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Da war schon stets die Frage in mir, welchem Beruf diese Frau wohl nachgehen würde. Immerhin kam sie jeden Tag in das Geschäft und kaufte jeden Tag ein bis zwei Bücher. Das hieß, sie musste einen Beruf haben, der nicht viel Zeit in Anspruch nahm, dafür aber reichlich Geld abwarf. Herrje, was hätte ich dafür gegeben, so einen Beruf ausführen zu können? Stattdessen stand ich Tag für Tag für einen Hungerlohn hinter dem Tresen und verkaufte ihr die Bücher. So hatte ich mir mein Leben als Buchhändlerin wahrlich nicht vorgestellt. Nein, ich war der festen Überzeugung gewesen, dass ich nach der Ausbildung zwei oder drei Jahre als Angestellte arbeiten und schließlich mein eigenes Geschäft eröffnen würde. Natürlich mit dem Geld, das ich als Angestellte verdiente. Wer hätte denn ahnen können, dass ich nach meiner Ausbildung eiskalt raus geworfen werde, weil der Chef seine Frau einstellen will, die nach dem dritten Kind nun doch noch den Wunsch hegte, zu arbeiten? Und wie hätte ich voraussehen können, dass ich in einem kleinen, abgeschiedenen Laden am nördlichen Ende der Stadt in einer verlassenen Gegend landen würde? In einem Laden, in dem ich für vierhundert Euro im Monat zehn Stunden am Tag stand, Unmengen neuerer und älterer Bücher in völlig voll gestopfte und bedrohlich wirkende Regale pferchte und meine Chefin vertrat, weil diese andauernd auf der Suche nach noch mehr altem Ramsch war.

Anfangs hatte ich geglaubt, sie sei verrückt, doch es hatte sich herausgestellt, dass ich verrückt war. Immerhin tat ich mir das hier an. Mehr als einmal war ich kurz davor gewesen, hinzuwerfen und mir eine andere Stelle zu suchen. Doch dies hier war in gewisser Weise auch mein Traum. Dies hier war das, was ich unter einem Buchladen verstand. Es roch nach altem und neuem Papier, das sich teilweise zwischen dicken Kartons wellte und langsam vergilbte. Die Luft war trocken – vermutlich der sichere Tod für meine Lunge – und die Regalböden bogen sich unter der schweren Last ihrer Bewohner. Einer meiner Mundwinkel zog sich regelmäßig nach oben, wenn ich die Regale betrachtete und meinen Blick durch den Laden schweifen ließ. Ja, in gewisser Weise war das hier mein Traum. Wenn mir dies wieder bewusst wurde, so gab ich meine Vorsätze, meine Chefin im Stich zu lassen, auf.

Besonders schön waren die Tage, an denen es regte und der Himmel verhangen war. Wolken zogen in großer Geschwindigkeit über mich und meinen – ja, meinen – kleinen Laden hinweg, der Wind war so gewaltig, dass das alte Messingschild, was auf meinen Laden aufmerksam machte, hin und her schwang und dabei vor Freude quietschte. An so einem Tag in einem kalten und durchweg verregneten November stand ich am Schaufenster und war leise begeistert von dem Quietschen, vom Wind, den Wolken und dem stillen Regen. Ich war glücklich, selbst mit nur vierhundert Euro im Monat. An diesem Morgen war es, als wäre dies für immer mein Schicksal und dieses Schicksal ließ mich zufrieden seufzen.

„Sag mal, bezahl ich dich etwa für das Rumstehen? Würdest du bitte die Kisten hinten auspacken und einräumen?“

Ich sah mich um und seufzte noch einmal. Nun ja, es war eben doch nicht allein mein Laden. Elli hatte da wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden. Ich sah noch einmal kurz auf das alte Messingschild und ging dann nach hinten, wobei ich versuchte, ein Regal ausfindig zu machen, in dem noch Platz für die neuen Bücher war. Alle sollten sie ein gutes, neues Zuhause finden und eines Tages verkauft werden. Andere unserer älteren Exemplare, die nun schon das gesamte Jahr, in dem ich hier arbeitete, da standen, waren mir ans Herz gewachsen. Oftmals, wenn es nichts zu tun gab – und von diesen Gelegenheiten gab es viele – bekam ich den Auftrag, sie abzustauben, damit sie nicht noch schneller vergilbten und sich kleine Bücherwürmer einnisteten. Wer glaubt, es gäbe solche Tiere nicht, der täuscht sich. Allerdings sind es viel eher die Larven von allseits unter Menschen lebenden Käfern, die sich an den wertvollen Seiten zu schaffen machen und da hilft es nur, gründlich zu putzen. Zumindest sagt Elli das. Ich schlenderte ins Lager, wo sorgfältig gestapelte Kartons in aller Ruhe verweilten. Vier rote Plastikkisten waren randvoll mit Büchern gefüllt. Wo sollte ich die nur wieder hinbauen?

„Du, ich muss mal zur Bank. Ich bin bald wieder da.“

Elli schnappte sich ihre Schlüssel und war auf und davon, bevor ich eine Antwort geben konnte. Aber eine Antwort war in den meisten Fällen ohnehin überflüssig. Ich überlegte, ob ich nicht die Zeit nutzen sollte, um umzuräumen und Platz zu schaffen, doch die Klingel, die auch zu unserem Laden gehörte und das Gefühl der Zufriedenheit erneut zurückrief, ließ ihr hohes, aber leises Geräusch vernehmen. Ich schleppte eine der roten Kisten nach vorne und zu meiner Überraschung stand sie wieder da. Sie hatte erst gestern zwei Bücher mit über tausend Seiten gekauft. Ein historischer Roman, der von einer Witwe im fünfzehnten Jahrhundert berichtete und eine alte Enzyklopädie, die Elli anfangs auf hundert Euro geschätzt und dann doch für nur zwanzig Euro heraus gegeben hatte. Ich stellte die Kiste ab und ging zum Tresen, während die Frau wieder einmal durch den Laden streifte. Ab und an fuhr ihre Hand über ein Buch, aber selten nahm sie es heraus, um sich den Klappentext anzusehen. Wenn sie ein Buch auswählte, so schien es stets aufgrund des Titels zu sein. Mehr brauchte sie anscheinend nicht zu lesen. Dieses Mal wählte sie einen neueren Roman über eine verbotene Liebe zwischen zwei Geschwistern und zwei dünnere Ausgaben einer Sammlung von historischen Zeitungen.

„Wäre dann noch etwas?“

„Nein.“

„Gut, dann würde ich genau dreißig Euro von Ihnen bekommen.“

Sie reichte mir schweigend zwei Scheine, die ich in die Kasse legte. Ich half ihr die Bücher in eine Tasche zu stecken, die sie bei sich trug und erneut kam die Frage in mir auf, was diese Frau tat und weshalb sie jeden Tag unseren Laden betrat. Sie kam zu unterschiedlichen Zeiten, aber sie kam jeden Tag. Anfangs hatten wir angenommen, sie wolle uns ausspionieren, um uns auszurauben oder sie würde etwas stehlen. Doch wir hatten sie aufmerksam beobachtet, sie hatte nichts mit sich genommen und nach spätestens einem Monat hätte sie unseren Tagesablauf kennen müssen, hätte sie ernsthaft vorgehabt, uns zu überfallen. Doch sie kam nun schon ein Jahr lang. Sie sagte kaum ein Wort. Nur die üblichen Begrüßungsfloskeln und ein Danke schön, wenn ich ihr beim Einpacken half.

„Viel Spaß beim Lesen.“

„Danke schön.“

Sie verließ das Geschäft, aber ich wusste, sie würde am nächsten Tag wieder hier sein. Es war zu einer schönen Gewohnheit geworden und obwohl es am Anfang befremdlich gewirkt hatte, so hätte es mich sicher in Aufregung und Sorge versetzt, wenn sie nun nicht mehr gekommen wäre. Sie gehörte wie die Bücher und wir einfach zum Laden dazu. Und ich darf wohl behaupten, dass sie unsere einzige Stammkundin war. Der Rest unserer Kunden kam selten zweimal wieder, was ich auf die Unordnung und die schlechte Lage des Geschäftes zurückführte. Mehr als einmal hatte ich Elli dazu bewegen wollen, wenigstens ein System in die Regale zu bringen, doch dagegen hatte sie sich verweigert. Es wäre auch wirklich schade gewesen, denn wir hätten einige Bücher sicher aus dem Sortiment nehmen oder ihnen einen unwürdigen Platz zu weisen müssen. Allerdings waren diese Bücher hier, um gekauft zu werden und nicht, um gut zu stehen. Ich sah der Frau eine Weile hinterher, bis sie im Regen untergegangen zu sein schien, bevor ich mich wieder an die Arbeit machte und eine rote Plastikkiste nach der Anderen auspackte.

Gegen Mittag kam Elli zurück. Ich bemerkte sie zuerst nicht, weil ich darüber nachdachte, dass sich eine alte Ausgabe von Darwins Evolutionstheorie neben einem neuen Werk von Engis P. Thenk sicher nicht so gut machen würde. Ich schob eine Abhandlung über die Verbindung von Biologie und Religion dazwischen und erhob mich. Ja, so konnte man das getrost stehen lassen. Als ich mich umsah, wurde ich auf Elli aufmerksam. Sie hatte sich schwer auf den Verkaufstresen gestützt. Die Arme, als wolle sie sich von dem harten Stück Holz weg drücken, den Kopf dazwischen eingeklemmt, das Gesicht zu Boden gerichtet.

„Ist irgendwas passiert?“

Ich blieb an Ort und Stelle. Wir waren uns persönlich nie nahe gekommen, in dem ganzen Jahr waren wir nichts weiter als Arbeitnehmerin und Arbeitgeberin geblieben und ich empfand dieses Verhältnis als sehr angenehm. Ich hatte jedoch das leise Gefühl, dass sie ein aufmunterndes Wort gebrauchen könnte.

„Hast du die Kisten schon alle ausgepackt?“

„Ja, natürlich. Sind schon fertig. Der Postbote hat schon wieder alle mitgenommen.“

Der Postbote holte unsere Kisten regelmäßig ab. Nur die Kartons blieben hinten im Lager, an Ort und Stelle. Ich wagte es noch immer nicht, einen Schritt auf sie zuzugehen. Ich hatte Angst, sie würde entweder auf mich springen oder vor mir zusammen brechen, wenn ich mich näher heran wagte. Angesichts ihres sonstigen Temperaments war es schockierend, sie so zu sehen. Sie war sonst die Ruhe in Person, die sich durch keine Schwierigkeiten beeindrucken ließ. Aber sie konnte auch wütend werden und einen eiskalten Sarkasmus an den Tag legen. Diese Elli, die nun schwer gegen den Tresen gelehnt da stand, war eine andere Seite, die ich bisher nicht kennen gelernt hatte.

„Ich muss den Laden schließen.“

Ich stand da und betrachtete sie, während die Worte sich nur mühselig in meinen Hirnwindungen voran kämpften, um schließlich eine Erkenntnis hervor zu bringen. Die Erkenntnis, dass ich bald arbeitslos sein würde. Aber wie konnte das geschehen? Elli hatte nie etwas von Schulden gesagt und sie hatte mir bisher immer pünktlich mein Gehalt gezahlt. Wie hätte sie das tun sollen, wenn nichts an Geld da gewesen wäre?

„Wieso das denn? Hast du etwa Schulden?“

„Nein. Noch nicht. Vor ein paar Monaten bin ich das erste Mal knapp vor dem Minus gewesen. Ich habe einen Kreditantrag bei der Bank gestellt und ihn bekommen. Damit ging es eine Weile. Ich hatte gehofft, ein paar ältere Ausgaben eines unvollständigen Grimmschen Wörterbuchs, eigentlich nur Auszüge erster Versuche, verkaufen zu können. Du weißt sicher, wie wertvoll so etwas ist. Aber ich habe keinen Käufer finden können, der mir eine vernünftige Summe geboten hätte. Jetzt ist der Kredit erschöpft und die Bank gibt mir keinen Neuen, noch gewährt sie mir Zahlungsaufschub. Ich muss zu machen. Den Kredit abstottern und einen Laden betreiben, der nichts abwirft, das schaffe ich nicht. Noch dazu kann ich dich nicht mehr bezahlen.“

„Aber warum hast du mir das denn nicht gesagt? Ich hätte dir doch helfen können.“

„Wie denn? Du hast selbst kein Geld und du kannst dem Laden nicht aus der Misere helfen, verstehst du?“

Ich wollte widersprechen, sah jedoch ein, dass es kaum einen Sinn machte, denn in gewisser Weise hatte sie Recht. Ich hatte kein Geld und zaubern konnte ich wohl auch nicht. Aber wenn wir umgezogen wären, in eine bessere, belebtere Gegend und wenn wir den Laden erneuert hätten, geordnet. Das hätte sicher etwas geholfen. Wir hätten eine große Werbekampagne starten können, wir hätten eine Lesung veranstalten können. So vieles wäre möglich gewesen. In meinem Kopf gab es hunderte von Ideen, die wir hätten umsetzen können. Hätten. Wenn Elli mir nur ein einziges Wort von ihrer finanziellen Not erzählt hätte. Nun trieb sie uns Beide in die Arbeitslosigkeit, weil sie zu stolz war, um Hilfe zu bitten und diesen Laden, wie er war, erhalten wollte.

„Und jetzt?“

„Am Wochenende machen wir einen großen Ausverkauf. Ich werde nachher noch Zettel drucken, die du bitte verteilst. Von dem Erlös werde ich versuchen, den Kredit abzuzahlen. Es waren ein paar tausend Euro, vielleicht bekommen wir das zusammen. Danach werde ich den Laden schließen. Falls wir genügend einnehmen, bekommst du für drei Monate noch dein Gehalt. Mehr kann ich nicht tun.“

„Mehr kannst du nicht tun? Aber du hast noch keine Schulden, bis auf den Kredit. Wir können doch noch alles raus holen. Uns sitzen doch noch keine Gläubiger im Nacken, oder?“

„Nein, außer der Bank natürlich nicht.“ Ihr Sarkasmus traf mich unangenehm in die Magengrube, doch ich überging die Übelkeit, die in mir aufstieg. Ich musste etwas unternehmen. Wir konnten uns nicht einfach so kampflos geschlagen geben. Schon alleine der Bücher wegen. Ich stellte mir vor, wie sie von Personen gekauft wurden, die einfach nur etwas Hübsches für ihren Bücherschrank suchten, mit dem sie angeben konnten und die dann für eine teure Gesamtwerkausgabe von Goethe womöglich nur zehn oder zwanzig Euro bezahlen würden. Ich konnte Ellis verkrampftes Gesicht vor mir sehen, wenn sie die Ausgabe in einen Beutel steckte und weggab.

„Jetzt hör mal zu! Ich werde ganz sicher nicht arbeitslos. Wir werden diesen Laden retten, koste es, was es wolle.“

Ich versuchte, einen möglichst entschlossenen Gesichtsausdruck zu zeigen, was mir gut gelang, doch es musste wohl auch etwas albern wirken, denn auf Ellis Gesicht zeigte sich eine Spur von einem Lächeln. Etwas sehr seltenes.

„Einen Monat. Wenn ich bis dahin nicht einen Teil des Kredites zurückzahlen kann, dann schließe ich.“

Sie ging an mir vorbei und ins Lager. Wie? Hatte sie so schnell klein bei gegeben? Und überhaupt, was sollte denn jetzt werden? Sollte ich das etwa alles alleine stemmen? Eine schöne Chefin war das. Ich verschränkte die Arme und starrte auf unser Messingschild, wie es im Wind hin und her schwang. Meine Miene verfinsterte sich vor Kampfgeist. Nein, ich würde dieses Schild, das Quietschen, die Bücher und die Holzwurmregale nicht einfach so aufgeben. Mein Entschluss war gefasst. Ich würde das Geschäft retten. Notfalls auch alleine.

Noch am selben Abend saß ich im Lager und stellte mit Elli einen Finanzierungsplan auf. Wir mussten die Bücher bezahlen, die Miete für den Laden, hinzu kamen unsere eigenen Unterhaltskosten. Insgesamt mussten wir etwa achttausend Euro im Monat einnehmen, wenn wir ordentlich durchkommen wollten. Bisher hatte es Elli immer geschafft, antiquarische Bücher mit hohem Seltenheitswert zu verkaufen, meist über dem Preis, den sie dafür ausgegeben hatte. Doch in letzter Zeit war ihr dies nicht mehr gelungen. Sie hatte zu viele teure Bücher eingekauft, ohne sie wieder los zu werden. Hinzu kam unser Sortiment, das ebenso Geld kostete. Wir bekamen zwar zwischen vierzig und fünfundvierzig Prozent Rabatt, aber dennoch mussten wir das Sortiment auf dem aktuellen Stand halten und bis auf unregelmäßige Verkäufe und eine Stammkundin nahmen wir nicht viel ein. Bisher hatte es für die Kostendeckung gereicht, auch wenn Elli wohl in den letzten Monaten gefastet haben musste. Doch nun drohten wir fast eintausend Euro Schulden zu machen. Der Plan war also recht einfach. Elli musste ihre Antiquariatseinkäufe vorerst einstellen. Danach galt es den Laden vollkommen umzustrukturieren, eine Werbekampagne in Auftrag zu geben und ein paar Aktionen zu starten, die nach Lesungen und Sonderverkäufen schrieen. Als wir am Abend alles durchgerechnet hatten, war sogar Elli zufrieden. Wir hatten realistisch gerechnet, waren aber dennoch zu dem Entschluss gekommen, dass wir am Jahresende ein Viertel des Kredites an die Bank zurückzahlen könnten. Es gab lediglich ein Problem, das uns Beide ein wenig traurig stimmte.

„Der Laden wird nie mehr so sein, wie er einmal war.“

„Ach hör mal, wir müssen ja nicht alles umräumen und neu machen. Dazu fehlt ja auch das Geld. Wir müssen nur neu sortieren und einordnen, ein bisschen streichen und die Schaufensterdekoration ändern. Er wird frischer wirken, aber er wird unser Laden bleiben.“

Elli nickte beklommen. An ihren Augen sah ich, dass sie von dem ganzen Plan nicht begeistert schien. Doch weder sie noch ich wollten das Geschäft aufgeben. Als sie am Abend den Laden verließ, nahm sie mich kurz in den Arm. Entsetzt über diese Geste stand ich noch lange in der Tür, bevor ich sie zuschloss und die elektronischen Fensterläden herunter ließ. Danach war es finster im Laden. Ich saß eine Weile hinter dem Tresen und sog den Geruch unserer Bücher ein. Die Vorstellung, das Alles zu verlieren, nagte an meiner Zufriedenheit, die ich empfand, wenn ich hier war. Ich blieb lange so sitzen und ging erst gegen Mitternacht ins Lager, wo neben all den Kisten auch meine Matratze lag. Mit vierhundert Euro konnte ich mir keine Wohnung leisten und so hatte mir Elli erlaubt, im Lager mein Heim aufzuschlagen. Es war nicht bequem, ich hatte keine Privatsphäre, aber ich war aufgehoben und kam mit dem Geld gut um die Runden. Ich hatte sogar schon etwas angespart, was für meinen eigenen Laden herhalten sollte, aber je mehr ich darüber nachdachte, wurde mir klar, dass ich hier niemals weggehen würde. Dies war mein neues Zuhause geworden, um das ich kämpfen musste. Mit diesen Gedanken schlief ich unruhig ein.

Am nächsten Tag begann unsere Arbeit. Elli hatte beschlossen, das Streichen auf das Wochenende zu verlegen, um nicht über die Woche absperren zu müssen. Außerdem wollte gegen Mittag ein Vertreter einer Werbeagentur vorbei kommen und bezüglich unserer Kampagne alles mit ihr besprechen. Unser größtes Problem lag nun also darin, unsere Bücher zu sortieren und wenn ich sage, dass dies unser größtes Problem war, dann meine ich das auch so. Weder die Werbung noch die Sonderaktionen würden uns soviel Arbeit bereiten, dessen war ich mir sicher. Wir beschlossen, die antiquarischen Bücher zunächst in Kisten zu stapeln und sie so von unserem modernen Angebot zu trennen. Danach mussten wir sehen, wie viel Platz in den Regalen blieb.

Es stellte sich heraus, dass unser Unterfangen schwieriger war als eine Inventur und so füllte sich Karton um Karton, bis gegen Mittag nur noch Taschenbücher oder neuwertige Hardcover in den Regalen standen. Wir rechneten aus, dass die Bücher in den Kartons wohl zwei bis drei Regale in Anspruch nehmen würden. Ich seufzte. Was hatten wir uns da nur vorgenommen? Einen Moment schwankten wir Beide in unserer Entschlusskraft, doch als der Mann von der Werbeagentur in den Laden kam, waren wir wieder bereit, alles zu tun, was nötig war. Während sie mit ihm ins Lager ging, um die Einzelheiten zu besprechen, räumte ich die Regale frei, die wir für die antiquarischen Bücher brauchen würden. Da ließ die Klingel ihren hübschen Ton vernehmen und ich entdeckte unsere Stammkundin, die verwundert zu mir blickte. Ich konnte die Frage in ihren Augen lesen.

„Keine Angst, wir räumen nur um.“

Erleichterung machte sich in ihrem Gesicht breit. Unsicher strich sie über die Buchrücken, die gerade nicht umgeräumt wurden und traute sich nicht zu mir hinter. Schließlich stieg ich von der Leiter und ging zum Tresen, um etwas zu trinken und mich kurz auszuruhen. Mein Magen winselte verzweifelt um Essen. Langsam lief sie nach hinten und strich nun auch über die Kartons. Manchmal glaubte ich, ihre Hände wurden von den Büchern angezogen und dieses Mal, obwohl sie auf die anderen Bücher in den Regalen schaute, glaubte ich, dass ihre Hand von einem verpackten antiquarischen Buch gefangen genommen war.

„Ich kann den Karton kurz aufmachen, wenn Sie wollen.“

„Nein.“

Schnell ging sie wieder nach vorn, doch heute schien sie nicht das Richtige zu finden. Sie wurde immer ungehaltener, zog öfter Titel heraus als sonst. Sie schien sich förmlich zu quälen. Als ich sie nicht mehr so leiden sehen konnte, ging ich nach hinten und öffnete einen Karton. Ich brachte die Bücher nach vorn und gab vor, sie zu sortieren. Erst traute sie sich nicht, doch wie ein scheues Kätzchen kam sie schließlich zum Tresen, schlich um ihn herum, bewunderte die Bücher, die auch sonst darauf standen, und griff endlich zu einem der antiquarischen Exemplare. Ich kann nicht mehr genau sagen, was es war. Es musste etwas mit der Seefahrt zu tun haben, zumindest ließ dies der verblasste Titel vermuten. Ich sah das Lächeln auf ihren Lippen und wusste plötzlich, wieso sie jeden Tag hierher kam. Diese leblosen Seiten zwischen den noch lebloseren Kartons waren ihre Freunde. Sie war Elli nicht unähnlich, doch sie war nicht so kühl, nicht so besessen von ihnen. Sie war ihnen eher liebevoll zugetan. So musste es Menschen mit ihren Briefmarken oder Modellautos gehen.

„Haben Sie das Richtige gefunden?“

Sie nickte lächelnd. Einen Moment setzte sie dazu an, etwas zu sagen, doch sie brachte kein Wort heraus und ließ es bleiben. Schade, dachte ich bei mir. Ihre Stimme war angenehm, nur hörte ich sie viel zu selten. Sie hatte sich zuerst für zwei neuere Bücher entschieden und schließlich kaufte sie noch das antiquarische Stück über Seefahrt.

„Das wären dann siebenunddreißig Euro und neunzig Cent.“

Sie gab mir vierzig Euro und beeilte sich, die Bücher einzupacken. Wie immer half ich ihr dabei. Sie war stets nervös und zitterte so stark, dass sie die Tasche beim ersten und zweiten Anlauf verpasste.

„Wir räumen jetzt übrigens ein wenig um. So werden Sie sich hier leichter orientieren können. Und wir planen eine Lesung zu veranstalten. Sie lesen doch sehr viel, könnten Sie uns vielleicht jemanden empfehlen?“

Diese Frage schien sie wie ein Schlag getroffen zu haben. Völlig verstört schüttelte sie den Kopf, sagte nicht einmal Danke schön und war aus der Tür. Irritiert blickte ich ihr hinterher. Noch seltsamer war der Anblick, der sich mir bot, nachdem sie auf die andere Straßenseite gewechselt war. Immer wieder tauchte sie in meinem Blickfeld auf, schien über die Straße gehen und den Laden betreten zu wollen, doch dann machte sie wieder kehrt. Das vollzog sich etwa eine halbe Stunde, bis sie es wohl endlich aufgab. Ich mochte diese Frau.

Nachdem ich die Regale frei geräumt und entstaubt hatte und gerade dabei war, die antiquarischen Bücher zu sortieren und wieder einzuräumen, kam Elli mit dem Medienberater hervor, dankte ihm und brachte ihn bis zur Tür. Vor Freude strahlend erzählte sie mir, dass man ihr ein äußerst günstiges Angebot gemacht habe und dass in der nächsten Woche ein Fotograf käme, der von der neu gestalteten Buchhandlung ein paar Fotos machen würde. Ihre Wangen glühten rot vor Aufregung. Ich lächelte und gemeinsam arbeiteten wir uns vor. Am Abend hatten wir es gerade einmal geschafft, unseren Antiquariatsbestand zu sortieren, doch uns blieb noch viel Zeit bis zum Wochenende und dem Fototermin.

„Ich lad’ dich zum Essen ein, was hältst du davon?“

„Klingt verlockend, aber womit habe ich das verdient?“

Meine Frage blieb wieder einmal unbeantwortet. Ich wusste, sie wollte mir irgendwie dafür danken, dass ich nicht einfach aufgegeben und ihr beigestanden hatte, obwohl das Schlimmste ja lange noch nicht vorbei war. Es jedoch auszusprechen, dazu war sie nicht in der Lage. Die Einladung war eine ebenso unbeholfene Geste wie die Umarmung am letzten Abend. Wir gingen in ein kleines Restaurant in der Nähe, das recht verlassen wirkte. Die Kellnerin war aber freundlich und das Essen war das Beste, was ich seit längerer Zeit zwischen die Zähne bekommen hatte. Elli war schweigsam. Ich war auch nicht in der Stimmung für große Worte. Nach dem Essen waren wir Beide wie erschlagen. Wir saßen da und nippten nur noch an unserem Tee, den wir bestellt hatten.

„Unsere Stammkundin war heute auch wieder da.“

„Wer?“

„Die Frau, die jeden Tag kommt. Sie war ganz aufgeregt, weil wir die Antiquariatsbücher weggepackt hatten und irgendwie fühlte sie sich von einem der Bücher magisch angezogen. So habe ich sie noch nie erlebt. Dann habe ich sie gefragt, ob sie uns wohl jemanden für eine Lesung empfehlen könnte. Das hat sie so aus dem Konzept gebracht, dass sie weggelaufen ist.“

„Ach, die meinst du. Ja, sie ist schon seltsam, aber solange sie regelmäßig etwas kauft, soll es mir Recht sein.“

Ich nickte. Anscheinend konnte Elli nicht die gleiche Begeisterung für unsere Stammkundin aufbringen wie ich. Wahrscheinlich waren meine Fragen in Bezug auf diese Frau tatsächlich albern. Wir trennten uns am Restaurant. Todmüde und melancholisch gestimmt, lief ich durch die Nacht zurück zum Geschäft. Über den Hintereingang kam ich ins Lager, zog mich aus und ließ mich auf die Matratze fallen. Ich dachte an die Bücher, an die zu entstaubenden Regale, den Medienberater, Elli, das Geld, an unsere Stammkundin und ihr seltsames Verhalten. In jener Nacht wurde ich von überdimensionalen Bücherwürmern durch ein Labyrinth aus Papierwänden gejagt und erwachte in völliger Dunkelheit. Ich wusste nicht, wo ich war und wie spät es überhaupt war. Brannte im Lager kein Licht, so war es selbst am Tag schwarz wie in der Nacht. Ich tastete an der Wand entlang und fand den Lichtschalter. Meine Uhr verriet mir schließlich, dass ich zehn Minuten vor meinem Wecker wach geworden war. Ich war durcheinander und völlig allein.

Als Elli eine Stunde darauf über die Hintertür ins Lager kam, war ich bereits damit beschäftigt, unsere Regale in verschiedene Abteilungen zu untergliedern. Buch um Buch bekam einen neuen Platz. Nur wenige Kunden kamen und hinterließen noch weniger Geld. Kurz vor Ladenschluss waren wir nicht nur erschöpft, sondern auch enttäuscht. Natürlich hatte unsere Werbekampagne noch nicht begonnen, über die Veranstaltungen mussten wir ebenso noch diskutieren, doch durch unsere neue Motivation hatten wir gehofft, schon etwas bewirken zu können. Doch alles, was sich draußen zeigte, waren Fäden von Regen. Das Messingschild quietschte vergnügt vor sich her und von der Klingel hatte ich heute viel zu wenig gehört.

„Ich glaube, wir können heute eher schließen.“

„Warte, unsere Stammkundin war noch nicht da.“

„Wer?“

Ich schnaubte verächtlich. An Ellis Kundenbetreuung mussten wir auch dringend noch arbeiten.

„Unsere Stammkundin, die jeden Tag kommt und etwas kauft.“

„Achso. Na schön.“

Sie ging nach hinten ins Lager, während ich zum Schaufenster trottete und dem Regen beim Fallen zuschaute. Da draußen ging eine Welt unter und wenn unsere neue Motivation und die daraus resultierenden Veränderungen nichts brachten, so würde auch in diesem Geschäft bald eine Welt zu Ende gehen, meine Welt. Punkt acht Uhr verkündete eine Glocke in weiter Ferne zunächst jedoch das Ende eines weiteren Arbeitstages und von unserer Stammkundin war weit und breit nichts zu sehen. In mir blieb nur das Gefühl zurück, dass etwas Wichtiges fehlte. Es war wie eine unerledigte Aufgabe oder das Vergessen eines wichtigen Geburtstages. Nachdem Elli gegangen war, stand ich darum noch lange am Glas und wartete. Jeden Moment würde sie um die Ecke kommen, über die Straße gehen und vorsichtig an die Ladentür klopfen. Es war in all den Tagen nicht ein einziges Mal vorgekommen, dass sie uns nicht einen Besuch abgestattet hatte. Als die weit entfernte Glocke die erste Stunde eines neuen Tages einläutete, gab ich es auf, ließ die Fensterläden hinunter und ging schlafen. In dieser Nacht suchte ich verzweifelt nach ihr in dem Labyrinth aus Papier, verfolgt von überdimensionalen Bücherwürmern. Doch meine Suche blieb erfolglos.

In den nächsten Wochen blieben meine Nächte unruhig. Die Werbung lief gut, wir hatten fast vier Mal so viel Kunden wie zuvor. Das entsprach nicht unseren kühnsten Hoffnungen, brachte jedoch beträchtliche finanzielle Erleichterung. Der Laden erstrahlte in neuem Glanz und der erste Sonderverkauf, den wir an einem Samstag hatten, ermöglichte es Elli die erste Rate an die Bank zurück zu bezahlen. Noch etwas kam uns in jener Zeit zugute. Das nördliche Ende der Stadt war bis dahin recht verfallen und unbewohnt gewesen. Die Stadt hatte jedoch beschlossen, die Läden wieder zu besetzen, um die Nordstadt attraktiver zu gestalten. So wurden die Mieten für die Geschäftsräume herunter gesetzt und innerhalb eines Monats waren ein Bäcker, ein Bekleidungsgeschäft und ein Optiker auf der anderen Straßenseite eingezogen. Das bedeutete, dass wir nicht nur weniger Miete zahlen mussten, sondern dass wir den Zulauf der anderen Geschäfte auch für uns nutzen konnten. Elli war nun jeden Tag damit beschäftigt, auszumisten, neue Schaufensterdekorationen zu gestalten und eifrig mit neuen Käufern zu telefonieren. Obwohl sie noch immer traurig war über das moderne Aussehen unseres vormaligen Ramschladens, gewöhnte sie sich zusehends daran. Wir wurden in unseren Entscheidungen ja auch bekräftigt und innerhalb von zwei Monaten, am Anfang eines neuen Jahres, als aus Regen Schnee und aus Wind bittere Kälte geworden war, schrieben wir wieder schwarze Zahlen. Ich war froh darüber, dass Elli keine großen Schulden gemacht hatte, wie es in anderen Unternehmen oftmals der Fall war. Wir hatten früh genug gehandelt. Ich bekam sogar eine Gehaltserhöhung und war endlich im Stande dazu, mir eine eigene Wohnung zu leisten. Ich hätte glücklich sein können, aber ich war es nicht. Sie war nicht mehr wiedergekommen. Zwei Monate lang hatte ich Nacht für Nacht am Schaufenster gewartet, hatte Tag für Tag gehofft, sie würde wieder im Laden stehen, doch von ihr war keine Spur. Ich befürchtete das Schlimmste. Elli schien es nicht zu stören, denn wir hatten mittlerweile weit mehr als nur eine Stammkundin. Sie war einige Male mit dem Werbeberater ausgegangen, ihr Geschäft brachte zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder Geld ein, in ihrem Leben war alles perfekt. Meine Bedrücktheit konnte sie daher nicht nachvollziehen.

Am Anfang des Frühlings gab ich mein Hoffen auf. Sie würde nicht mehr wiederkommen. Ich hatte sie verschreckt, sie war zu einem anderen Laden gegangen oder es war noch Schlimmeres geschehen. Nachdem ich mir unzählige Szenarien ausgedacht und wieder verworfen hatte, verdrängte ich den Gedanken und widmete mich unseren neuen Kunden. Was blieb, war das Gefühl, dass etwas in meinem Leben fehlte.

Der Frühling war nach all dem Regen und der Kälte besonders mild und schenkte uns viele Sonnentage. An einem ruhigen Samstag beschloss ich, das Messingschild zu polieren. Es hatte unter den Wetterbedingungen der letzten Monate gelitten. Während Elli sich um die Kunden kümmerte, nahm ich mir eine Leiter und holte das Schild von den Haken, an denen es befestigt war. Lächelnd betrachtete ich das gute Stück. Wie die Bücher gehörte es einfach zu unserem Laden dazu. Elli stand plötzlich in der Tür und sah zu mir auf.

„Wir haben soviel am Laden geändert. Meinst du nicht, es wird Zeit für ein neues Schild?“

„Auf gar keinen Fall!“

Ihr Lachen sagte mir, dass sie sich nur über mich hatte lustig machen wollen. Sie winkte beschwichtigend und zog sich in das Innere unseres gemeinsamen Schlosses zurück. Ich stieg von der Leiter, setzte mich auf die erste Sprosse und begann, das Schild zu polieren. Schicht für Schicht bröckelten Schmutz und eingetrocknete Wasserflecken ab. Stolz betrachtete ich den Glanz, der wieder zum Vorschein kam und die Frühlingssonne in sich aufsog, als zwei Beine an mir vorüber liefen. Ich legte den Kopf in den Nacken, um zu grüßen, wurde aber von den Sonnenstrahlen geblendet und blinzelte, bis sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten. Ein wohlbekanntes Gesicht sah auf mich hinab. Nach all der Zeit des Wartens konnte ich es nicht glauben: Da stand sie wieder. Einfach so. Sie tauchte einfach wieder so auf, nachdem ich Monate lang auf sie gewartet hatte. Vor Freude ließ ich das Messingschild fallen und stand abrupt auf.

„Guten Tag!“ Es kam viel zu laut heraus und riss die arme Frau fast von den Füßen.

„Guten Tag.“ In ihrem Gesicht zeigte sich ein Lächeln, bevor sie den Laden betrat. Ich hob das Messingschild auf und sah ihr hinterher. Sie blieb eine Weile an der Tür stehen. Elli war anscheinend ins Lager gegangen und konnte das wunderbare Schauspiel, das sich nun vollzog, nicht mit ansehen. Es schien, als würde sich die Frau erst einmal orientieren. Die Veränderungen kannte sie immerhin noch nicht. Als sie alles angesehen hatte, begann sie wieder durch den Laden zu streifen. Auf diesen Moment hatte ich solange gewartet. Dieser vertraute Anblick und das damit einhergehende Gefühl kehrten zurück. Jetzt war dieses Geschäft wieder mein Traum, mein Schicksal, mein Zuhause. Mit dem Schild in der Hand und an den Türrahmen gelehnt, sah ich ihr in aller Ruhe bei ihrem Streifzug zu. Niemand störte uns. Weder ein Kunde noch Elli noch ein vorüber fahrendes Auto. Ihre Finger strichen über die Buchrücken, suchten nach dem Anziehungspunkt. Ihre Blicke glitten über die neuen Regale, die wir uns nach den ersten Erfolgen geleistet hatten und die ich immer noch nicht mochte. Doch nun, da sie all die Regale berührte, wurden sie wieder zu einem Stück Inventar, gehörten sie plötzlich wieder zu mir. Ich wartete geduldig. Wie lange es dauerte, kann ich nicht sagen. Es mochten Minuten gewesen sein, vielleicht war es auch eine Stunde, bis sie zum Tresen kam, aber ich hätte auch Wochen so ausgeharrt. Schließlich legte sie wieder drei Bücher auf den Tresen, ich half ihr beim Einpacken, sie bedankte und verabschiedete sich und alles war wieder so, wie es immer gewesen war. Von nun an kam sie wieder jeden Tag in den Laden. Ich wagte es nicht, sie durch eine Frage wieder zu verscheuchen, obwohl mir so viele auf den Lippen lagen. Ein ums andere Mal wurde nun jedoch Elli endlich auf sie aufmerksam. An einem Spätsommerabend, als unsere Stammkundin gegangen war und wir dabei waren, die Fensterläden zu schließen – etwas, was wir nun stets gemeinsam taten – lachte sie plötzlich. Einfach so aus dem Nichts. Sie legte mir den Arm um die Schulter.

„Ich weiß jetzt, was es mit dieser Frau auf sich hat“, flüsterte sie mir verschwörerisch ins Ohr.

„Und was?“ fragte ich weniger verschwörerisch.

„Wie soll ich es sagen? Sie liebt diesen Laden, die Bücher und all das andere Inventar.“

Die Betonung von all dem anderen Inventar kam mir seltsam vor. Elli aber lachte nur weiter, ließ sich jedoch nicht mehr zu dem Thema aus. Ich rätselte tagelang, was sie damit gemeint haben könnte. Letztlich gab ich es auf und erfreute mich einfach an dem Gedanken, dass unserer Stammkundin unser Laden mit all seinem Inventar gefiel.

Als die Regenzeit wieder anfing, wurde Elli schwanger. Ich hatte nicht geglaubt, dass sie dazu überhaupt in der Lage sei. Nicht wegen ihres Alters oder ihrer körperlichen Attribute, sondern einfach aufgrund ihrer emotionalen Ausprägung. Aber die Beziehung mit dem Werbeberater tat ihr gut, die Beiden beschlossen sogar zu heiraten, sobald das Kind auf der Welt war. Und so verabschiedete sich Elli in den Schwangerschaftsurlaub. Sie übertrug die Leitung des Ladens auf mich und überließ mir die Suche nach einer Aushilfe. Anfang November klebte ein unschöner weißer Zettel im Fenster der Tür und ich bekam mehr als zwei Dutzend Anrufe am Tag. Nach den mehr als zwei Dutzend Vorstellungsgesprächen hatte ich jedoch niemanden gefunden, der mir gefiel, der meiner Meinung nach die nötige Leidenschaft mitbrachte. Am Ende der ersten Novemberwoche, als der Regen in besonders dicken Tropfen zu Boden fiel, kam unsere Stammkundin eine halbe Stunde vor Ladenschluss. Sie kam nie fünf Minuten zuvor, denn sie wusste, dass sie Zeit benötigte und sie wollte mich nicht länger als nötig aufhalten. Sie nahm Rücksicht. Ich lehnte mich auf den Tresen und sah ihr bei ihrer Suche zu. Sie wirkte oftmals wie ein Pendel oder eine Rute, die nach Wasser sucht. Nur fand sie stets ihr Ziel. An diesem Abend aber war sie ein wenig durcheinander. Sie schritt durch die Reihen, schien aber nichts entdecken zu können und blickte immer wieder scheu zu mir hinüber. Ich entschloss mich dazu, sie nicht länger anzustarren, was die Sache aber dennoch nicht besser machte. Völlig geknickt und in sich zusammen gefallen kam sie nach einer Stunde – sie hatte die Zeit überzogen, aber ich hatte es nicht einmal gemerkt – mit zwei Büchern zum Tresen. Ich lächelte, aber das schien sie nur noch mehr zur Verzweiflung zu bringen und in mir keimte die schreckliche Befürchtung auf, sie würde uns schon bald wieder verlassen.

„Sie suchen eine Aushilfe?“

Sie sah mich an. Mein Gesicht während des Einpackens so nah an ihrem, dass mir der Hauch ihres Mittagessens in die Nase stieg. Ich bekam Hunger auf Hühnchen. Weil unsere Gesichter sich fast berührten, sah ich nicht auf, sondern konzentrierte mich auf die Bücher und die Tasche, die sie völlig schief hielt.

„Ja, meine Chefin ist im Schwangerschaftsurlaub. Ich könnte das hier natürlich allein stemmen, aber da sie länger weg sein wird und für den Fall, dass ich einmal krank werde, wäre es besser, ich hätte eine Aushilfe, die ein paar Stunden am Tag hier ist und gegebenenfalls für mich einspringen könnte.“

Sie sah mich noch immer an. Mir wurde unwohl. Die Bücher waren eingepackt und ich trat einen Schritt zurück.

„Hätten Sie Interesse?“

„Ich?“

„Ja.“

„Nein.“

Eiligst drehte sie sich um und verließ den Laden. Ohne sich zu bedanken, ohne sich zu verabschieden. Ich gab es auf. Diese Frau war eine Irre oder trank zuviel koffeinhaltige Getränke, weshalb sie stets so nervös war, wenn man mit ihr sprach. Als ich das Kinn, das mir vor Verzweiflung Richtung Brustbein gerutscht war, wieder hob, sah ich, wie sie auf der anderen Straßenseite hin und her lief. Dieses Prozedere kam mir bekannt vor. Aber es sollte nicht so enden wie das letzte Mal. Ich trat aus der Tür und verschränkte die Arme. Als sie meiner gewahr wurde, lief sie schnell davon.

„Falls Sie sich doch für den Job interessieren, dann kommen Sie morgen um neun Uhr zum Vorstellungsgespräch“, rief ich ihr hinterher und war sicher, dass sie es gehört hatte. An diesem Abend ließ ich mit einem Lächeln die Fensterläden hinunter. Ich hoffte, sie würde kommen und dennoch ließ mich die Angst, dass sie es nicht tun würde, in jener Nacht kein Auge zu tun.

Als ich am nächsten Morgen das Geschäft erreichte, angeschlagen von der schlaflosen Nacht, wartete sie bereits. Es war zehn vor Neun. Wir begrüßten einander. Ich bat sie über den Hintereingang mit ins Lager zu kommen, doch das lehnte sie ab. Als ich sie kurz darauf in den Laden ließ, versuchte sie zunächst einmal den Eindruck zu erwecken, sie wolle nur ihre tägliche Portion Bücher besorgen. Doch ihre Nervosität verriet mir, dass sie aus anderen Gründen hier war. Ich wartete geduldig ab, bevor sie vier Bücher auf den Tresen stapelte. Sie reichte mir das Geld, doch ich nahm es nicht, sondern lächelte sie an.

„Wenn Sie hier anfangen, dann können Sie die ganzen Bücher hier lesen.“

Sie schüttelte den Kopf und legte den Geldschein vor mir auf den Tresen. Konnte ich sie denn überhaupt nicht überzeugen? Ich nahm das Geld und legte es in die Kasse, um ihr dann beim Einpacken der Bücher zu helfen.

„Wie lange muss die Aushilfe denn hier arbeiten?“

Überrascht sah ich sie an. Hatte sie sich nun doch dazu entschlossen oder besser, sich durchgerungen, zu fragen?

„Also von zwölf bis zwanzig Uhr am Montag, Mittwoch und Freitag und Samstag von neun bis sechzehn Uhr.“

„Und Dienstag und Donnerstag?“

„Nun ja, wir können keine zweite Mitarbeiterin einstellen. Zumindest nicht fest, deshalb sollte sie möglichst auch nicht zu viele Stunden pro Woche arbeiten.“

Sie nickte, sagte jedoch nichts mehr. Allerdings rührte sie sich auch nicht von der Stelle und sah nur zu Boden.

„Wir würden vierhundert Euro im Monat bezahlen können. Sollten die Geschäfte weiter so gut laufen oder gar noch besser werden, dann könnte man auch über eine besser bezahlte Festeinstellung reden.“

Immer noch kein Wort. Wie sollte ich sie nur ermutigen?

„Und natürlich dürfen die Mitarbeiter die Bücher, die hier sind, auch lesen.“

Endlich sah sie auf und zeigte ein verkrampftes Lächeln. Sie zog aus ihrer Tasche eine Bewerbung hervor, die sie mir reichte. Obwohl ich sie sofort eingestellt hätte, hielt ich es für besser, mir die Unterlagen anzusehen. Nur um den Eindruck von Professionalität zu vermitteln. Mit einem Mal gewann ich einen Eindruck vom Leben einer Frau, die ich bis dahin nur mit dem Namen Stammkundin versehen hatte. Es war eigenartig. Die Zahlen und Worte sprachen eine für mich unerhebliche Sprache. Es war mir gleich, ob ihr Name Julie war und dass sie mein Alter hatte. Es war mir gleich, dass sie auf ihren Zeugnissen nur gute Noten zu verzeichnen hatte und dass sie die Tochter des Mannes war, der einen der größten Medienbetriebe im Lande unter sich führte. Dort war sie ausgebildet worden, aber ihre Liebe zu den Büchern stammte schon aus ihrer Kindheit und sie kam sicher nicht von ihrem Vater. Bisher hatte sie jedoch bei ihm gearbeitet und so erklärte sich auch, woher sie das Geld für ihre regelmäßigen Einkäufe hatte.

„Das sieht gut aus. Wann könnten Sie denn anfangen?“

„Gleich?“

„Das wäre fabelhaft. Ich zeige Ihnen gleich alles. Die Tasche können Sie im Lager abstellen.“

Den Anfang des Tages verbrachten wir mit der Einführung, begannen einander mit dem Vornamen anzusprechen und Julie zeigte gegenüber den ersten Kunden, dass sie keineswegs schüchtern oder seltsam war, wie sie sich oftmals verhielt. Sie hatte zwei Seiten und mir gefielen Beide. Mir gegenüber blieb sie zurückhaltend, doch im Kundengespräch konnte ich das Glühen in ihren Augen sehen. Sie ließ keinen Kunden einfach so aus dem Geschäft, ohne ihm nicht wenigstens einen Wunsch von den Lippen abgelesen zu haben.

Als Elli am Nachmittag kam, um zu sehen, wie die Suche nach einer Aushilfe voran ging, war sie sichtlich nicht überrascht. Aus irgendeinem Grund zeigte sie nur ein wissendes Lächeln, tätschelte mir den Arm und unterhielt sich angeregt mit Julie. Ich glaubte, dies seien die Auswirkungen der Schwangerschaft. Die nächsten Wochen verliefen ruhig, was uns Zwei anging, und aufregend, was den Kundenzustrom betraf. Julies Anwesenheit schien das Geschäft weiter zu beflügeln. Hinzu kamen die Weihnachtsverkäufe, die sich nun häuften. Wir verkauften ein paar der wertvolleren antiquarischen Stücke für gute Preise, die Julie heraus handeln konnte. Sehr zu Ellis Zufriedenheit. Gemeinsam mit meiner neuen Kollegin Stammkundin erstellte ich eine Homepage für unseren Laden, die sehr bald regen Zulauf erhielt und über die nun vermehrt auch Onlinebestellungen eingingen. Es war jedoch nicht so, dass Julie sich unangenehm hinein drängte in meine vorherige Zweisamkeit mit Elli. Nein, sie schien eine Lücke auszufüllen, die immer da gewesen war. Sie gab nur hier und da Anregungen, kam sehr gut mit den Kunden zurecht, half beim Sortieren und einräumen und bei etwaigen Bestellungen, doch den Rest des Tages, wann immer es unsere Zeit erlaubte, fuhr sie magisch angezogen über Buchrücken und las bis kurz vor Ladenschluss in dem einen oder anderen Buch. Mir fiel auf, dass es selten Bücher gab, die sie verschlang und bis zur letzten Seite auskostete. Vielmehr schien sie sich alle Seiten, die es in dieser, unserer kleinen Welt gab, einmal ansehen zu wollen, berühren zu wollen, jedoch nie mehr. Die Bücher, die sie faszinierten, waren überraschender Weise Schmachtromane, die von tragischen Liebesgeschichten berichteten. Von ihnen hatte sie viele als Kundin gekauft, aber auch sehr viele andere Literatur. Mir blieb diese Frau ein Rätsel, aber darüber war ich froh. Sie schien mir wie ein Gedicht, das wir in der Schule lesen sollten. Am Anfang war es wunderschön, doch dann wurde jede Zeile interpretiert, in ihre Bestandteile zerlegt, bis nichts als Buchstaben und Deutungsansätze über blieben, die nicht zu dem Gefühl passen wollten, welches ich beim ersten Lesen empfunden hatte. Julie war ein solches Gedicht und ich wollte ihre Buchstaben nicht kennen lernen und sie deuten, ich wollte nur die Worte lesen und das schöne Gefühl behalten. Manches Mal, wenn ich sie beim Lesen beobachtete, sah sie verlegen auf und lächelte mich an, woraufhin ich in Verlegenheit geriet und mich anderen Dingen zuwandte.

Als die Abende schneller kamen und dunkler wurden und das Messingschild mit Schnee bedeckt wurde, fingen wir Beide an, den Ladenschluss hinaus zu zögern. Oft schlossen wir die Tür erst eine halbe Stunde nach Acht ab. Manches Mal blieben wir selbst danach noch im Geschäft, sortierten noch einige Bücher und ließen schließlich schweren Herzens die Läden hinunter. Die Verabschiedung war an jenen Abenden trostlos und wenn ich auch nichts über ihr Privatleben wusste, weil wir selten über intimere Sachen sprachen, so ahnte ich doch, dass sie in eine ebenso einsame Wohnung einkehrte wie ich. Am Weihnachtstag, an dem wir länger als die anderen Geschäfte geöffnet hatten, schien mir der Abschied noch schwerer als sonst. Wir standen uns unschlüssig gegenüber.

„Ein schönes Weihnachtsfest wünsch ich dir.“

Sie antwortete nicht, sondern sah hinab auf meine Stiefel, die in dreißig Zentimeter hohem Schnee versanken.

„Hast du Lust, mit zu mir zu kommen?“

Zuerst glaubte ich, sie würde den Schnee meinen, doch als mir bewusst wurde, dass sie mich meinte, nickte ich heftig. Sie sah auf und lächelte fröhlich. Gemeinsam wateten wir schweigend durch die Schneemassen und erreichten nur zehn Minuten später eine Altbauwohnung am nördlichen Ende der Stadt. In den Fenstern hingen Weihnachtsdekorationen. Leuchtende Sterne, Schwibbögen und kleine Weihnachtsmänner standen und baumelten hinter den Scheiben. Ich hatte seit drei Jahren kein Weihnachten mehr gefeiert. Julie schien es ganz ähnlich zu gehen. Wir betraten das enge Treppenhaus, das uns zu einer kleinen Wohnung im Dachgeschoss führte. Im Flur gab es eine Treppe, die hinauf bis auf den Dachboden reichte, den Julie, wie sie stolz erklärte, ganz allein für sich nutzen dürfte. Wir blieben jedoch in ihrer Wohnung, die aus nichts als einer kleinen Küche, einem engen Bad und einem Zimmer von kaum achtzehn Quadratmetern bestand. In diesem Zimmer befanden sich ein Bett, ein Schreibtisch und ein gewaltiger, klobiger Kleiderschrank, den sie hinter einem roten Vorhang verborgen hielt. Ansonsten war das Zimmer leer, was auch gut so war, sonst hätte man sich darin noch beengter gefühlt. Sie hing meinen Mantel hinter den Vorhang und stand dann – wie ich – sinnlos im Zimmer herum.

„Möchtest du was essen?“

„Ja, gern.“

Mit einem Mal war ich es, die sprachlos war. Julie ging in die Küche und ließ mich allein zurück. Ich schlenderte nach einer Weile in den Flur und weil Julie beschäftigt war, stieg ich die Treppe zum Dachboden hinauf. Wo vormals eine Tür gewesen war, hing nur ein weiterer Vorhang und der führte mich direkt in eine kleine Bibliothek. Der Dachboden erstreckte sich nicht nur über die Grundfläche der Wohnung, sondern maß mindestens das Doppelte. Überall standen Regale, gut gepflegt, in denen Bücher lagerten. Mehr Bücher als in unserem Laden. Erstaunlicherweise roch es nicht muffig und die Luftfeuchtigkeit war angenehm. Julie kümmerte sich gut um ihre kleine Privatbibliothek, dessen war ich mir sicher. Ich betrachtete die Regale und versuchte zu zählen, wie viele Bücher hier oben sein mussten, aber das war schwer zu sagen. Ich tippte auf wenigstens eintausend Stück.

„Du bist hier oben.“

„Oh, entschuldige. Ich war nur neugierig. Das ist wirklich großartig.“

Sie nickte und reichte mir eine warme Tasse Tee. Sie lächelte mich an und dann begann ein langer Abend. Sie erzählte mir von ihrer Familie, von ihrer Arbeit in der Firma ihres Vaters und dass es schwer für sie gewesen war, sich von ihm zu lösen. Diese Bücher, die sie hier nun lagerte, waren nur ein winziger Bestandteil dessen, was sie über all die Jahre gemeinsam mit ihrem Vater angeschafft hatte. Sie erzählte, dass er ein Haus im Zentrum der Stadt gekauft hatte und dass drei der vier vorhandenen Stockwerke mit Bücherregalen zugestellt waren. Es gab jedoch kein heilloses Durcheinander. Nein, alles war sorgfältig sortiert und wurde regelmäßig gereinigt. Julie hatte ihre Kindheit zwischen diesen Regalen verbracht und hatte früh begonnen, ebenso Bücher zu sammeln. Dies hier nun war ein Teil des Ergebnisses ihrer Bemühungen. Ich hörte gespannt zu, doch irgendwann vernahm ich ihre Stimme nur noch als ein melodisches Summen. Es wurde spät und am frühen Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages saßen wir ratlos auf ihrem Bett. Es war zu eng, als dass ich hier hätte übernachten können, doch trennen wollten wir uns nicht. Nach langer Zeit entschlossen wir uns zu einem Spaziergang. Mitten in der kalten Nacht des ersten Weihnachtsfeiertages. Wir gingen durch die kleinen Gassen der Stadt, hörten die Stille und erreichten meine Wohnung, in der wir einschliefen. Stirn an Stirn, Hand in Hand, Bein zwischen Bein.

Zu diesen seltsamen Nächten gesellten sich noch viele. Wir begannen zusammen zu leben. Dies ist nicht nur im Sinne einer räumlichen Nähe gemeint. Nein, vielmehr begannen wir wegen des Anderen endlich zu leben. Früher hatten wir Beide nur für unsere Bücher existiert, nun galt unser Leben einander.

Was es war, was uns verband, konnte ich nicht sagen. Doch damals wie heute ist es, wie ich bereits sagte, als wäre sie ein Bestandteil meines Lebens, als gehörte sie einfach hinein, als würde eine zuvor kaum gespürte, aber doch vorhandene Lücke gefüllt. Noch heute bin ich der Meinung, dass sie wie ein Buch ist. Es gibt Dutzende, Tausende, Abermillionen davon und viele werden wir lesen und in Regale stellen, doch nur ein Einziges werden wir unser Leben lang lieben.


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