umgeben. Auch auf dem Rücken waren deutlich kleine Auswüchse spürbar. Ängstlich überreichte sie es dem Vater, der das Kind entsetzt betrachtete. Mehr noch, als er erwartet hatte, glich dieses Kind dem Teufel, der seiner Frau das Unbeschreibliche angetan hatte. Doch dann sah das Kind ihn an. Es streckte seine Händchen dem ersten Gesicht entgegen, das es richtig wahrnahm. Er begann zu weinen, wie es jeder Vater tat. Dann legte er es an den Körper seiner Frau, die das Wesen schon immer geliebt hatte. Sie nannten das kleine Mädchen Laerges. Laerges wurde mit Misstrauen in die Gemeinschaft aufgenommen, doch alsbald gewann das Mädchen Freunde und Befürworter. Nach vielen Jahren gelang es ihr mit viel Mühe, akzeptiert zu werden. Doch sie wuchs langsamer als andere Kinder, lernte dafür umso schneller. Außerdem beherrschte sie bald Fähigkeiten, die ihren Altersgenossen und auch Erwachsenen Angst machten. Zwar versuchte sie diese Fähigkeiten zu unterdrücken, aber das gelang ihr nicht immer. Es war ein Kampf. Ein Kampf im Inneren und mit dem Äußeren. Als sie acht Jahre alt wurde, beschlossen ihre Eltern, dass es besser für das Kind wäre, wenn sie es fort brachten. An einen Ort, wo es besser aufgenommen und kompromisslos akzeptiert werden würde. Laerges war damit nicht einverstanden. Sie wollte nicht fort. Sie wollte bei ihren Eltern, ihren Freunden bleiben, denn davon gab es durchaus noch ein paar Wenige im Dorf. Aber auch sie hielten es für besser, das Mädchen aus dem Dorf zu bringen und zwar zu ihrem eigenen Schutz. Laerges‘ innerer Zwiespalt zerriss sie in einer einzigen Explosion. Hass, der tief in ihrer Seele verborgen war, Kaltblütigkeit, Bosheit wallten auf und brachten sie dazu, die Hälfte jener, die sie erzogen hatten, dahin zu raffen. Obwohl ein Kind war ihre Stärke gewaltig, ihre Beine so flink, ihre Hände so schnell, dass manche den Tod nicht einmal nahen sahen. Hätte ihr Vater dieses Spektakel gesehen, er wäre wohl stolz auf sie gewesen. Doch jene, die überlebten, verfolgten das Kind, das nach seiner Raserei begriff, was es getan hatte. Aus Angst und Verzweiflung stürzte es davon und irrte Monate lang durch die Wälder. Wälder voller Gefahren und abscheulicher Kreaturen. Durch Angst und Traurigkeit getrieben, explodierten die Kräfte in ihr immer und immer wieder und je öfter es geschah, umso weniger schien sie die Kontrolle darüber zu haben. Manches Mal vergingen mehrere Tage in diesem Rausch aus Hass und Verachtung, so dass sie am Ende nicht wusste, was geschehen war. Sie sehnte sich nach ihren Eltern, sie bereute ihre furchtbare Tat im Dorf, aber wen interessierte das? Als sie sich das erste Mal im Wasserspiegel sah, schrak sie zurück, weil sie erkannte, warum man sie stets gefürchtet hatte. Sie war eine Kreatur, die nicht einmal annähernd die Schönheit eines menschlichen Wesens besaß. Ja, da waren Züge, ihre Gestalt glich der eines Menschen, aber an ihr war alles falsch geraten. Die Auswüchse an ihrem Kopf waren zu winzigen, spitzen Hörnern heran gewachsen, ihre Zähne ragten über ihre Unterlippe hinaus, ihre Augen zeigten keinerlei menschliche Regung. Die Schwellungen auf ihrem Rücken schmerzten, als wolle etwas durch die Haut brechen. Viele Male ließ sie sich schreiend und weinend zu Boden fallen und wollte sich der grausamen Wildnis preis geben. Sie war allein, sie war ohne ihre Eltern, die sie geliebt hatten. Schließlich kam ihr der Gedanke an den Ort, an den ihre Eltern sie hatten bringen wollen. Am Rande des Landes, das Mulhorand hieß, gab es ein Kloster, hatten sie erzählt. Ein Kloster des Gottes Azuth, das Laerges aufnehmen würde. Weil sie nicht wusste, wohin sie gehen sollte, lief sie eines Tages einfach los. Ein Jahr lang durchstreifte sie das Land, sich immer wieder vor anderen Kreaturen verbergend. Keiner Menschenseele wollte sie in die Quere kommen, aus Angst um sich, aber vor allem um das andere Geschöpf. Doch auf der Reise lernte sie, ihre Kräfte wieder mehr zu beherrschen. Die Wanderung stärkte sie, auch wenn Hunger und Schmerzen sie heimsuchten. Aber vielleicht waren es auch jene Entbehrungen, die sie zu dem machten, was sie schließlich am Ende ihrer Reise war. Als sie vor die Tore des Klosters trat, wurde ihr Eintritt gewährt. Ihr Äußeres beachtete niemand. Es war den Mönchen und Nonnen gleich. Doch das Leben im Kloster war fast genauso hart wie ihr Leben in der Wildnis. Sie unterwarf sich den Regeln des Klosters, doch es kam immer wieder zu kleinen Ausbrüchen ihrerselbst, bis sie Ophial begegnete. Ophial, deren Beine die Luft zerschnitten, deren Fäuste sich bewegten, als gäbe es keinen Widerstand, deren Worte klar und kurz waren. Sie verstand es, sich zu konzentrieren, während sie in einem Schwarm von Bienen deren Honig stahl. Sie fluchte nicht, sie verlor nie die Beherrschung und doch war in ihr eine tiefe Wärme verborgen, die Laerges bewunderte. Ophial aber wies sie ab. Sie beachtete die mittlerweile älter gewordene Laerges gar nicht, deren Gemüt noch immer nicht das Kindesalter überschritten hatte. Wie alt sie war, wie viele Jahre vergangen waren, wusste sie nicht und es interessierte sie nicht. Es gab keine Zeitrechnung, es gab nur Reue und Buße und Arbeit und Kampf. Ophial aber verriet ihr allein mit ihrer Existenz, dass es mehr geben musste. Laerges bemühte sich fortan zu lernen. Sie beherrschte ihre Kräfte nicht ausreichend, sie konnte sich nicht konzentrieren, wenn die Bosheit in ihr aufstieg, und je mehr sie sich dazu zwang, umso weniger wollte es ihr gelingen. Ophial blieb lange im Kloster, doch ihre Kräfte begannen zu welken, die Menschen um Laerges wurden älter, während sie kaum das Kindesalter vollendete. Irgendwann waren alle Menschen, die sie aufgenommen hatten, verstorben. Nur Ophial war noch von den Ersten übrig. Nach einem Wutausbruch, als Laerges schwer atmend auf der Mauer des Klosters stand und der untergehenden Sonne zu sah, sich in dem Licht wärmte, trat Ophial zu ihr. „Du willst zu viel. Du begnügst dich nicht, mit dem, was du hast. Du kämpfst gegen den Hass an, anstatt ihn aufzunehmen, ihn zu spüren und gleiten zu lassen. Dein einziges Begehr ist es, ihn zu verbannen, weil du Angst davor hast. Aber Hass und Bosheit sind Bestandteile von uns allen. Du kannst sie nicht auslöschen, du kannst sie nur lenken.“ Dies waren die einzigen Sätze, die Ophial je mit Laerges sprach, doch sie waren wegweisend für den jungen Tiefling. Jedes Mal von diesem Moment an, wenn der Hass in ihr aufstieg, setzte sie sich auf den Boden, legte die Hände ineinander und wartete, bis das Gefühl sie gänzlich überwältigt hatte. Die ersten Male gelang es ihr kaum, sitzen zu bleiben und den Schmerz zu erdulden, der mit dem Hass und den Erinnerungen kam, doch mit jedem Jahr, das sie im Kloster verbrachte, wuchs die Kontrolle, die sie über das Gefühl gewann. In jenen Jahren begann sie auch, sich mehr mit dem Glauben zu beschäftigen, der im Kloster herrschte. Sie erfüllte ihre Aufgaben mit Hingabe, lernte viel über die Religion, die arkanen Weisheiten, aber auch über die Natur, die das Kloster umgab. Bald schon verstand sie sich darauf, Spuren von wilden Tieren zu verfolgen. Sie kämpfte gegen zahlreiche Orkhorden, die das Kloster angriffen. Dabei entdeckte sie den Kampfstab als ideales Mittel der Selbstverteidigung. Sie war keineswegs perfekt darin, den Stab zu schwingen. Viele Male traf sie sich selbst, doch ihre Haut, die einen leichten Schimmer von Rot angenommen hatte, erholte sich schnell und der äußere Schmerz half ihr, auch den inneren zu bewältigen. Stundenlange Übungen machten aus ihrem Körper ein Gebilde aus Sehnen und Muskeln, aus Kraft. Gleichzeitig wuchs der Verstand in ihr enorm schnell an. Sie bildete sich in vielen Gebieten aus. Sie las, sie verinnerlichte. Jahre vergingen. Ihre Erinnerungen verschmolzen mit ihr, Einsamkeit nahm sie gefangen und gleichzeitig war es gewollte Einsamkeit, denn obwohl sie den Hass kontrollieren konnte, obwohl die Boshaftigkeit ihrem Körper entwichen schien, so war sie sich über die Opfer bewusst, die der lange Weg ihrer Selbstfindung gekostet hatte. Tief atmend, ihren täglichen Konzentrationsübungen folgend, stand sie eines Abends auf der Mauer und ließ die Hitze in sich aufwallen. Die Schwellungen auf ihrem Rücken brannten, doch das Gefühl war mittlerweile ein Teil von ihr geworden.
„Laerges?“ Eine vertraute, jugendliche Stimme riss sie aus ihrer Meditation und einen Moment spürte sie den unbändigen Willen, das Geschöpf dem Erdboden gleich zu machen, doch schnell war dieses Gefühl vorbei und Wärme erfüllte sie, als sie in das Gesicht des Jungen blickte. Er war kaum zwölf Jahre alt, noch ein Wicht, nicht ein Muskel erstreckte sich sichtbar über seine Arme und doch war er bemüht, es den Mönchen und Nonnen, über die sie mittlerweile die Aufsicht hatte, alles recht zu machen. Alles, was ihm fehlte, war ein gesunder Trotz, doch sie kannte seine Geschichte. Erzogen zum Sklaven hatte er nie etwas anderes gelernt, als zu gehorchen.
„Was ist denn, Lov? Du weißt doch sicher, dass man mich während meiner abendlichen Meditation nicht stören sollte, oder? Ich erinnere mich, dir eine Geschichte über jenen erzählt zu haben, der das als Letztes gewagt hat.“
„Verzeiht bitte, ich hätte Euch auch niemals gestört, doch es sind zwei Besucher gekommen.“
„Zwei Besucher? Können sie sich nicht gedulden, bis ich fertig bin?“
„Ich fürchte, dass einer der Besucher diese Zeit nicht wird aufbringen können. Er ist schwer verwundet und liegt im Sterben. Er hat ein kleines Kind bei sich. Ein Mädchen von etwa vier Jahren.“
Laerges war überrascht. Oft kamen Eltern mit ihren Kindern her, um die Jungen und Mädchen in die Obhut der Nonnen und Mönche zu geben, doch sie nahmen erst ältere Kinder in ihre Gemeinschaft auf, insofern sie nicht vor den Toren des Klosters abgelegt wurden. Vier Jahre war viel zu verfrüht für ein Kind.
„Gut, komm, Lov, lass uns mal sehen, was geschehen ist. Ach und hast du meine Anweisungen befolgt?“
„Nein, das habe ich nicht.“
Sie sah ihn streng an. Einen Moment verzog er aus Angst das Gesicht, doch dann klopfte sie ihm auf den Rücken und lachte. Leichter Qualm stieg aus ihrem Mund auf, so dass sie ihn sofort wieder schloss.
„Gut gemacht, du hast also eine Lektion erfolgreich gelernt.“
„Ja. Trotz, wenn es angemessen ist.“
„Richtig. Nun geh bitte und begib dich zu Bett. Morgen stehen dir erste Prüfungen bevor. Ich werde mich um die beiden Besucher kümmern.“
Mit keinem Wort erwähnte sie den nahen Tod des Mannes. Sie wollte den Jungen nicht unnötig in Besorgnis versetzen. Als Lov gegangen war, betrat sie den winzigen Raum, der Besuchern vorbehalten war. Er war wie alle Räume des Klosters sehr karg ausgestattet. Der Boden war mit einem zerschlissenen Teppich bedeckt. Zwei Betten aus altem Stroh, ein Schreibtisch, dessen Tischplatte zerkratzt war, und ein Schrank, der für Reisemäntel und Schuhe Platz bot. Ihr eigenes Zimmer hatte nur ein Holzbrett mit einer Decke als Bett, einen Schreibtisch und einen Stuhl zu bieten, über den sie die Mönchskutte breitete, wenn sie schlafen ging. Bis auf einige Stücke, die von Leiter zu Leiter des Klosters übergingen, war ihr nichts eigen. In dem Zimmer wurde es warm, als sie eintrat. Ein Mädchen saß auf dem Tisch, es war tatsächlich kaum älter als vier Jahre. Auf dem Bett lag ein alter Mann. In seinem Bauch klaffte ein Loch und es war kaum vorstellbar, wie er es schaffte, seine letzten Lebensgeister zu sammeln. Eine Nonne war über ihn gebeugt und tupfte ihm den Schweiß von der Stirn.
„Bitte verlass uns jetzt“, forderte Laerges sie auf. Die Nonne folgte, schüttelte aber im Gehen den Kopf, um zu sagen, dass der alte Mann dem Tode geweiht war. Das Mädchen betrachtete Laerges stumm. Ihre Erscheinung schien dem Kind ungewöhnlicherweise nichts auszumachen. Alle Neulinge betrachteten die Leiterin des Klosters zuerst mit Angst und Argwohn.
„Nor…Norden.“ Der alte Mann kämpfte mit den Worten. „Norden…Immereska…Kind…“
„Ganz ruhig. Erklärt Euch, was ist geschehen?“
„Das Kind…muss nach Immereska. Beschützt…es….Sie werden es…umbringen…“
„Wer will das Kind töten, mein Freund?“
„Sie kommen…Sie haben uns verfolgt…Sie sind bestimmt da….vor den Toren…“
In einem letzten Schrecknis bäumte sich der Körper des Mannes auf und fiel zurück in das Stroh, bevor die Lebensgeister schieden. Laerges beugte sich über ihn und schloss seine Augen. Sie drehte sich um und betrachtete das Mädchen, das sie anlächelte. Sie sah wie ein ganz normales menschliches Kind aus. Immereska war, so Laerges richtig lag, die Hochburg der Sonnenelfen, was hätte es dort verloren? Es war kein Elf. Die Ohren waren gleichmäßig abgerundet, die Wangen waren in einem satten rosigen Ton, die Haare hellbraun und etwas zerzaust. Nichts an dem Kind war besonders. Da flog die Tür zum Besucherraum auf und Lov stand keuchend da, die Hände auf die Knie gestützt, pures Entsetzen im Angesicht.
„Laerges, Laerges, da sind welche vor den Toren. Ganz komische Gestalten.“
„Komische Gestalten, was meinst du damit, Lov?“
„Sie tragen Kutten wie die Unseren. Doch sie sind schwarz und es ist, als loderte Feuer auf ihnen. Ihre Gesichter sind nicht zu erkennen, doch an ihren Schwertern klebt Blut. Sie verlangen das Kind.“
„Dann sollen sie sich das Kind holen.“
Laerges nahm das Mädchen auf den Arm und schob Lov zur Seite. Sie trat auf die Mauer, das Mädchen im Arm. Lov glaubte, sie werde es den Angreifern einfach hinunter werfen.
„Was wollt ihr?“ brüllte der Tiefling hinunter und zwei Kuttenträger hoben die Köpfe. Die Kapuzen ihrer Roben rutschten in ihren Nacken und gaben tätowierte Glatzköpfe frei. Sie sahen aus wie Menschen, bis auf die zugenähten Augenlider und Münder. Dennoch vermochten sie es, laut und deutlich zu sprechen.
„Wir wollen nur das Kind. Wir gehen nicht ohne das Mädchen.“
„So? Ich fürchte, das müsst ihr. Man hat mich gerade damit beauftragt, auf das Mädchen Acht zu geben und ich sehe nicht ein, warum ich diesen Auftrag nicht erfüllen sollte. Warum wollt ihr das Kind?“
„Gebt es uns und wir ziehen ab. Wir wollen nur das Mädchen.“
„Ihr wiederholt Euch, mein Herr, doch ich werde Euch das Mädchen nicht geben.“
Die Gesichter der Männer senkten sich wieder, sie hoben die Kapuzen wieder über ihre Köpfe. Ohne ein Zeichen begannen alle sechs Verfolger gleichzeitig einen Schwur auszusprechen, bis die Tore des Klosters zerbarsten. Laerges verzog das Gesicht. Diese Männer machten eine Menge Arbeit. Sie übergab das Mädchen Lov und ging hinunter, um die Männer zu empfangen. Diese drangen wie die Winde der See in das Kloster ein und rafften die Mönche und Nonnen nieder. Laerges stand da und wartete. Sie ließ den Hass und die Bosheit in sich aufkeimen und lenkte sie in die Muskeln ihrer Arme und Beine, bevor sie los rannte, sprang und sich auf einen der Männer stürzte. Doch ein harter Schlag traf sie unvermittelt ins Gesicht. Sie war nicht vorsichtig genug gewesen. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass diese Männer stärker als sie sein könnten. Das waren die letzten Gedanken, die ihr kamen, bevor sie gegen die Klosterwand schlug und das Bewusstsein verlor. Als sie erwachte, war die Nacht vorüber und eine blasse, von Wolken verdeckte Sonne ging auf. Laerges setzte sich und hielt sich den schmerzenden Kopf. Eines ihrer Hörner hatte eine leichte Blessur davon getragen und Blut verklebte ihre Haare, doch ansonsten schien alles an ihrem Körper am rechten Fleck zu sitzen. Sie raffte sich auf und sah sich um. Die Mönche und Nonnen des Klosters waren tot. Sie sah einige der älteren Schüler zwischen ihnen, auch ihnen war kein besseres Schicksal vergönnt gewesen. Betrübt senkte Laerges den Blick und flehte Azuth an, sie zu sich zu nehmen. Die Erinnerungen an ihre eigenen Morde stiegen auf, doch das hatte jetzt keinen Vorrang. Sie eilte durch die Gänge des Klosters, hinauf zu der Mauer, wo sie Lov mit dem Mädchen zurück gelassen hatte. Lov lag auf der Brüstung. Sein Körper war zerschmettert worden, doch auf seinem Bauch lag das Mädchen. Es schlief friedlich an dem kalten Körper.
„Lov.“ Laerges trat näher und nahm die Hand des Jungen. „Es…“ Nein, keine Entschuldigungen für ihre Taten. Es gab keine Entschuldigungen. Für das, was man tat, musste man einstehen, die Konsequenzen daraus tragen. Sie hatte den Jungen in ihrer Überheblichkeit mit dem Mädchen allein gelassen. Als sie die Hand auf den Kopf des Mädchens legte, hob es selbigen und sah sie aus strahlenden, grünen Augen an.
„Guten Morgen.“ Sie fragte sich, wie das Kind seinen Verfolgern entkommen war, doch sie war sich sicher, dass Lov einen großen Anteil daran gehabt hatte. Sie nahm das Mädchen auf den Arm und entzündete noch im Morgengrauen ein Feuer, das bald das ganze Kloster gefangen nahm. Dies war kein reiner Ort mehr, an dem Kinder geschützt die Lehren des Azuth verinnerlichen und stärker werden konnten. Es war ein blutbefleckter Ort geworden. Als das Kloster brannte, begann sie ein Gebet an Azuth zu verfassen, das sie nur in Gedanken sprach, weil sie die Gräuel nicht vor dem Kind erwähnen wollte. Doch dann betete das Kind plötzlich mit ihr. Klar sprach es die Worte aus, die sie nur dachte. Ungläubig sah sie das Mädchen an.
„Wer bist du?“
„Yiku“, antwortete das Mädchen, das bisher nichts gesagt hatte, außer die gedachten Worte.
„Yiku“, wiederholte Laerges. In den Norden, nach Immereska. Immereska war weit weg von Mulhorand. Eine Reise würde mehrere Monate dauern und wäre äußerst gefährlich, vor allem in Anbetracht Laerges‘ Vermutungen, dass die Verfolger nicht einfach so aufgeben und sicher zurück kehren würden.
„Yiku, ich habe in all meiner Überheblichkeit die Leben derjenigen, denen ich Schutz versprochen habe, geopfert. Als Buße will ich dich nach Immereska bringen, auf dass wenigstens die Opfer nicht umsonst waren. Mein Name ist Laerges.“
„Flügel“ sprach das kleine Kind, als ein gewaltiger Schmerz Laerges zu Boden riss. Die Schwellungen auf ihrem Rücken brannten so heiß, als würden sie aufbrechen. Noch nie zuvor hatten sie so sehr geschmerzt. Plötzlich durchstießen zwei heiß glühende Speere die Haut ihres Rückens und sie fühlte, wie kleine Flügel daraus empor wuchsen. Sie brauchte eine Weile, bis der Schmerz nachließ, doch sie konnte spüren, wie die Wunden verheilten. Sie strich vorsichtig mit den Händen über die winzigen Flügel, die nun ihr eigen waren. Schließlich erhob sie sich und versuchte, die Flügel zu bewegen. Es gelang ihr, sie fest an ihren Rücken zu pressen, so dass sie unter der Kutte nicht mehr zu sehen waren.
„Was hast du getan?“ fragte sie Yiku, die sie lachend ansah. Nun verstand sie, was an dem Mädchen besonders war. Noch konnte sie die Gabe nicht begreifen, die dem Mädchen zuteil geworden war, doch sie war es wert, vierzig Menschen einfach so zu töten.
„Ich bringe dich nach Immereska. Nachdem, was heute Nacht geschehen ist, wird es vermutlich das Letzte sein, was ich tue, aber ich bringe dich nach Immereska.“
Yiku lachte, als Laerges sie auf den Arm nahm. Als Laerges den ersten Schritt tat, spürte sie, dass mit den Flügeln auch eine neue Kraft in ihr Innerstes geflossen war. Vielleicht die nächsten Merkmale ihres leiblichen Vaters, der in den Neun Höllen von Baator schmoren mochte.


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