
Autor: Simon Beckett
Originaltitel: Written in Bone
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 2007
Verlag: Rowohlt
Übersetzung: Andree Hesse
Preis: 9.95 Euro
ISBN: 978-3-499-24195-6
Klappentext: Asche ist alles, was von ihr übrig geblieben ist. Fast alles. Als der Rechtsmediziner David Hunter die Überreste der Frau in einem verfallenen Cottage auf der schottischen Insel Runa zum ersten Mal erblickt, weiß er sofort: Dieser Tod war kein Unfall. Er will seine Erkenntnisse dem Superintendent mitteilen, doch die Leitung bleibt tot. Ein Sturm hat die Insel von der Außenwelt abgeschnitten. Da geschieht ein weiterer Mord…
Vorbemerkung: Die kleine Insel Runa, von der im Roman die Rede ist, ist angeblich eine Insel der Äußeren Hebriden. Diese sind eine Ansammlung zahlreicher Inseln und Inselgruppen und bis (scheinbar) auf Runa sind alle im Roman genannten Orte real existent. Runa allerdings lässt sich auf der Karte nicht finden und es kann davon ausgegangen werden, dass es diese kleine Insel nicht gibt. Es gibt allerdings eine kleinere Insel in den Inneren Hebriden, die (South) Rona genannt wird. Vermutlich ist der Name davon abgeleitet.
„Kalte Asche“ ist außerdem der zweite Roman von Simon Beckett. Eine Rezension zu dem ersten Roman „Die Chemie des Todes“, der sich zahlreiche Wochen auf Platz 1 der Bestsellerlisten hielt, findet sich hier.
Mit „Leichenblässe“ ist bereits der dritte Teil der David Hunter-Geschichten als gebundene Ausgabe zu haben, die sicherlich auch noch ihre Rezension hier finden wird. Und wer von Beckett nicht genug haben kann, der darf sich noch auf zwei weitere neue Romane „Obsession“ und „Flammenbrut“ freuen, die aber bis dato noch nicht erschienen sind.
Layout und Lektorat: Das Taschenbuch ist in ein schlichtes Schwarz gekleidet, die Schrift und eine Umrandung sind weiß gehalten. Die Gestaltung bildet daher einen Kontrast zu dem erschienenen Erstlingswerk „Die Chemie des Todes“. Das Buch ist gut verarbeitet und zeigt auch nach einmaligem Lesen keine Mangelerscheinungen. Es ist auch bequem zu lesen, ohne dass man den Buchrücken knicken und damit hässliche Spuren hinterlassen muss.
Bis auf drei oder vier kleinere Orthografiefehler ist mir bei der Lektüre nichts unangenehm aufgefallen, was das Lektorat betrifft.
Inhalt (Spoiler): David sitzt gerade im Taxi zum Flughafen. Er möchte nach einer Ermittlung in den Grampians endlich nach London zurück, wo seine Freundin Jenny auf ihn wartet. Doch da erhält er einen Anruf von Superintendent Wallace, der ihn bittet, nach Stornoway in den Äußeren Hebriden zu fliegen und von dort aus mit der Fähre auf die kleine Insel Runa überzusetzen. Dort hat der ehemalige Polizist Andrew Brody eine schreckliche Entdeckung gemacht. Doch da es gerade ein Zugunglück gegeben hat und der Superintendent alle seine Männer dort braucht, kann er der Sache nicht nachgehen, zumal er davon ausgeht, dass es sich um einen Unfall handelt. Daher bittet er den Rechtsmediziner, sich die Sache anzusehen. David muss sich zwischen Jenny und seiner Arbeit erst einmal entscheiden. Er wählt die Arbeit und kommt so auf die Insel Runa. Dort ermitteln bereits der alkoholsüchtige Sergeant Fraser und sein jüngerer, aktivere Kollege Constable Duncan McKinney. Fraser glaubt, dass der ehemalige Polizist Brody sich nur wichtig tun will und gibt nichts auf den Fall. Aber die Leiche in dem alten, verlassenen Cottage gibt den vier Ermittlern Rätsel auf. Sie ist fast völlig verbrannt, ohne dass das Feuer auf andere Gegenstände im Cottage übergegriffen hätte. Doch zunächst geht David von einem Unfall einer etwas übergewichtigen Frau aus. Bis er die Schädelsplitter zusammen setzt und entdeckt, dass die Frau schon tot war, als sie zu brennen begonnen hat. Leider können die Ermittler die Leiche nicht bergen, solange die Spurensicherung nicht da war, doch Wallace kann noch immer niemanden schicken. Zu allem Überfluss mischt sich die neugierige Reporterin Maggie Cassidy in die Angelegenheit ein und eine Sturmfront nähert sich der Insel, die es unmöglich machen wird, mit dem Festland zu kommunizieren.
Als der Sturm zu schlimm wird, müssen David und seine Kollegen die Leiche bergen und sie im Gemeindezentrum von Runa unterbringen. Allerdings scheint in dem kleinen Städtchen vieles im Argen. Einige der Bewohner sind Alteingesessene, die sich dem Alkohol ein wenig zu sehr zugewandt haben. Wenige wie Ellen, die das Hotel auf Runa betreibt, sind freundlich gegenüber David und den Polizisten. Die Meisten aber vertrauen ihnen nicht und fühlen sich in ihrer Ruhe durch die Ermittlungen gestört. Tatkräftige Unterstützung erhalten die Vier nur durch den Wohltäter der Insel Michael Strachan und seine Frau Grace. Diese ermöglichen es ihnen auch, die Leichenreste in dem kleinen Krankenhaus neben dem Gemeindezentrum unterzubringen, obwohl der Lehrer und Krankenpfleger Bruce Cameron etwas dagegen zu haben scheint. Kurz darauf bricht jedoch ein Brand aus, der die Klinik zerstört und David fast das Leben kostet. Doch das ist nicht der einzige Brand in dieser Nacht. Constable Duncan stirbt bei der Bewachung des alten Cottage in seinem Wohnwagen. Nun ist klar, dass die Ermittlungen den Mörder aufgeschreckt haben müssen. Die übrig gebliebenen drei Ermittler müssen nun dringend den Superintendent auf dem Festland alarmieren, doch der Sturm hat alle Funkgeräte lahm gelegt. Auf ihrem Weg zu Strachan, der als Einziger ein digitales Funkgerät besitzt, kommt jener ihnen schon entgegen, denn seine Frau Grace ist verschwunden. Sie finden sie auf der Jacht, auf der jemand schon vorsorglich das Funkgerät zerstört und Grace niedergeschlagen hat. Glücklicherweise scheint der Frau nicht allzu viel passiert zu sein. Doch der Überfall bringt auch gleich die Reporterin Maggie wieder auf den Plan. Am Abend müssen David und seine Kollegen den Einwohnern Runas die Wahrheit erzählen: Jemand von ihnen ist der Mörder. Diese Erkenntnis stößt bei den Meisten auf puren Widerwillen und Gemurre. Keiner will so richtig daran glauben. Aber noch in derselben Nacht stirbt Maggie Cassidy in den Flammen einer angezündeten Werft. Langsam beginnt sich für David das Puzzle zusammen zu setzen. Aber erst als die Drei das Tonband von Maggie finden, wird offenbar, wer der Mörder ist.
Bewertung: „Kalte Asche“ folgt demselben Prinzip von „Die Chemie des Todes“ und ist dem Vorgänger in vielen Bereichen sogar ähnlich, obwohl eine andere Geschichte erzählt wird.
Die neue Geschichte ist gut aufgebaut, wenn auch bei der Auflösung teilweise Ungereimtheiten entstehen. Vielleicht auch darum, weil die Geschichte zum Ende hin sehr verwirrend wird.
Atmosphärisch ist das Buch aber sehr dicht. Ich würde es nicht als gruselig bezeichnen, aber es baut eine ähnliche Stimmung auf wie in „Die Chemie des Todes“. Die Nerven sind angespannt und man rätselt gerne mit, wer denn der Mörder sei, wobei man auch hier schnell eine Vorahnung hat, die sich denn auch bestätigt. Trotzdem versteht sich Beckett darauf, immer mal wieder in die falsche Richtung zu lenken. Und mal ehrlich, wem würde nicht anders werden, wenn er sich vorstellt, dass er in einer Klinik Leichenteile zusammen puzzelt, auf einer einsamen Insel, auf der ein Mörder sein Unwesen treibt, der Strom versagt und irgendwie wird man das ungute Gefühl nicht los, dass man beobachtet wird…
Die Charakterzeichnung ist ausreichend, um ein Bild der Menschen auf Runa zu bekommen. David wird konsequent als nicht allzu heldenhafter, aber entschlossener Ermittler gezeigt, wie einige Leser ihn aus dem Vorgänger kennen. Damit trägt die Hauptfigur auch zu einem guten Teil zur Atmosphäre bei. Aber auch die Figuren der anderen Polizisten sind – wenn auch teilweise recht stereotypisch – über das gesamte Buch hindurch schlüssig dargestellt. Es gibt keine Schwarz-Weiß-Malerei in den Werken von Beckett, was auch gleichzeitig die Findung des Mörders erschwert.
Obwohl ich das Buch nicht als sehr besonders hervorheben würde, was ich auch schon bei dem Vorgänger nicht getan hätte, kommt man einfach nicht davon los. Der Schreibstil ist so flüssig, dass man ohne Probleme weiter liest. Es gibt keine Längen in dem immerhin etwa 430 Seiten langen Werk. Die Hauptfigur und der Leser werden von einer Situation in die Nächste geworfen. Das macht nicht nur die Spannung, sondern auch die „Action“ in dem Buch aus. Was vielleicht fehlt, ist noch etwas mehr Gänsehaut. Etwas mehr Prickeln im Nacken, so dass sich die Armhärchen aufstellen.
Dennoch überzeugt mich „Kalte Asche“ als guter Thriller für zwischendurch, der sich von den neuerdings so angesagten „Verfolgungsjagden“ und „Mystery-Thrillern“ á la Dan Brown wunderbar abhebt und seine Fangemeinschaft finden dürfte.
Fazit: Ein überaus flüssiger Schreibstil, eine solide Geschichte ohne Längen und viele Verwirrungen, gute Charakterzeichnungen und eine dichte Atmosphäre zeichnen auch den zweiten David Hunter-Roman aus. Von mir gibt es daher 4 von 5 Punkten.
7. März 2009 um 22:07
Der Bestsellerautor Simon Beckett kommt nach Deutschland, um seinen neuesten Thriller Leichenblässe zu präsentieren.
18. März 2009 um 20:00 Uhr: Köln – im Rahmen der lit.COLOGNE, Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, Severingstr. 241
19. März 2009 um 20:15 Uhr: Düsseldorf – Mayersche Buchhandlung auf der Königsallee 18
20. März 2009 um 18:00 Uhr: München – im Rahmen des Krimifestivals, Institut für Rechtsmedizin, Neuer Sektionssaal der Rechtsmedizin, Nußbaumstr. 26
13. März 2011 um 12:59
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