Leichenblässe

Leichenblässe (Wunderlich)

Leichenblässe (Wunderlich)

Autor: Simon Beckett
Originaltitel: Whispers of the Dead
Übersetzer: Andree Hesse
Genre: Thriller
Verlag: Wunderlich
Erscheinungsjahr: 2008
Bindung: Hardcover
Seitenzahl: ca. 415 Seiten
ISBN-Nummer: 978-3-805-20866-6
Preis: 19.90 Euro
Klappentext: Ein Toter in einer Jagdhütte in den Smoky Mountains. Die Leiche ist bis zur Unkenntlichkeit zersetzt. Sein alter Mentor Tom Lieberman bittet David Hunter um Unterstützung. Die Hinweise, die die beiden Experten für forensische Anthropologie finden, sind widersprüchlich. Jemand will David in die Irre führen, jemand, der viel näher ist, als David glaubt…

Vorbemerkung: Leichenblässe ist der dritte David Hunter-Roman und spielt diesmal in Amerika, in Tennessee. Die Body Farm, die Beckett beschreibt, gibt es wirklich und war auch schon einmal Bestandteil einer CSI-Ermittlung.

Layout und Lektorat: Das Layout ist gewohnt einfach gehalten, schlicht in Schwarz und Weiß, und das passt einfach auch in die bisherigen Bände und zu dem Inhalt. Das Ganze ist schön dezent. Einziges Manko: Ich weiß wahrlich nicht, warum eine Rezension zu Kalte Asche auf dem Rücken abgedruckt war. Machte für mich eher weniger Sinn. Vom Korrektorat war ich diesmal aber wirklich begeistert. Mehr als zwei-drei kleine Fehler sind mir nicht aufgefallen. Da hat Wunderlich wirklich sehr gründlich gearbeitet.

Inhalt: Nur eine große Narbe erinnert noch daran, wie David von Grace Strachan an seiner eigenen Haustür niedergestochen wurde. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Jenny ist aus seinem Leben verschwunden und mit ihr zusammen anscheinend auch Davids Selbstvertrauen. So beschließt er die Body Farm in Tennessee aufzusuchen, wo er einmal studiert hat. Dort trifft er auf seinen alten Professor Tom, der alsbald zu einer Mordermittlung hinzu gezogen wird. David soll ihm bei der Ermittlung assistieren, doch der Engländer ist bei den amerikanischen Ermittlern nicht gern gesehen. In einer Waldhütte finden sie eine Leiche, die stark verwest ist und anscheinend speziell für die Ermittler eindrucksvoll präpariert wurde. Der Profiler Irving wird hinzugezogen, der öffentlich im Fernsehen über den Täter her zieht. David und Tom aber finden einige Ungereimtheiten bei dem Fall und alsbald stellt sich heraus, dass die Leiche nicht ist, wer sie zu sein scheint…

Bewertung: Man könnte meinen, dass Beckett nach zwei Büchern langsam die Ideen ausgehen und dass dieser Band – als mittlerweile zweite Fortsetzung von Chemie des Todes – nicht mehr viel zu bieten hat. Doch weit gefehlt. Beckett hat es wieder einmal geschafft, einen beeindruckenden Thriller zu schreiben, der wahrlich nichts für schwache Nerven ist. Denn wie immer beschreibt Beckett sehr ausführlich die medizinischen Aspekte der Taten, die Folgen von Gewalteinwirkung und wie sich die eine oder andere Made innerhalb eines toten Leibes entwickelt. Der Ekelfaktor ist dieses Mal noch größer als in Kalte Asche. Dabei wirken die Schilderungen aber nie übertrieben, sondern sachlich und im wahren Leben tatsächlich möglich. Einige Elemente aus Chemie des Todes und Kalte Asche bleiben stets gleich. Der mürrische Inspektor, eine helfende Hand und der sichere Glauben, dass man den Mörder schon kennt, bis man sich dann doch wieder fehlleiten lässt – und sich am Ende ärgert, weil man es am Anfang ja doch schon wusste, Beckett aber wieder auf den Leim gegangen ist. Trotzdem ist die Geschichte spannend bis zum Ende, ohne Längen, sehr flüssig geschrieben, alles, was man bisher von Becketts Hunter-Romanen gewöhnt ist. Logische Brüche gibt es trotz der verworrenen Geschichte keine. Atmosphärisch ist das Buch wieder hervorragend. David allein in der Leichenhalle mitten in der Nacht, einsam auf dem Parkplatz und die unerschlossenen Wälder der Umgebung, genug Orte, um sich zeitweise auch zu gruseln, wobei Beckett da subtiler arbeitet.
Hoch anrechnen muss man ihm, dass David trotz der drei Werke eine stete Charakterentwicklung durchmacht, die gut zu dem ruhigen Ermittler passt. Er ist kein todesmutiger Held, der sich mit Kanone oder auch bloßen Händen in jede Schlacht mit einem noch so brutalen Serienmörder begibt. Er bleibt stets in seiner Rolle als forensischer Anthropologe und überzeugt darin. Die restlichen Charaktere wirken dagegen meistens etwas stereotypisch, wie gesagt, der mürrische Ermittler ist eben irgendwie immer mit dabei und selbstverständlich hat er einen Partner – oder in diesem Fall eine Partnerin – dabei, der/die ihm entweder total ähnlich ist oder das ganze Gegenteil. Das führt dann durchaus auch mal zu witzigen Szenen. Humor fehlt in Becketts Werken ohnehin nie, auch wenn er meistens auf purem Sarkasmus beruht.
Leichenblässe reiht sich perfekt in die David-Hunter-Romane ein und ist ein spannender Krimi/Thriller, bei dem man bedenkenlos zugreifen kann – wobei man bei dem Preis auch gut und gerne auf das Taschenbuch warten darf. Das dann aber auch unbedingt anschaffen!

Fazit:
Idee – 4.0
Geschichte – 4.0
Charaktere – 3.8
Atmosphäre – 4.0
Spannung – 4.0
Sprache – 3.8
Endwertung: 3.9 von 5 Punkten.
Ein spannender Thriller mit kleinen Abstrichen in der C-Note, lesenswerte Fortsetzung von Die Chemie des Todes und Kalte Asche.


Eine Antwort zu „Leichenblässe“

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