…von Simon Beckett
Inhalt (enthält Spoiler):
David Hunter ist forensischer Anthropologe, bis seine Frau Kara und seine vierjährige Tochter Alice bei einem Autounfall ums Leben kommen. Danach sieht er keine Chance mehr, seinem Beruf weiter nachzugehen. Er bewirbt sich auf ein Stellenangebot in der Pampa, genauer gesagt, in dem friedlichen, abgelegenen Dorf Manham in den Broads. Als er überraschenderweise angenommen wird, ist er froh, London entfliehen zu können. Fortan soll er, erst einmal für ein halbes Jahr, als Aushilfe des Landarztes Henry Maitland arbeiten, der seit einem schweren Unfall nicht mehr laufen kann. Doch aus dem halben Jahr werden drei lange Jahre. Zwar ist David trotz alledem ein Fremder in dem Dorf und die Meisten wollen zu dem “richtigen” Doktor, doch ansonsten führt er ein beschauliches Leben, wenn er auch ständig diese Träume von seiner Frau und seiner Tochter hat, in denen alles perfekt ist, bis auf das Aufwachen und die Gewissheit, sie nie wiederzusehen. Aber dann finden die Yates-Brüder, Sam und Neill, eine Leiche im Wald- und Sumpfgebiet, das ganz Manham umgibt. Wie sich herausstellt, ist es die Leiche von Sally Palmer, einer Schriftstellerin, die aus der Stadt kam und wie David immer eine Fremde blieb. Der Officer, der mit dem Fall betraut wird, Mackenzie, erfährt, dass David ein forensischer Anthropologe war und bittet ihn, bei der Aufklärung des Falles mitzuhelfen. Doch David weigert sich. Dieses Leben liegt hinter ihm. Bis eine zweite Frau verschwindet, Lyn Metcalf, die noch dazu schwanger war. David erklärt sich bereit, zu helfen, auch wenn es ihm schwer fällt. Da bekommt er einen Anruf von der Schule, auf die Sam Yates geht. Der Junge ist in Panik verfallen. David fährt vorbei, um sich um ihn zu kümmern und lernt dabei Jenny Hammond, seine Lehrerin, kennen. Inzwischen ist das ganze Dorf erschüttert und alle beteiligen sich an der Suche nach Lyn, doch vergebens. Stattdessen finden sie einen Haufen Fallen von Stolperdrähten bishin zu Holzpfählen, an denen sich die Suchtrupps verletzen. Stolperdrähte, die dem ähnlich sehen, der in der Nähe von Lyn Metcalfs Armbanduhr gefunden wurde. Stolperdrähte, wie der, mit dem eine Gans auf Lyns Laufstrecke an einem Pfosten festgebunden war. Es stellt sich heraus, dass auch Sally Palmer zuvor mit einem toten Tier “markiert” worden war. Vor ihrer Haustür hatte jemand kurz vor ihrem Verschwinden ein totes Wiesel abgelegt. Während David sich den Unterschungen an den Leichen widmet und sich zunehmend in Jenny verliebt, kocht die Stimmung in der Stadt über. Jeder bezichtigt jeden, denn es ist klar, dass der Mörder aus ihrer Mitte stammen muss. Es werden Fenster eingeschlagen, alte Zwistigkeiten kommen wieder auf, ein Homosexueller wird zusammen geschlagen und muss ins Krankenhaus, aber keiner will etwas gesehen haben. Eine Aura des Misstrauens liegt über dem ganzen Dorf. Pfarrer Scarsdale stachelt die Menge weiter auf und profiliert sich vor der Presse, in dem er seine unsinnigen Reden schwingt, was schließlich zur Gründung einer Bürgerwehr führt, die dem Wilderer Carl Brenner und seinem Cousin Dale untersteht. Und dann passiert etwas, das Davids Leben komplett auf den Kopf stellt. Jenny wird entführt und David weiß, er hat nur drei Tage, denn solange wurden die Frauen zuvor immer festgehalten. Außerdem braucht Jenny ihre Insulinspritze. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Währenddessen erlebt Jenny einen wahren Horror, immer wieder wird sie von ihrem Peiniger gedemütigt, geschlagen und geschnitten. Im Zuge der Ermittlungen wird Davids Freund, Ben Anders, ein Wildhüter, festgenommen, weil er von Carl Brenner bezichtigt wurde, in Jennys Nähe gesehen worden zu sein, als sie verschwand. Doch dann stellt sich heraus, dass Carl Ben nur aufgrund alten Hasses falsch verdächtigt hat. Carl und sein bei der Armee gewesender Cousin Dale kommen ins Kreuzfeuer. Sofort macht sich die Polizei auf, um die Zwei zu schnappen. Doch unterwegs muss David heraus finden, dass er vollkommen falsch lag…
Bewertung:
Krimis sind gewöhnlich keine Lektüre für mich, obwohl ich davon inzwischen wohl schon zuviel lese. Die Chemie des Todes beginnt, zugegeben, recht eklig. Man möchte nicht unbedingt wissen, wie viele Maden sich in dem verwesten Körper von Sally Palmer tummeln und es erschien mir gleich so, dass diese ersten zwei Seiten vor allem dazu dienten, Lust auf mehr zu machen. Doch soviel mehr kam dann nicht an Greueltaten (abgesehen von den Verletzungen, die den Frauen zugefügt werden), wofür ich dem Autor allerdings dankbar bin, denn alles andere wäre tatsächlich nur Effekthasche gewesen. Stattdessen geht der Roman aber in einen echten Krimi über, bei dem man sofort beginnt, sich auszumalen, wer der Mörder ist. Vor allem die Stellen mit Lyn Metcalf, wie sie einsam durch den Wald läuft und das Gefühl hat, verfolgt zu werden, gehen schon sehr an die Psyche, vor allem, wenn es draußen dunkel und alles um einen herum ruhig geworden ist. Letzten Endes liest sich der Roman aber auch so leicht, dass man einfach weiterlesen muss. Und sei es auch bis um ein Uhr in der Nacht. Da entwickeln sich dann auch im eigenen Hirn die abstrusesten Ideen von den Beweggründen des vermeintlichen Mörders. Gut, ich lag von Anfang an richtig, obwohl ich zwischendurch, da Beckett immer wieder auf neue Spuren lenkt, doch an meinem Gespür gezweifelt hatte. Aber das ist es eben, was einen guten Krimi ausmacht. Man hat einfach Lust beim Mitraten und will wissen, wer der Mörder ist, weil es eigentlich die ganze Gemeinde gewesen sein könnte. Natürlich kommt die Romantik nicht zu kurz, aber auch das sei dem Autor hoch angerechnet, er hat es nicht überstrapaziert. Zwar lernt man nicht ganz soviel über die Chemie des Todes wie vielleicht in den Krimiserien auf RTL und VOX und David trägt nun nicht gerade maßgeblich zum Erfolg der Polizeiarbeit bei, dennoch hat man was zum Gruseln, vor allem wenn man an Insektophobie leidet. Sprachlich ist das Buch einfach unglaublich flüssig zu lesen. Keine langen Umschweife, keine großartigen Erklärungen, einfach drauf los und frei heraus.
Diesmal stimme ich mit einigen Kommentaren zu dem Buch überein, besonders mit dem Beitrag, dass dieses Buch genau das Richtige für einen schwülen, heißen Sommer ist, wenn leichter Modergeruch in der Luft liegt, wie wir es diese Tage erleben können (abgesehen von dem Modergeruch). Jedem Krimifan wärmstens ans Herz zu legen und anderen, die Krimis sonst nicht mögen, doch wenigstens als Kostprobe anzubieten.
9. Februar 2009 um 23:38
[...] „Kalte Asche“ ist außerdem der zweite Roman von Simon Beckett. Eine Rezension zu dem ersten Roman „Die Chemie des Todes“, der sich zahlreiche Wochen auf Platz 1 der Bestsellerlisten hielt, findet sich hier. [...]
15. August 2009 um 12:59
[...] Punkten. Ein spannender Thriller mit kleinen Abstrichen in der C-Note, lesenswerte Fortsetzung von Die Chemie des Todes und Kalte [...]
13. März 2011 um 12:59
[...] Die Chemie des Todes [...]